Drägerwerk vergrätzt Anleger
Drägerwerk vergrätzt Anleger
Mit der Ankündigung, für mehr Investitionen in künftiges Wachstum temporär eine schwächere Profitabilität in Kauf zu nehmen, hat der Dräger-Konzern Anleger in die Flucht geschlagen.ste Hamburg – Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Drägerwerk will mehr investieren, um sein Umsatzwachstum zu beschleunigen. Dafür nimmt das Familienunternehmen aus Lübeck temporär eine geringere Profitabilität in Kauf, wie es in einer vor dem Wochenende verschickten Ad-hoc-Mitteilung des Dräger-Konzerns heißt. Die überraschende Ankündigung knapp zwei Wochen nach Vorlage von Zahlen für das dritte Quartal ließ Anleger am Montag auf Abstand gehen: Die Vorzugsaktie sackte in der Spitze um 17,4 % ab und verabschiedete sich als größter Tagesverlierer im TecDax bei 78,26 Euro mit einem Minus von 12,1 %.Das Unternehmen kündigte an, gezielt noch mehr in Forschungs- und Entwicklungs- sowie in IT-Projekte zu investieren. Auch solle mehr Geld in “spezifische Fähigkeiten im Vertrieb, insbesondere in den USA”, fließen. Durch die gezielten Ausgaben werde die Profitabilität “vorübergehend” leicht sinken. Für das kommende Jahr und “voraussichtlich auch für 2019” rechnet man bei Drägerwerk mit einer Ebit-Marge im Korridor von jeweils 4 bis 6 %. Im laufenden Jahr soll die Umsatzrendite zwischen 5 und 7 % landen – nach 5,4 % im vergangenen Turnus. Dieser Margenprognose liegt die Erwartung eines Umsatzwachstums um währungsbereinigt 0 bis 3 % zugrunde. Für 2018 wird nun ein Plus bei den Erlösen in der Spanne von 2 bis 5 % unterstellt. “Zunehmend unzuverlässig”Bei Branchenbeobachtern sorgten die Botschaften für teilweise harsche Reaktionen. Die DZ Bank etwa kürzte ihr Kursziel für die Drägerwerk-Aktie auf 60 von 88 Euro und empfiehlt nun den Verkauf des Papiers. Ein Berenberg-Analyst, der den fairen Wert bei 90 Euro sieht und zum Halten der Aktie rät, meinte, die Margen-Prognose des Unternehmens werde “zunehmend unzuverlässig”. Im März 2012 habe Dräger Erwartungen einer mittelfristig erreichbaren Ebit-Marge von über 10 % geäußert. 2013 sei von 10 % die Rede gewesen, 2014 von 10 bis 12 % im Jahr 2018. Gewinnwarnungen im Jahr 2014 hätten zu neuen Prognosen geführt: 2015 sei von dem Unternehmen ein jährliches Umsatzwachstum von 3 bis 6% und eine Ebit-Marge über 10 % im Jahr 2019 in Aussicht gestellt worden. Nach einem enttäuschenden Jahr habe Dräger die Mittelfristziele jedoch erneut kassiert. 2016 seien im Zuge von Effizienzsteigerungsmaßnahmen höhere Margen nach der für vergangenes Jahr angekündigten Spanne von 3,5 bis 5,5 % versprochen worden.Mit der neuen Guidance werde nun Anlegern eine Profitabilität für die kommenden Jahre verkauft, die halb so hoch sei wie das noch vor wenigen Jahren für möglich gehaltene Niveau. In Anbetracht dieser Schwankungen dürften Investoren zunehmend frustriert reagieren, so der Berenberg-Analyst. Bei Warburg Research hieß es, es sei enttäuschend, dass das Unternehmen nach dem jüngsten Einsparprogramm erneut zusätzliche Aufwendungen benötige, um für eine positive Entwicklung in der Zukunft zu sorgen.Seit dem Anfang Juni erreichten Höchststand der Drägerwerk-Aktie von 107 Euro hat das Papier mehr als ein Fünftel an Wert verloren. Anfang November hatte der Konzern bei der Präsentation seiner Umsatz- und Ebit-Zahlen im dritten Quartal Analystenerwartungen enttäuscht. Auch hatte sich das Wachstum beim Auftragseingang verlangsamt. Vorstandschef Stefan Dräger hatte die Entwicklung der ersten neun Monate als “insgesamt solide” bezeichnet.