China blitzt im Stromnetz ab
China blitzt im Stromnetz ab
wb Frankfurt – Der belgische Elia-Konzern schiebt mit einem nahezu milliardenschweren Deal dem Einstieg der chinesischen State Grid für die Beteiligung am deutschen Stromnetzbetreiber 50 Hertz einen Riegel vor. Es sollte der erstmalige Einstieg eines Staatsunternehmens aus dem Reich der Mitte in kritische Infrastruktur hierzulande werden, zu der neben Stromleitungen auch Kraftwerke, Gas-, Wasser- und Telekommunikationsnetze sowie Krankenhäuser zählen. Dies wäre gesetzlich möglich gewesen, da das Investment unter 25 % bleiben sollte.Die in Brüssel gelistete Elia, die bereits 60 % an 50 Hertz hält, stockt nun auf 80 % auf. Kostenpunkt: 976 Mill. Euro. Der Übertragungsnetzbetreiber, der von Bank of America Merrill Lynch beraten wird, hat sich damit entschieden, sein Vorkaufsrecht in Anspruch zu nehmen, und erwirbt zusätzlich 20 % an Eurogrid International, der Holding der 50 Hertz Transmission. Anfang Februar hatte der australische Infrastrukturfonds IFM die Absicht bekundet, die Hälfte seines Anteils von 40 % verkaufen zu wollen. Dieses Paket sollte das Einfallstor für Peking werden. Daraus wird nun nichts. Bewertung stark gestiegen50 Hertz in Berlin ist einer der vier deutschen Stromautobahnbetreiber – neben Tennet, Amprion und der EnBW-Tochter TransnetBW -, die den überregionalen Stromtransport organisieren. Vor acht Jahren hatte Elia 60 % für 486 Mill. Euro vom schwedischen Energieversorger Vattenfall erworben. Seitdem sind die operativen Ergebnisse (Ebitda) im Schnitt um 13 % pro anno gestiegen. Die Bewertung für 100 % lag 2010 bei 810 Mill. Euro, auf Basis der aktuellen Transaktion sind es 4,9 Mrd. Euro. Heute gilt 50 Hertz als der am schnellsten wachsende Teil von Elia. Das Wachstum rührt im Wesentlichen von Investitionen in die Netzinfrastruktur, um die Energiewende mit ihren enorm wachsenden Anteilen erneuerbarer Energien zu ermöglichen. Mit 53,4 % stammte im vorigen Jahr erstmals über die Hälfte des verbrauchten Stroms von 50 Hertz aus regenerativer Erzeugung.Die für die nächsten fünf Jahre geplanten Investitionen von 2,3 Mrd. Euro in Belgien und 3,3 Mrd. Euro in Deutschland würden wie geplant getätigt, heißt es. Eine Änderung des Ratings (“BBB +” von S & P) erwartet Elia nicht. Der Kaufpreis von 976 Mill. Euro werde zu 70 % über Hybrid- und zu 30 % über vorrangige Anleihen finanziert. Nach der Transaktion werden die Belgier Eurogrid und damit 50 Hertz voll konsolidieren. Darum angepasst kommt Elia für 2017 auf eine Bilanzsumme von 12,7 Mrd. Euro, auf einen Umsatz von 2,2 Mrd. und einen normalisierten Gewinn von 253 Mill. Euro. An Elia halten belgische Kommunen 47,5 %, die Mehrheit liegt im Streubesitz.Das Netz von 50 Hertz erstreckt sich über eine Fläche von 110 000 Quadratkilometer im Nordosten der Republik und ist rund 10 000 Kilometer lang. Das entspricht nach Angaben des Unternehmens der Strecke von Berlin nach Rio de Janeiro. Rund 18 Millionen Kunden seien über die Leitungen angebunden.