Easyjet bleibt vorerst ganz am Boden

Bislang 650 Evakuierungsflüge - Einigung mit dem Kabinenpersonal

Easyjet bleibt vorerst ganz am Boden

hip London – Der britische Lufthansa-Rivale Easyjet hat angekündigt, dass seine 331 Flugzeuge starke Flotte fortan ganz am Boden bleiben wird. Der am Londoner Flughafen Luton beheimatete britische Billigflieger verwies in einer Pflichtveröffentlichung auf die “nie dagewesenen Reisebeschränkungen” und Ausgangssperren, mit denen Regierungen weltweit auf die Coronavirus-Pandemie reagierten. Das Unternehmen führte bis zum 29. März 650 Evakuierungsflüge für gestrandete Kunden durch, bei denen mehr als 45 000 Menschen repatriiert wurden. Man stehe bei Bedarf für weitere solche Flüge bereit, hieß es.Das Management einigte sich mit der Gewerkschaft Unite darauf, das Kabinenpersonal in den Zwangsurlaub zu schicken. Ab dem 1. April werden zwei Monate lang 80 % seiner Bezüge über das am 20. März von Schatzkanzler Rishi Sunak angekündigte “Coronavirus Job Retention Scheme” finanziert. “Ich bin extrem stolz darauf, wie die Menschen über das ganze Unternehmen hinweg in einer so schwierigen Zeit ihr absolut Bestes gegeben haben”, ließ sich Chief Executive Johan Lundgren zitieren. Darunter seien “viele Crewmitglieder, die sich freiwillig für die Durchführung von Rettungsflügen gemeldet haben, um Kunden nach Hause zu bringen”. Man arbeite unermüdlich daran, die Herausforderungen durch das Coronavirus zu überwinden. Derzeit lasse sich nicht mit Gewissheit sagen, wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Man werde die Lage weiter beobachten und den Markt informieren, sobald man eine Meinung dazu habe. Easyjet verfüge weiterhin über eine starke Bilanz. Bis 2022 stünden keine Refinanzierungen an.Der Branchenverband Airlines UK und die Lobby der Flughafenbetreiber haben von der Regierung gefordert, bis Ende des Jahres die Kosten der Flugverkehrskontrolle und die Zahlungen an die Aufsicht CAA (Civil Aviation Authority) zu übernehmen. Zudem verlangen sie die Aussetzung der Luftverkehrsabgabe für sechs Monate. Sunak hatte vergangene Woche Forderungen aus der Branche nach Staatshilfen an sich abprallen lassen. Der Staat werde nur als letzte Instanz handeln. Er wolle auch nur dann mit einzelnen Airlines verhandeln, wenn diese zuvor alle anderen Optionen ausgeschöpft hätten. Sie könnten ja auch ihre Aktionäre angehen. Die großen Fluggesellschaften verfügen über reichlich Bargeld. Die British-Airways-Mutter IAG bezifferte ihre Liquidität inklusive nicht in Anspruch genommener Finanzierungszusagen auf 9,3 Mrd. Euro, Easyjet kann auf 1,6 Mrd. Pfund und eine nicht gezogene Kreditlinie über 500 Mill. Pfund zurückgreifen.