Daimler erhöht Risikorückstellungen

Gefahren aus Beteiligungen und Kooperationen steigen - Konzernchef Zetsche verdient 8,6 Mill. Euro

Daimler erhöht Risikorückstellungen

Der Autokonzern Daimler hat seine Rückstellungen im vergangenen Jahr erhöht. Während der Konzern durch vermehrte Kooperationen und Beteiligungen das Risiko aktiv steigert, dürfte das größere finanzielle Polster vor allem den Themen Emissionen und Schadenersatz geschuldet sein. igo Stuttgart – Der Autokonzern Daimler hat im vergangenen Geschäftsjahr angesichts steigender Risiken mehr zurückgestellt. Auf Ebene der Konzernmutter Daimler AG wurden die nach dem Handelsgesetzbuch bilanzierten Rückstellungen seit Ende 2016 um 2,1 Mrd. Euro auf 14 Mrd. Euro aufgestockt. Dies sei “im Wesentlichen auf gestiegene Verpflichtungen aus Absatzgeschäften, Garantierückstellungen sowie auf Rückstellungen im Zusammenhang mit rechtlichen Verfahren zurückzuführen”, schreibt der Konzern in seinem Geschäftsbericht.Allerdings geht Daimler auch aktiv höhere Risiken ein, etwa durch die deutlich ausgebauten Investitionen in neue Geschäftsmodelle, zu denen auch Beteiligungen an Start-ups zählen. Unter anderem übernahm der Konzern 2017 den Zahlungsdienstleister Paycash Europe, die Tochter Mytaxi kaufte zwei Wettbewerber auf und Mercedes Vans gründete ein Joint Venture mit dem US-Anbieter von Mitfahrgelegenheiten Via, in das 50 Mill. Dollar flossen. Daher hätten sich “die Risiken aus Beteiligungen und Kooperationen infolge zunehmender, risikobehafteter Investitionen in Start-ups” im Jahresvergleich erhöht.Auf Konzernebene, dort wird nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) bilanziert, sanken die Rückstellungen insgesamt von 26,8 Mrd. Euro auf 24,6 Mrd. Euro und lagen damit bei 10 % der Bilanzsumme. Dabei gingen die Pensionsrückstellungen von 9 Mrd. Euro auf 5,8 Mrd. Euro zurück, da der Konzern dem Pensionsvermögen im vierten Quartal 3 Mrd. Euro zugeführt hatte. Die Rückstellungen für Ertragsteuern sanken leicht von 1,7 Mrd. Euro auf 1,6 Mrd. Euro, während der Topf für Produktgarantien von 6,1 Mrd. Euro auf 6,7 Mrd. Euro wuchs. Für den Personal- und Sozialbereich erhöhten sich die Rückstellungen von 4,3 Mrd. Euro auf 4,4 Mrd. Euro. Keine Details zu VerfahrenDie übrigen Rückstellungen wurden indes von 5,7 Mrd. Euro auf 6,2 Mrd. Euro aufgestockt. Darin stecken neben Geldern für noch zu gewährende Rabatte, Optimierungsprogramme oder Umweltrisiken auch Rückstellungen für Rechtsrisiken. Welcher Anteil der 6,2 Mrd. Euro auf Vorkehrungen für Rechtsverfahren entfällt, schlüsselt Daimler nicht weiter auf. Laut IFRS ist das möglich, wenn damit gerechnet werden kann, “dass die Angabe von Informationen die Position des Bericht erstattenden Unternehmens in einem Rechtsstreit mit Dritten ernsthaft beeinträchtigt”. Darauf verweist auch der Konzern. Hinzu komme, dass behördliche und behördlich angeordnete interne Untersuchungen, etwa zu Emissionswerten im Zuge des Abgasskandals, noch nicht beendet seien.Die Liste der gerichtlichen Auseinandersetzungen von Daimler ist lang: Untersuchungen laufen zu “Fahrzeugsicherheit, Emissionen, Kraftstoffverbrauch, Finanzdienstleistungen, Händler-, Lieferanten- und weiteren Vertragsbeziehungen, gewerblichem Rechtsschutz, Gewährleistungsansprüchen, Umweltverfahren, kartellrechtlichen Verfahren (einschließlich Schadenersatzklagen) und Aktionärsklagen”. Mögliche Geldbußen oder Schadenersatzzahlungen hätten nach eigener Einschätzung jedoch “keinen nachhaltigen Einfluss auf die Vermögenslage des Konzerns”. Hohe Summen flossen 2017 auch auf die Konten der Daimler-Vorstände. Die Vergütung von Vorstandschef Dieter Zetsche stieg um 1 Mill. auf 8,6 Mill. Euro. Bei Finanzvorstand Bodo Uebber waren es 4 Mill. nach 3,6 Mill. Euro im Vorjahr. Die sonstigen Vorstände erhielten mit jeweils rund 3,5 Mill. Euro etwa 500 Mill. Euro mehr. Eine Ausnahme bildet Truck-Vorstand Martin Daum, der sein Amt erst zum 1. März übernommen hatte und dafür bis Jahresende rund 3 Mill. Euro erhielt.Insgesamt erhielt der Vorstand 33,3 Mill. Euro und damit 13 % mehr als 2016. Inklusive der Zahlungen aus fälligen Bonusprogrammen, die teilweise noch aus 2012 stammen, flossen Zetsche für das vergangene Jahr 13 Mill. Euro nach 13,8 Mill. Euro 2016 zu. Bei Uebber lag der Gesamtzufluss bei 6,9 Mill. Euro nach 6,7 Mill. Euro im Vorjahr.Mit einem Plus von 13 % entspricht der Anstieg der Vorstandsvergütung ungefähr der operativen Steigerung des Konzerns. Das operative Konzernergebnis (Ebit) war 2017 um 14 % auf 14,7 Mrd. Euro gestiegen. Der Konzerngewinn kletterte dank positiver Einmaleffekte durch die US-Steuerreform um 24 % auf knapp 11 Mrd. Euro. Die Aktionäre sollen für 2017 eine um 12 % höhere Dividende von 3,65 Euro je Aktie erhalten. Die Erfolgsbeteiligung für die Mitarbeiter der AG wurde von 5 400 auf 5 700 Euro erhöht.