Cineworld, Intu und Tullow fürchten den Kollaps

Covid-19-Epidemie und Ölpreisverfall machen britischen Gesellschaften zu schaffen

Cineworld, Intu und Tullow fürchten den Kollaps

hip London – Die Covid-19-Epidemie und der Ölpreisverfall haben Cineworld, Intu Properties und Tullow Oil dazu gebracht, bei der Veröffentlichung von Geschäftszahlen vor einem möglichen Kollaps zu warnen. Der Kinobetreiber Cineworld, der gerade die kanadische Cineplex übernimmt, hat nach eigenen Angaben bislang nur “minimale Auswirkungen” der Epidemie auf sein Geschäft beobachtet. Im Going-concern-Statement der Gesellschaft heißt es allerdings, dass Kreditklauseln gerissen werden könnten, sollten der Gruppe die Einnahmen von zwei bis drei Monaten entgehen. Man halte dieses Szenario für unwahrscheinlich, träte es dennoch ein, bestünden “wesentliche Zweifel” daran, dass die Gruppe ihr Geschäft weiterbetreiben könne. Die Analysten von Peel Hunt bemängelten, das Management habe die Chance verschenkt, Klarheit darüber zu schaffen, wie die Schulden der Gesellschaft strukturiert sind. “Würden wir die Einzelheiten der Finanzierung von Cineworld verstehen, könnten wir zuversichtlich sein, dass das Unternehmen durch die Epidemie kommt, ohne zusätzliche Mittel zu benötigen”, schrieben sie in einer ersten Einschätzung. “Und wenn wir wüssten, dass die Cineplex-Übernahme nicht weiterverfolgt wird, wären wir positiver gestimmt.” Wesentliche ZweifelBeim mit 4,5 Mrd. Pfund verschuldeten Shoppingcenter-Betreiber Intu Properties gibt es wegen “wesentlicher Ungewissheit” nach dem Scheitern einer Kapitalerhöhung “wesentliche Zweifel” am Fortbestand des Unternehmens. Die Immobiliengesellschaft hat unter anderem das Trafford Centre in Manchester und das Metrocentre in Gateshead im Portfolio. Ihren Mietern machen die veränderten Konsumgewohnheiten der Verbraucher ebenso zu schaffen wie der steigende Mindestlohn. Eine ganze Reihe von Einzelhandels- und Gastronomieketten nutzte bereits Sanierungspläne, um niedrigere Mieten auszuhandeln. Die Covid-19-Epidemie dürfte dafür sorgen, dass noch weniger Kunden in die Zentren kommen. Schlimmstenfalls könnten sie vorübergehend geschlossen werden.Nach zweimaliger Verschiebung der Geschäftsergebnisse hatte das Unternehmen Anfang März vorläufige Zahlen für 2019 vorgelegt. Der Beleihungsauslauf ist auf 68 % gestiegen (siehe Grafik). Aus Sicht der Analysten von Jefferies wurde an der Börse bereits weitgehend eingepreist, dass das Eigenkapital ausradiert werden könnte. Die Aktien notierten zuletzt bei 4,5 Pence.Auch bei Tullow Oil sind “wesentliche Zweifel” daran aufgekommen, dass das Geschäft weitergeführt werden kann. Die FTSE-250-Ölgesellschaft zeigte für das vergangene Jahr einen Verlust von 1,3 Mrd. Pfund, nachdem hohe Abschreibungen auf das in Guyana entdeckte Ölvorkommen vorgenommen werden mussten, das sich als Niete erwiesen hatte. Nun soll die Belegschaft um ein Drittel reduziert und 780 Mill. Pfund durch Teilverkäufe eingenommen werden. Die Gruppe habe noch für das kommende Jahr oder etwas länger Absicherungsgeschäfte getätigt, danach brauche sie einen Ölpreis von 45 Dollar pro Barrel (159 l), um ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen, schrieb Nicholas Hyett, Analyst bei Hargreaves Lansdown. Derzeit notiert Nordseeöl der Marke Brent bei 33 Dollar je Barrel.