Ein Algorithmus wie ein Bosch

Von Stefan Paravicini, Berlin Börsen-Zeitung, 20.2.2020 Das Internet der Dinge (IoT) treibt die Robert Bosch GmbH schon länger um. Mehr als 10 Millionen Geräte und Sensoren hat der Industrieausrüster, Hausgerätehersteller und Automobilzulieferer...

Ein Algorithmus wie ein Bosch

Von Stefan Paravicini, BerlinDas Internet der Dinge (IoT) treibt die Robert Bosch GmbH schon länger um. Mehr als 10 Millionen Geräte und Sensoren hat der Industrieausrüster, Hausgerätehersteller und Automobilzulieferer bereits mit der hauseigenen IoT-Suite verbunden. 92 % aller elektronischen Produktklassen von Bosch können heute mit dem Internet der Dinge verbunden werden, und geht es nach dem Willen von Vorstandschef Volkmar Denner, der am Mittwoch die alljährliche IoT-Leistungsschau “Bosch Connected World” in Berlin eröffnete, sollen bald 100 % Konnektivität besitzen.Seit gut einem Jahr, seit dem Auftritt auf der Consumer Electronic Show im vergangenen Jahr in Las Vegas, wirbt das Unternehmen für seine IoT-Anwendungen und Produkte mit einem Werbespot, der sich an die US-Internet-Sensation “like a Boss” anlehnt und zeigt, wie man “like a Bosch” Kaffee kocht, Wäsche trocknet, das Auto einparkt, die Jalousien hochfährt oder sich vom Kühlschrank an die Einkäufe erinnern lässt. Vernetzt mit intelligenten Hausgeräten, über das Internet der Dinge, “like a Bosch” eben.Dass künstlicher Intelligenz im Internet der Dinge eine immer größere Bedeutung zukommt, wurde auch zum Auftakt auf der Bosch Connected World deutlich. Beides wachse immer mehr zusammen, erklärte Denner. Die Fabrik der Zukunft, mit lernenden Maschinen, die über das Internet der Dinge miteinander kommunizieren, klopfe bereits an die Werkstore, sagte Michael Bolle, der bei Bosch als Chief Digital Officer und Chief Technology Officer in Personalunion auftritt.Von einem Werbespot mit lernenden Maschinen, die “wie ein Bosch” miteinander kommunizieren, ist bislang zwar noch nichts bekannt. Dennoch rechnet sich Bolle gute Chancen aus, bei Anwendungen von KI für die Industrie mit Bosch auch in Zukunft eine führende Rolle zu spielen. “Es geht um die Kombination der physischen Welt mit maschinellem Lernen”, erklärte er am Rande der Connected World vor Journalisten. “Wir sind überzeugt, in diesem Feld zu den führenden Akteuren zu gehören”, sagte der Bosch-Geschäftsführer und verwies dazu auf die einschlägigen Rankings zu Publikationen von KI-relevanten Forschungspapieren.Zieht man die Publikationen heran, die 2019 bei den zwei wichtigsten KI-Konferenzen weltweit eingereicht wurden – der Neural Information Processing Systems und der International Conference on Machine Learning, belegt Bosch unter den Firmen weltweit einen respektablen 8. Platz und schafft es als einziges Unternehmen aus Europa unter die Top 10. Auf Rang 1 liegt die Alphabet-Tochter Google vor Microsoft, Facebook, IBM und Amazon. Dahinter folgen die chinesischen Internetriesen Tencent und Alibaba.Das Rennen sei eröffnet, sagte Bolle mit Blick auf die Konkurrenten aus dem Technologiesektor. Bosch will mit Vertrauen punkten und hat einen Katalog mit Ethikanforderungen an die eigenen KI-Anwendungen vorgestellt. So legt Bosch für die eigene Entwicklung fest, dass Algorithmen, die als Teil von KI-Anwendungen über Menschen entscheiden, nie ohne direkte Kontrolle von Menschen agieren, sondern dem Menschen als Werkzeug dienen sollen. Das passt zum Umgang mit KI, den die Europäische Union gerade in einem Weißbuch skizziert hat. Christoph Peylo, der Leiter des Bosch Center for Artificial Intelligence, ist Teil der High Level Expert Group, die Brüssel dem Thema gewidmet hat.——Bosch rechnet sich mit Hilfe von künstlicher Intelligenz gute Chancen im Internet der Dinge aus. ——