Cyberangriff trifft Reckitt Benckiser

Umsatzziel gesenkt - Bundesamt konstatiert in Deutschland wenige, aber langanhaltende Schäden

Cyberangriff trifft Reckitt Benckiser

Die jüngste weltweite Cyberattacke hat bei Reckitt Benckiser erheblichen Schaden angerichtet. Als erster Großkonzern überhaupt muss der Konsumgüterhersteller Finanzziele wegen eines Computervirus zurücknehmen. In Deutschland hat “Petya” relativ wenige Unternehmen getroffen. Beiersdorf kämpft noch mit den Auswirkungen.ak Düsseldorf – Der britische Konsumgüterproduzent Reckitt Benckiser hat nach der Cyberattacke “Petya”, die vor zehn Tagen Unternehmen weltweit traf, seine Umsatzprognose zurückgenommen. Der Hersteller von Calgon, Clearasil, Air Wick, Durex und Nurofen rechnet im laufenden Geschäftsjahr jetzt nur noch mit einem organischen, währungsbereinigten Umsatzplus von 2 % statt bisher 3 %. Damit dürften sich die Erlöseinbußen auf rund 90 Mill. Pfund belaufen.Der Konzern klagt immer noch über Produktionsprobleme in einigen Werken, verursacht durch den Angriff auf die IT-Systeme. Im zweiten Quartal werde der Umsatz jetzt organisch sogar um 2 % zurückgehen, berichtete Reckitt Benckiser am Donnerstag.Für Analysten kam das finanzielle Ausmaß des Cyberschadens überraschend. Auch die Anleger wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Der Aktienkurs ging um bis zu 3 % nach unten.Die Hackerattacke habe Produktion und Vertrieb in zahlreichen Märkten des Konzerns getroffen, teilte Reckitt Benckiser mit. Deshalb seien Bestellungen am Ende des Quartals teilweise nicht mehr ausgeliefert worden oder Aufträge hätten nicht entgegengenommen werden können.Auch eine neue Waren- und Dienstleistungssteuer in Indien habe sich in einem geringeren Ausmaß im Juni negativ aufs Geschäft und die Nachfrage der Kunden ausgewirkt, hieß es weiter. Die erste Jahreshälfte ist damit für Reckitt Benckiser alles andere als gut gelaufen. Schon im ersten Quartal hatte der Konzern einen organischen Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Das Airwick-Geschäft in den USA lief schlecht, und der Konzern leidet noch immer unter einem Skandal in Südkorea, als eine Tochter giftige Luftbefeuchter verkauft hatte.”Petya”, ein Verschlüsselungstrojaner, hatte am 27. Juni Unternehmen weltweit attackiert. Besonders betroffen war die Ukraine. Zu den global agierenden Opfern zählten der weltgrößte Containerschifffahrtsbetreiber Mærsk, der Logistikkonzern Fedex sowie Milka-Produzent Mondelez.Dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist in Deutschland eine niedrige zweistellige Zahl betroffener Unternehmen bekannt, wie ein Sprecher sagte. Der Verbreitungsgrad der Erpressungssoftware “Wanna Cry”, die im Mai Hunderttausende Computer infiziert hatte, sei nicht erreicht worden. Diejenigen jedoch, die von “Petya” attackiert worden seien, seien “massiv und langanhaltend” beeinträchtigt.In Deutschland hatten Beiersdorf, Deutsche Post und Metro mitgeteilt, von dem Cyberangriff getroffen worden zu sein. Den Hamburger Nivea-Produzenten hatte es am stärksten erwischt. Die IT-Systeme waren dort flächendeckend ausgefallen. Der Dax-Konzern kämpft noch immer mit den Folgen. Mittlerweile sei die Erreichbarkeit per Telefon und Mail wieder hergestellt, teilte Beiersdorf mit, auch die Produktion wieder angelaufen. “Wir werden in Kürze für unsere Konsumenten und Kunden wieder den gewohnten Service gewährleisten können”, teilte eine Sprecherin gestern mit. Der “Stern” hatte zuvor einen Manager zitiert, wonach der Angriff Beiersdorf viele Millionen kosten werde.Bei der Deutschen Post dagegen fiel die Attacke weniger gravierend aus. “Die Auswirkungen des Angriffs waren begrenzt”, sagte eine Sprecherin. Alle Systeme hätten bereits einen Tag später wieder funktioniert. Betroffen sei ein Unternehmensbereich in der Ukraine gewesen. Auch die Metro ist nach eigenen Angaben glimpflich davongekommen. Die Sicherheitsmechanismen hätten schnell gegriffen. Der Konzern habe keine Daten verloren, der operative Betrieb sei nicht beeinträchtigt gewesen. Meldepflicht für AttackenIm 2015 verabschiedeten IT-Sicherheitsgesetz ist eine Meldepflicht für Cyberattacken auf Unternehmen verankert. Sie ist durch zwei Verordnungen spezifiziert worden. Die jüngste ist gerade Ende Juni in Kraft getreten. Betreiber kritischer Infrastrukturen einer gewissen Größe müssen Hackerangriffe dem BSI melden. Das gilt für die Branchen Energie, IT und Telekommunikation, Wasser, Ernährung, Finanzdienstleister und Versicherungen, Gesundheit, Transport und Verkehr. So muss zum Beispiel der Angriff auf eine Anlage, die mehr als 500 000 Menschen mit Strom versorgt, gemeldet werden.