Dieselgate hat VW im Griff
Dieselgate hat VW im Griff
Mit der Aufarbeitung der Dieselabgaskrise, die “brutal gestresst” habe, ist VW “nicht durch”, wie der Finanzvorstand betont. Wann der Konzern mit Elektroautos Geld verdienen wird, ist offen. Die steuerlichen Subventionen für den Diesel hält der Autobauer für nicht mehr notwendig.ste Wolfsburg – Für Volkswagen hat die Aufarbeitung der Dieselabgasaffäre ungeachtet der Ausrichtung auf Zukunftstechnologien und des operativen Rekordkurses in diesem Jahr weiterhin hohen Stellenwert. “Ich bin null entspannt beim Thema Diesel”, sagte Konzern-Finanzvorstand Frank Witter in einem Gespräch mit Medienvertretern. Nach den im dritten Quartal um 2,5 Mrd. auf 25,2 Mrd. Euro erhöhten Rückstellungen im Zusammenhang mit den im September 2015 bekannt gewordenen Softwaremanipulationen für Emissionstests bei Dieselautos gebe es “keine Garantie, dass wir komplett durch sind”. Die Eventualverbindlichkeiten für anhängige Klagen mit einem Gesamtwert von rund 9 Mrd. Euro beliefen sich auf 3 Mrd. Euro. Mehr Cash-flowFür 2017 rechnet der Wolfsburger Autobauer laut Witter mit einem Liquiditätsabfluss als Folge der Abgasaffäre von 16 Mrd. bis 17 Mrd. Euro – nach rund 3 Mrd. Euro im vergangenen Turnus. Für 2018 kalkuliert Volkswagen mit einem weiteren Abfluss von 4 Mrd. bis 5 Mrd. Euro. Der Konzern kann die Belastungen aber besser abfedern als noch im Frühjahr gedacht: Jüngsten Projektionen zufolge wird die Nettoliquidität im Konzernbereich Automobile in diesem Jahr um 5 Mrd. Euro höher bei mehr als 20 Mrd. Euro landen. Der Netto-Cash-flow vor den Mittelabflüssen im Zusammenhang mit der Abgasaffäre wird mit rund 9 Mrd. Euro über dem letztjährigen Niveau von 7,3 Mrd. Euro erwartet. Für 2020 werden mindestens 10 Mrd. Euro in Aussicht gestellt.Witter hob das “gute Fundament” mit Blick auf die Umstellung in den kommenden Jahren hervor, die “der Industrie viel abverlangen” werde. Wann sich die Kostenkurve bei der Elektromobilität, die heute noch “verdammt teuer” sei, mit der bei den Verbrennern kreuzen werde, ist nach den Worten des Finanzvorstands noch nicht absehbar. Die Jahre 2020 und 2021, in denen Volkswagen die ersten E-Fahrzeuge auf den Markt bringen will, bezeichnete Witter als “kritische Übergangsphase”.Er bekräftigte zugleich die Verpflichtung des Konzerns, die schärferen Vorschriften zur Verringerung der schädlichen Klimagase fristgerecht einzuhalten. Um Strafzahlungen zu vermeiden, müssen Autobauer in Europa von 2020 an CO2-Flottenziele von 95 Gramm pro Kilometer erreichen. Mit Blick auf die eingeleitete Offensive mit spritfressenden Geländelimousinen (SUVs) und den sinkenden Anteil von Dieselzulassungen betonte Witter: “Die weiße Fahne werden Sie von uns nicht sehen.” Der Druck werde durch den höheren SUV-Anteil bei den Neuwagenverkäufen weiter steigen. Es sei aber auch kein Zufall, dass man von Ende 2019 an Fahrzeuge auf Basis des modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB) fertigen werde. Auch werde mit Hochdruck an der nächsten Generation der Verbrenner gearbeitet. Witter zeigte sich überzeugt, dass der moderne Diesel weiter auf Nachfrage stoßen werde. Der Selbstzünder habe “praktische und handfeste Vorteile” wie die Reichweite. Allerdings sei das Ende des Dieselangebots bei Fahrzeugen mit kleinerem Hubraum absehbar, fügte er mit Blick auf steigende Kosten hinzu. Weniger SubventionDie Subventionierung des Diesels stellt Europas größter Autobauer inzwischen in Frage. Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen solle, könne der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden, sagte VW-Konzernchef Matthias Müller dem “Handelsblatt”. Die Bundesregierung lehnt die Forderung nach einem Abbau von Diesel-Subventionen ab. Es gebe gegenwärtig keine Pläne, an der Diesel-Besteuerung etwas zu ändern, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der Diesel werde weiter als Übergangstechnologie benötigt, hieß es aus dem Verkehrsministerium.—– Wertberichtigt Seite 8