Clariant streicht die Segel
Clariant streicht die Segel
Nach monatelangem Abwehrkampf gegen einen neuen aktivistischen Großaktionär gibt der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant seine Fusionspläne mit dem US-Wettbewerber Huntsman auf. Im Markt wird erwartet, dass Clariant nun aufgespalten oder übernommen wird.swa Frankfurt – Die beiden Spezialchemiekonzerne Clariant und Huntsman begraben ihre Pläne für einen Zusammenschluss. Sie beugen sich dem monatelangen Widerstand des opponierenden Großaktionärs White Tale, der seinen Anteil jüngst auf über 20 % ausgebaut hat. Der Baseler Konzern hätte auf der Hauptversammlung die Zustimmung von zwei Dritteln seiner Aktionäre benötigt, um die 20 Mrd. Dollar schwere Transaktion über die Bühne zu bringen. Dahinter stand nun ein großes Fragezeichen. Angesichts der Unsicherheit für beide Unternehmen habe man beschlossen, den Fusionsvertrag aufzulösen, teilt Clariant mit.Hinter White Tale steht der US-Hedgefonds Corvex und das US-Familienunternehmen Standard Industries, die nach Bekanntgabe der Fusion eine nennenswerte Beteiligung aufgebaut haben und sich gegen das Vorhaben stemmten. Der Transaktion fehle die industrielle Logik und Clariant verkaufe sich unter Wert, wurde von Seiten der Aktivisten argumentiert. Gefordert wurde der Verkauf der Sparte Plastics & Coatings. Das Clariant-Management hatte anfangs gehofft, die Opponenten noch überzeugen zu können. CEO Hariolf Kottmann zeigte sich enttäuscht über die Blockade und erklärte: “Ich habe bis heute nicht herausgefunden, warum White Tale den Deal wirklich verhindern wollte.”Clariant will nun das Gespräch mit allen größeren Anteilseignern suchen, um die weitere Strategie auszuloten. “Auch wenn White Tale bislang eine andere Haltung zur Fusion vertritt als wir, teilen wir das gemeinsame Interesse, den Wert von Clariant zu steigern”, so Kottmann. Zweitgrößte Anteilseigner mit 14 % sind ehemalige Familienaktionäre der von Clariant übernommenen Süd-Chemie; dieser Kreis hat die Fusion unterstützt.Nach Bekanntgabe des Abbruchs der Transaktion brachen die Clariant-Aktien anfangs um 6 % ein, die Titel konnten sich aber im Verlauf fangen und gingen schließlich knapp 1 % leichter mit 25,30 sfr aus dem Handel. Die Huntsman-Aktie tendierte an der New Yorker Börse gut 3 % fester. Der Aufhebungsvertrag sehe für beide Seiten keine Strafzahlungen vor.Durch den im Mai angekündigten Zusammenschluss wollte Clariant den global zweitgrößten Spezialchemiekonzern mit gut 13 Mrd. Dollar Umsatz hinter dem Wettbewerber Evonik schmieden. Der Deal war als Merger of Equals konzipiert, doch das fusionierte Unternehmen sollte in einer Schweizer Rechtsform mit Sitz in Pratteln bei Basel agieren. Verschiedene OptionenWelchen Weg Clariant nun einschlagen wird, lässt Kottmann offen. Es sei noch zu früh für eine Aussage. Wie in der Vergangenheit gebe es verschiedene Optionen: die Weiterentwicklung als eigenständiges Unternehmen, ein Zusammenschluss oder eine große transformatorische Akquisition. Analysten sehen Clariant nun indes vor allem als Übernahmeziel. Für wahrscheinlich wird auch gehalten, dass der Konzern zerlegt wird und in Einzelteilen veräußert werden könnte.—– Personen Seite 12