Deutsche Post vertröstet auf 2022
Deutsche Post vertröstet auf 2022
Die Deutsche Post geht trotz Belastungen durch die Coronakrise davon aus, keine staatlichen Finanzmittel zu benötigen. Der Konzern verweist auf sein üppiges Liquiditätspolster. Gut läuft derzeit das Paketgeschäft in Deutschland, in anderen Sparten werden zum Teil deutliche Rückgänge verbucht.lis Frankfurt – Die Deutsche Post kassiert ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr, rechnet aber mit einer zügigen Rückkehr auf den Wachstumspfad. An den Mittelfristplanungen, die für das Geschäftsjahr 2022 ein operatives Ergebnis von mindestens 5,3 Mrd. Euro vorsehen, hält der Post-Vorstand um Konzernchef Frank Appel fest. “Das zugrunde liegende Geschäft ist in einem guten Zustand, deshalb bleiben wir bei der Prognose für 2022”, betonte Appel in einer Telefonkonferenz zu den vorläufigen Quartalszahlen, die das Unternehmen am Dienstagabend veröffentlicht hatte (vgl. BZ vom 8. April). 2022 werde die Weltwirtschaft sich erholt haben, “inklusive Aufholeffekten”, zudem sei bis spätestens dahin, “aber vermutlich deutlich früher” ein Impfstoff gegen Covid-19 gefunden, glaubt der Post-Chef.Die Deutsche Post sei sehr widerstandsfähig, dennoch seien derzeit “enorme Herausforderungen” zu bewältigen, so Appel. Der Logistikkonzern habe aber keinen Bedarf an staatlichen Finanzhilfen. “Wir sind in einer sehr stabilen Situation.” Finanzvorstand Melanie Kreis bezifferte die Liquidität des Konzerns zum 31. Dezember 2019 auf 2,9 Mrd. Euro. Zudem gebe es 2 Mrd. Euro an ungenutzten syndizierten Kreditlinien und 1,5 Mrd. Euro an bilateral vereinbarten Krediten.Derzeit habe man die Sicherung der Liquidität und des Cash-flow im Fokus, sagte Kreis. Vor allem die Forderungen beobachte man sehr genau, bisher habe es aber keine Auffälligkeiten gegeben. “Wir müssen aber wohl damit rechnen, dass da im zweiten Quartal mehr kommt”, so die CFO. Bei den Investitionen gehe es darum, “eine Balance zu finden zwischen einer kurzfristigen Entlastung und einem kontinuierlichen Investment in die Zukunft”. Wie WeihnachtenGrund zu verhaltener Zuversicht liefert für Appel und Kreis der Blick nach China. Dort laufe das Geschäft wieder hoch. Einen ähnlichen Verlauf erwartet der Vorstand zeitversetzt für Europa und die USA. In Europa gebe es erste Länder, in denen sich die Entwicklung hinsichtlich der Infektionsrate zu stabilisieren beginne, das eröffne Möglichkeiten zur schrittweisen Lockerung der ergriffenen Maßnahmen, so der Post-Chef. Zudem hat das Management angesichts der Coronakrise nicht nur schlechte Nachrichten zu vermelden. Denn das Paketgeschäft in Deutschland läuft derzeit rund. Man bewege sich auf einem Niveau, wie es sonst zur Vorweihnachtszeit zu beobachten sei. Appel erwartet, dass der Paketboom erst einmal weitergeht. Daher will der Konzern jetzt Mitarbeiter aus anderen Bereichen verstärkt im Paketgeschäft einsetzen. Zum Teil deutliche Rückgänge verbucht der Konzern dagegen im Express- und Frachtgeschäft, in der Lieferkettenlogistik und bei der Werbepost. Für einen Teil der rund 185 000 Beschäftigten in Deutschland plant der Dax-Konzern deshalb Kurzarbeit, wie Appel bestätigte. Konkrete Zahlen wollte er nicht nennen.Die Hauptversammlung, die für den 13. Mai vorgesehen war, wird auf einen noch unbekannten späteren Termin verschoben. Am Dividendenvorschlag für das abgelaufene Geschäftsjahr von 1,25 Euro pro Aktie (+10 Cent) hält das Unternehmen fest. Eine Entscheidung über die Dividendenfähigkeit für 2020 sei derzeit noch nicht im Fokus, sagte Kreis. Die Dividendenpolitik der Post sieht vor, 40 bis 60 % des Nettoergebnisses auszuschütten.Neben den Belastungen aus der Coronakrise, die die Post für das abgeschlossene Quartal auf 200 Mill. Euro beziffert, wirkte sich auch der Abschied vom Streetscooter negativ auf die Gewinnentwicklung aus. Die Post hat den erwarteten negativen Effekt für das Gesamtjahr auf 300 bis 400 Mill. Euro beziffert; im ersten Vierteljahr fielen laut Kreis 230 Mill. Euro an, “hauptsächlich nicht cashwirksam”. Insgesamt schrumpfte das operative Ergebnis auf 590 Mill. Euro, im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren, angetrieben durch einen Verkaufserlös, 1,2 Mrd. Euro zusammengekommen.