Covestro überzeugt mit Rekordbilanz
Covestro überzeugt mit Rekordbilanz
Covestro, im Herbst 2015 von Bayer abgespalten, bleibt auf Erfolgskurs. Alle Steuerungsgrößen des Chemiekonzerns stiegen 2017 auf Rekordniveaus. Die Aktionäre werden mit einer um gut 60 % erhöhten Dividende beteiligt. Der sprudelnde Cash-flow geht auch in den Aktienrückkauf. ab Köln – Der Kunststoffhersteller Covestro blickt erneut auf ein Rekordjahr zurück. Umsatz, operatives Ergebnis, Free Cash-flow – alle Steuerungsgrößen erklommen Höchststände. Das Konzernergebnis wurde auf gut 2 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. Daran sollen die Aktionäre mit einer auf 2,20 (i.V. 1,35) Euro je Aktie erhöhten Dividende beteiligt werden, wie Vorstandschef Patrick Thomas in der Bilanzpressekonferenz sagte. Und besser noch: Thomas versprach, die Dividende nachhaltig zumindest auf diesem Niveau zu halten. Zudem bleiben die Aussichten für den laufenden Turnus günstig. Der Umsatz im Kerngeschäft soll erneut im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. 2017 war hier ein Zuwachs um 3,4 % gelungen, während der Konzernumsatz um fast 19 % zulegte. Dass das Wachstum im Kerngeschäft vergleichsweise mager ausfiel, ist auf ein Luxusproblem zurückzuführen, ist Covestro bei den Kunststoffschäumen doch an den Kapazitätsgrenzen angekommen. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) wird im laufenden Turnus in etwa auf dem erreichten Niveau von 3,4 Mrd. Euro erwartet. Das würde letztlich einen Margenrückgang bedeuten, doch war die Umsatzrendite im abgelaufenen Turnus auch von einer Reihe von Sonderfaktoren positiv verzerrt. Dessen ungeachtet rechnet Covestro für das erste Quartal 2018 mit einem deutlich über dem Vergleichswert liegenden operativen Ergebnis.Insbesondere Verzögerungen beim Hochfahren neuer Anlagen für Kunststoffschäume (TDI) von Wettbewerbern hatten Covestro in die Karten gespielt. Nun wird davon ausgegangen, dass die neuen Kapazitäten im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen und sich die Marge entsprechend auf einem etwas niedrigeren Niveau einpendelt. Ohne diesen außerordentlichen Effekt hätte die Konzernmarge wohl eher in einer Größenordnung von etwa 20 % gelegen, rückte Thomas die ausgewiesenen Zahlen zurecht und fügte an: “Diese Marge halten wir mit Blick nach vorne für nachhaltiger.”An der Börse wurde die Prognose gleichwohl mit Freuden aufgenommen, waren Analysten doch von einem Ergebnisrückgang im laufenden Turnus ausgegangen. Letztlich setzte sich die Aktie mit einem Kurssprung um gut 3,3 % auf 93 Euro an die Spitze im MDax. Der aus Investorensicht bedeutende freie Cash-flow soll 2018 deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre landen – sich also auf mehr als 1,4 Mrd. Euro belaufen, wie der designierte Covestro-Chef Markus Steilemann sagte. Hier hatte Covestro 2017 mit 1,8 Mrd. Euro ebenfalls einen Rekord geschrieben. Angesichts dieser Entwicklung geht Covestro davon aus, bis Ende 2019 einen kumulierten freien Cash-flow von 5 Mrd. Euro zu erwirtschaften. Das wäre zwei Jahre früher als ursprünglich geplant.Der unerwartet hohe Mittelzufluss war auch der Grund, weshalb Covestro bereits im Herbst mit dem Rückkauf eigener Aktien begonnen hat. Bislang haben die Leverkusener, die als heißer Anwärter für den Aufstieg in den Dax gelten, etwa 2 % des Grundkapitals eingesammelt. Insgesamt will Covestro Aktien für etwa 1,5 Mrd. Euro bzw. 10 % des Grundkapitals zurückkaufen. Damit wäre der genehmigte Rahmen fürs Erste ausgeschöpft. Vor diesem Hintergrund stellte Thomas, der im September ausscheidet, in Aussicht, sich in der Hauptversammlung 2019 einen neuen Genehmigungsrahmen zu schaffen. Allein die Ankündigung des Rückkaufprogramms hatte die Aktie im Herbst 2017 auf ein neues Kursniveau gehoben. Den Vogel abgeschossen hat Covestro allerdings mit Blick auf die Rendite auf das eingesetzte Kapital (Roce), die im abgelaufenen Turnus auf 33,4 % hochschnellte und 2018 “annähernd” dieses Niveau erreichen soll. Dabei plant Covestro die Investitionen mittelfristig auf ein Niveau oberhalb der Abschreibungen zu hieven. Für 2018 sind Investitionen zwischen 600 und 650 Mill. Euro budgetiert, mittelfristig sollen daraus jährlich 0,6 bis 1 Mrd. Euro werden. Nach ergänzenden Akquisitionen wird weiterhin Ausschau gehalten. Die derzeit verlangten Multiples hält Thomas jedoch für wirtschaftlich nicht darstellbar.Stattdessen will sich Covestro im Segment Polycarbonates von nicht näher genannten Vermögenswerten trennen. Noch im ersten Halbjahr soll ein Vertrag unterzeichnet werden, wie aus dem Nachtragsbericht hervorgeht. “Das kommentieren wir grundsätzlich nicht”, war alles, was Steilemann auf Nachfrage dazu sagte. —– Wertberichtigt Seite 6