Dynamik im Jahr des Feuerhahns
Dynamik im Jahr des Feuerhahns
Infineon steuert 2017 auf ein Rekordjahr bei Umsatz und Ergebnis zu. Das ist unter anderem Resultat des überproportional wachsenden Geschäfts in China, dem größten Einzelmarkt des Chipkonzerns. Ein Treiber ist die von Peking forcierte Elektromobilität.Von Stefan Kroneck, zzt. SchanghaiDas nach dem chinesischen Horoskop Ende Januar begonnene Jahr des Feuerhahns bedeutet gemäß der Weisheiten von Astrologen, vorsichtig zu handeln. Denn der Hahn neigt dazu, aufgrund seiner Eitelkeit sich selbst zu überschätzen. Es scheint, als ginge Infineon gemäß dieser Devise im bevölkerungsreichsten Land der Erde vor. Wenn Vorstandschef Reinhard Ploss über die Wachstumsperspektiven in der Volksrepublik redet, ist er zwar guter Dinge, vermeidet aber den Anschein von übertriebener Euphorie.Nach der gescheiterten Übernahme des amerikanischen Hightech-Spezialisten Wolfspeed sind für Deutschlands größten Halbleiterproduzenten nicht die USA das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern China. Gemessen am Umsatzanteil ist das Reich der Mitte der größte Einzelmarkt von Infineon. Das Land macht über ein Viertel der Konzernerlöse aus – gefolgt vom Heimatmarkt Deutschland (15 %) und den USA (10 %). Wachstumstreiber sind unter anderem die Elektromobilität und das autonome Fahren. “Wir profitieren vom absoluten Wachstum der Fahrzeuge, aber auch vom Content-Zuwachs”, sagte Ploss vor Journalisten in Schanghai. Somit profitiert das Dax-Unternehmen von der ungebremsten Pkw-Nachfrage im größten Automarkt der Welt – angestoßen von Peking im Rahmen der zunehmenden staatlichen Regulierung des Straßenverkehrs in chinesischen Megastädten, um die Umweltbelastung einzudämmen.Die Einpartei-Regierung setzt dabei voll auf Elektromobilität. Das ist ein Kerngebiet von Infineon, die mit einem Marktanteil von 11 % weltweit die Nummer 2 im Segment Automotive ist nach dem niederländischen Wettbewerber NXP, den sich gerade der US-Chipkonzern Qualcomm einverleibte. Das Geschäftsfeld deckt 44 % der Konzernerlöse von Infineon ab. In China beträgt dieser Anteil aber “nur” ein Drittel. Im Managerjargon heißt das, dass noch viel Potenzial auf diesem Gebiet besteht. Plus von 15 Prozent im VisierHua Su, President von Infineon China, rechnet damit, dass der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr 2017 (30. September) um 15 % auf umgerechnet 1,9 Mrd. Euro steigt. Das entspräche der Dynamik der Vorjahre (siehe Grafik). Die China-Einheit überträfe damit abermals das Wachstum des Konzerns. Aufgrund des gut laufenden Geschäfts erhöhte der Vorstand Ende März die Jahresprognose (vgl. BZ vom 25. März). Die Konzernführung geht von einem Erlöszuwachs in einer Spanne von 8 bis 11 % aus nach zuvor erwarteten 4 bis 8 %. Die Profitabilität in China entspricht laut Ploss in etwa der des gesamten Konzerns. Im laufenden Berichtsturnus steuert Infineon erstmals die operative Zielrendite von 17 (i.V. 15,2) % an. Nach sechs Monaten erreichte das Unternehmen knapp 16 %. Die Musik spielt also vor allem in der zweiten Jahreshälfte.Der CEO sprach von einem “guten Brand-Image” seines Konzerns in China. “Die Leute kommen zu uns.” In dem hart umkämpften Geschäft mit Leistungshalbleitern für hochkomplexe Anwendungen ist das ein Wettbewerbsvorteil. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass Peking es nicht geschafft hat, einen eigenen, international wettbewerbsfähigen Chipkonzern aus dem Boden zu stampfen. Versuche, dies mit Akquisitionen im Ausland zu erreichen, sind bislang kläglich gescheitert. Vor diesem Hintergrund zeigt sich der Infineon-Chef entspannt: “Ein Vordringen der Chinesen in den Automotive-Halbleitermarkt ist nicht zu erwarten, da der Zyklus viel zu lange dauert.”Nach Angaben von Ploss beliefert der Konzern mittlerweile über 500 lokale chinesische Unternehmen mit größeren Bauelementen und -systemen (Tier-1-Status). Infineon ist seit 22 Jahren in China aktiv. Das Unternehmen trat also dort zu einer Zeit in Erscheinung, als es noch Teil des Siemens-Konzerns war. Die Kapazitäten in dem seit 1995 bestehenden Werk in Wuxi bei Schanghai baute Infineon vor zwei Jahren aus. In China arbeiten für die Firma rund 2 000 Personen. Das sind 6 % aller Konzernbeschäftigten.Zu den Kunden gehören Start-ups wie der ambitionierte Elektroautodesigner Nio, der im nächsten Jahr einen bezahlbaren SUV-Familienwagen mit E-Antrieb auf den chinesischen Markt bringen will. Um dies zu erreichen, arbeitet Firmengründer und Chairman William Li mit BMW in der Entwicklung zusammen. In München betreibt Nio dazu ein Forschungszentrum mit über 100 Mitarbeitern. Zu den größeren Abnehmern von Infineon-Produkten gehört der etablierte Telekommunikationsausrüster Huawei mit Sitz in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen an der Grenze zu Hongkong.