Branchen-Report

Deutsche Biotech zeigt sich robust

Die Erfolge mit Corona-Impfstoffen haben die deutsche Biotechindustrie ins Rampenlicht gerückt. Mit Abklingen der Pandemie ist das Finanzierungsvolumen zurück auf Normalniveau, doch die Aufmerksamkeit auch internationaler Investoren bleibt hoch, wie eine Studie von EY erkennen lässt.

Deutsche Biotech zeigt sich robust

Deutsche Biotech zeigt sich robust

Finanzierung sinkt auf Vor-Pandemie-Niveau – Firmen in Pharma-Allianzen stark gefragt – Kaum M&A

swa Frankfurt

Die Erfolge mit Corona-Impfstoffen haben die deutsche Biotechindustrie ins Rampenlicht gerückt. Nach Abklingen der Pandemie ist das Finanzierungsvolumen zurück auf dem Niveau früherer Jahre, doch die Aufmerksamkeit auch internationaler Investoren bleibt hoch, wie eine Studie von EY erkennen lässt.

Die reine Statistik zeigt auf den ersten Blick ein ernüchterndes Bild: Die Finanzierung der deutschen Biotech-Branche ist 2022 geradezu eingebrochen. Die Kapitalaufnahme sank um zwei Drittel von 2,4 Mrd. auf 812 Mill. Euro, wie aus dem jüngsten Biotechnologie-Report der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht. Ein ähnlicher Rückgang wurde europaweit verzeichnet. Hier schrumpfte die Kapitalaufnahme um 65% von 22 Mrd. auf 7,8 Mrd. Euro.

Trotz des deutlichen Rückgangs ist das Finanzierungsvolumen aus Sicht der Berater auch 2022 beachtlich. Nach den von den Impfstofferfolgen geprägten Ausnahmejahren 2020 und 2021 bewegt sich die Branche zurück auf Normalniveau, erweist sich aber in Summe als „sehr robust“, bekräftigt Manuel Bauer, Biotechspezialist von EY. Die starke Marktbereinigung 2022 habe den Abschwung verstärkt. Das Umfeld bleibe schwierig, aber das Potenzial der deutschen Biotech war aus seiner Sicht „noch nie so deutlich erkennbar“.

Die Stärke der Unternehmen zeige sich unter anderem daran, dass deutlich mehr innovative Therapien vorangebracht würden. Es gebe 145 klinische Studien, um Wirkstoffe zu testen, davon 17 in zulassungsrelevanter Phase III. Dabei würden die klassischen Biotech-Themen wieder stärker in den Fokus rücken. Nur noch sieben Projekte befassten sich mit Wirkstoffen zur Behandlung oder Prävention von Covid-19, mehr als die Hälfte fokussiere sich auf Krebstherapien. Die umfangreichste Wirkstoffpipeline hat der Impfstoffpionier Biontech, der mit der genbasierten mRNA-Technologie reüssierte. Das Mainzer Unternehmen kann dank der Milliardeneinnahmen aus dem Geschäft mit Covid-19-Vakzinen mehr als 15 Therapieansätze vorantreiben, primär in der Krebsbehandlung.

Als positives Zeichen wertet es EY-Experte Bauer auch, dass Risikokapitalaufnahme und Folgefinanzierung 2022 nach den Corona-Boomjahren in der Langzeitbeobachtung stabil geblieben sind. Es sei ein Trend zu höherer Frühphasenfinanzierung mit Tickets von über 50 Mill. Euro zu beobachten. Zudem gebe es weiter stark steigendes Interesse von ausländischen Investoren aus den USA und Asien. Die Summe der in 21 VC-Runden aufgenommenen 389 Mill. Euro ist laut EY im Vergleich zur Zeit vor 2019 auf Augenhöhe. Das durchschnittliche Volumen von rund 19 Mill. Euro sei vergleichbar zu früheren Jahren und höher als in der Zeit von 2018 bis 2020. Die höchste Summe an Risikokapital sicherte sich 2022 das Wissenschaftsunternehmen Resolve Biosciences mit 67,5 Mill. Euro.

Trotz der stabilen Situation bleibt aus Sicht der Berater die Finanzierung der Knackpunkt. Hier hinke Deutschland anderen Ländern weit hinterher. Speziell für Studien für Produktkandidaten in fortgeschrittenem Stadium werde viel Geld gebraucht. Dieses Funding sei mit entscheidend, um innovative Firmen in Deutschland zu halten. Mit Blick auf Allianzen zeigt das Jahr 2022 mit mehr als 14 Mrd. Euro das höchste Transaktionsvolumen in der Geschichte der deutschen Biotech – darunter die Megadeals von Evotec mit 5 Mrd. und Immatics mit 4 Mrd. Euro. Damit habe Deutschland im internationalen Vergleich sehr gut abgeschnitten. Wie in den Vorjahren hätten Early-Stage-Allianzen dominiert. Das M&A-Volumen ist dagegen signifikant rückläufig – obwohl Kapital vorhanden sei. Doch große Pharma-Player bevorzugten Allianzen und scheuten Risiken aus Übernahmen.