Digitalisierungsschub hilft Bechtle

Homeoffice-Trend bringt zusätzlichen Umsatz - Kunden verschieben aber Großprojekte - Aktie legt zu

Digitalisierungsschub hilft Bechtle

Bechtle hält trotz der Verschiebung von Großprojekten einiger Kunden an ihren Jahreszielen fest. Dem Umsatzausfall steht ein Nachfrageboom im Zusammenhang mit der Ertüchtigung für Homeoffice und virtuelle Zusammenarbeit gegenüber. Die Bechtle-Aktie legte am Freitag um 4 % zu.scd Frankfurt – Der IT-Dienstleister Bechtle hat nach einem sensationellen Auftakt ins Jahr 2020 im März eine Berg-und-Tal-Fahrt erlebt, wie CEO Thomas Olemotz am Freitag erklärte. “Einerseits haben wir im Industrieumfeld wie bei unseren öffentlichen Kunden einen starken Nachfrageschub gespürt, insbesondere bei der Ausstattung von Homeoffices und bei technischen Lösungen rund um die Umsetzung virtueller Formen der Zusammenarbeit. Andererseits bremste uns das abrupte Verschieben großer Projekte an vielen Stellen aus.” Zudem habe es Lieferschwierigkeiten einzelner Hersteller gegeben. Die Coronakrise habe Bechtle im ersten Quartal touchiert, nicht aber mit voller Wucht getroffen. Starkes InlandsgeschäftInsgesamt resultierte dies in einer 9,3-prozentigen Umsatzsteigerung auf 1,36 Mrd. Euro. Im Heimatmarkt legten die Erlöse dabei prozentual zweistellig zu, während das Wachstum des Auslandsgeschäfts nur 7,3 % betrug. Vergangenes Jahr war das internationale Geschäft noch wesentlicher Erlöstreiber. Olemotz führt das etwas geringere Wachstum im Ausland auch auf die dort zum Teil wesentlich drastischeren Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie zurück. Besonders im Geschäftsbereich IT-E-Commerce legte der Umsatz in Deutschland gewaltig zu und kletterte sogar um ein Fünftel – im Wesentlichen im Zusammenhang mit der Ertüchtigung für Homeoffice-Lösungen.Die starke Erlösentwicklung schlug auch auf die Marge des Unternehmens durch. Die Bruttomarge kletterte im Vergleich zur Vorjahresperiode um 0,8 Prozentpunkte auf 15,0 %. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte überproportional um 13,4 % auf 51,1 Mill. Euro zu. Der Gewinn nach Steuern stieg sogar um 15,1 % auf 36,5 Mill. Euro. Der operative Cash-flow, der im ersten Quartal 2019 noch mit – 22,1 Mill. Euro negativ ausgefallen war, drehte ins Plus auf 22,8 Mill. Euro. Die Barreserve legte ebenfalls zu (siehe Tabelle). Zugleich gelang es, das Working Capital gegenüber Ende 2019 zu reduzieren. “Cash ist King” gelte in Krisenzeiten unverändert, so der CEO.”Die Digitalisierung erlebt gerade ihren größtmöglichen Schub, und davon wollen und werden wir bei Bechtle profitieren”, kündigte Olemotz an. Der im März gegebene Ausblick, sowohl Umsatz als auch Ergebnis jeweils um 5 bis 10 % zu steigern, wurde am Freitag bestätigt. Dabei erwartet das MDax-Unternehmen aus Neckarsulm zunächst eine verhaltenere Entwicklung im zweiten Quartal, auch wenn sich diese verlässlich noch nicht einschätzen lasse, wie Olemotz betonte. In der zweiten Jahreshälfte soll sich das Geschäft dann aber zunehmend wieder normalisieren. An der Börse kam der Zwischenbericht hervorragend an. Die Bechtle-Aktie kletterte zeitweise um mehr als 5 % über das im Februar bei 148,90 Euro markierte Rekordhoch. Damit sind die Titel bereits zurück auf dem Niveau von vor der Coronakrise, nachdem sie zwischenzeitlich auf 85 Euro abgestürzt waren. Aus dem Handel ging die Aktie bei 147,90 Euro knapp 4 % über dem Donnerstagsschlusskurs. Allerdings profitieren andere Technologieunternehmen an der Börse derzeit sogar noch stärker vom krisenbedingten Digitalisierungsschub.Die gut eine Autostunde von Bechtle entfernt angesiedelte Teamviewer verlor zwar am Freitag leicht an Wert, hatte am Donnerstag aber auch ein Rekordhoch markiert und seit Jahresbeginn schon fast 40 % an Wert zugelegt.