STEINHOFF

Das unmögliche Möbelhaus

Um 10 Mrd. Euro Börsenwert verdampft, der Konzernchef weg vom Fenster, Notverkäufe zur Liquiditätssicherung: Die intransparente Einzelhandelsgruppe Steinhoff gerät immer tiefer in den Strudel mutmaßlicher Bilanzfälschungen. Dem nach Ikea größten...

Das unmögliche Möbelhaus

Um 10 Mrd. Euro Börsenwert verdampft, der Konzernchef weg vom Fenster, Notverkäufe zur Liquiditätssicherung: Die intransparente Einzelhandelsgruppe Steinhoff gerät immer tiefer in den Strudel mutmaßlicher Bilanzfälschungen. Dem nach Ikea größten Möbelkonzern in Europa droht nach einer irren M & A-Fahrt der Kollaps. In Bezug auf die Unregelmäßigkeiten seien neue Informationen ans Licht gekommen, heißt es. Dies erfordere weitere Nachforschungen. Nun geht es auch darum, dass möglicherweise auch Abschlüsse der Vorjahre “angepasst” werden müssen.Bislang hatte Steinhoff Vorwürfe unredlicher Praktiken stets zurückgewiesen. Dabei ermittelt die Staatsanwaltschaft seit Monaten gegen das Unternehmen und leitende Angestellte. Im Fokus stehen Verträge über Verkäufe von Firmenanteilen in jeweils dreistelliger Millionenhöhe. Abschreckende Wirkung hat auch das Geflecht der Großaktionäre, die auch Geschäfte mit sich einfädelten.Investoren, die das Treiben der seit Ende 2015 in Frankfurt notierten Steinhoff schon länger misstrauisch verfolgten, reagierten jetzt mit Ausverkauf. Der Kurs des MDax-Unternehmens brach bis 70 % ein, die Aktie war zeitweise ein Penny Stock. Als Steinhoff den Börsenplatz wechselte, lag die Marktkapitalisierung bei über 19 Mrd. Euro, gestern waren es keine 5 Mrd. Euro mehr. Das von Bruno Steinhoff gegründete Unternehmen mit heutigem Rechtssitz in Amsterdam, operativem Hauptquartier in Südafrika und Börsennotiz in Frankfurt ist ein intransparentes Konglomerat aus Handels- und Produktionsunternehmen in Afrika und Europa.Steinhoff expandierte auf Teufel komm raus mit M & A, unter anderem mit dem Kauf einer US-Matratzenkette für 3,4 Mrd. Dollar, einem britischen Discounter oder einer australischen Möbelgruppe. Zudem verstrickte man sich in Bieterkämpfe etwa um die Elektrohandelskette Dufry und scheiterte mit dem Versuch einer Fusion in Afrika. Investoren wurden noch im September 2016 mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Mrd. Euro zur Kasse gebeten. Inzwischen sind die Südafrikaaktivitäten separat gelistet. Da kann man schon mal den Überblick verlieren, die Folge aber ist pures Chaos. Und es ist zu erwarten, dass noch mehr Negatives aufs Tapet kommt. Fraglich erscheint, dass die teuer zugekauften Unternehmen sich zur Sanierung des Ursprungsgeschäfts zu angemessenen Bewertungen losschlagen lassen.Warb der familieneigene Konkurrent Ikea früher mit dem Spruch vom unmöglichen Möbelhaus, so ist die skandalträchtige Steinhoff heute genau das: unmöglich.