Ein Vorbild für Manager und ein halber Neymar
Ein Vorbild für Manager und ein halber Neymar
Das könnte für überforderte Manager eine Überlegung wert sein: einfach zwei Hierarchieebenen nach unten rutschen. Schon geht die Arbeit leichter von der Hand und Erfolgserlebnisse stellen sich ein. Klingt abwegig? Im Fußball funktioniert dieses Modell ganz gut, bedeutet allerdings auch dort erheblich finanzielle Einbußen. Sportlich war der TSV 1860 München in der vergangenen Saison in die dritte Liga abgestiegen, wegen der Finanzklemme ging es nochmals eine Stufe tiefer. So fielen die Löwen, die immerhin 1966 deutscher Meister waren, aus dem Profifußball und landeten in der Regionalliga Bayern. Das hört sich nach Dorfplätzen zwischen Kuhstall, Maibaum und Biergarten an.In dieser Spielklasse ist die Mannschaft jedoch so erfolgreich wie wohl nie zuvor. Nach sieben Spieltagen stehen die Sechzger mit sechs Siegen, einer Niederlage und einem Torverhältnis von 23 zu 7 klar an der Tabellenspitze – fünf Punkte vor der Spielvereinigung Bayreuth und dem TSV Buchbach.Nicht nur deshalb sind die Fans glücklich: Endlich spielen die Löwen wieder in ihrer Heimat, dem Grünwalder Stadion. Die Zeiten, in denen der Verein als Mieter in der Allianz-Arena des FC Bayern kickte, sind vorbei. Die Stätte des Rivalen war für ultraüberzeugte Fans tabu. Jetzt feuern sie ihr Team auch bei Heimspielen wieder an.Sogar die Gegner freuen sich – trotz der Überlegenheit des TSV 1860. Das Gastspiel des Teams mit einigen bundesligaerfahrenen Kickern wie Sascha Mölders und Timo Gebhart sorgt für volle Stadien, wenn es denn überhaupt eines gibt. In Pipinsried, einem Dorf bei Dachau, zum Beispiel wird auf einem Sportplatz mit gut gepflegtem Rasen und angebauter Tribüne für knapp 300 Zuschauer gespielt. An solchen Orten kommen Löwen-Fans ihren Idolen so nah wie nie.Sportlich sieht es also ganz gut aus, finanziell ist für den TSV 1860 dagegen vieles weiterhin unklar. Die drohende Überschuldung ist seit langem ein treuer Begleiter. Der jordanische Geschäftsmann Hasan Ismaik, der 2011 als Investor eingestiegen ist, stundete zwar dem Verein ein Darlehen und die fälligen Zinsen. Aber in zwei Jahren steht die Rückzahlung abermals an – auch die eines Brückenkredits über 2 Mill. Euro. Mit diesem sprang vor kurzem die Versicherungsgruppe Die Bayerische ein, die eigentlich nur Hauptsponsor sein wollte.Die Schlüsselfigur ist Ismaik, der rund 60 Mill. Euro in den Verein gesteckt hat – den größten Teil als Darlehen. Da er nach dem Abstieg nicht bereit war, zusätzlich 11 Mill. Euro lockerzumachen, wurde den Löwen die Lizenz für die dritte Liga verwehrt. Was Ismaik nun im Schilde führt, bleibt im Dunkeln.Ins Rampenlicht trat dagegen der Unternehmer Gerhard Mey, der offenbar ein Herz für den TSV 1860 hat. Mey ist Gesellschafter des Autozulieferers Webasto in Stockdorf bei München – bekannt für Schiebe- und Cabriodächer sowie Standheizungen. Der Milliardär will als Investor die Löwen retten und vertraut dabei nicht nur auf sein Geld, sondern auch auf seine Erfahrungen als Sanierer von Unternehmen. Ohne eine Einigung mit Ismaik wird Mey seine Pläne jedoch nicht durchsetzen können. *Ganz anders der FC Bayern München. Dort gibt es keine Zweifel. Pläne werden gemacht und mit der unerschütterlichen Entschlossenheit eines Uli Hoeneß durchgezogen. Am Geld scheitert ohnehin nichts. In dieser Woche eröffnete der deutsche Rekordmeister sein neues Nachwuchszentrum im Norden von München. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, mitzufeiern und den FC Bayern als das beste Aushängeschild des Freistaats zu preisen.Das Bonmot des Tages lieferte allerdings Dieter Reiter (SPD), der Münchner Oberbürgermeister. Er stellte mit dem Scharfsinn eines Stadtkämmerers fest, die Ausbildungsstätte des Vereins habe nicht einmal einen halben Neymar gekostet. Lesern, die nur Bahnhof verstehen, sei erklärt, dass es sich nicht um eine Währung handelt, etwa von Myanmar (Burma). Neymar heißt der brasilianische Superkicker, den Paris Saint-Germain für 222 Mill. Euro dem FC Barcelona abgekauft hat. Das wäre sogar dem FC Bayern dann doch zu viel gewesen.