"Ekelfaktor komplett rausgenommen"
"Ekelfaktor komplett rausgenommen"
Von Annette Becker, DüsseldorfEs ist bereits die zweite Runde mit innovativen Lebensmitteln, die sich seit Februar in ausgewählten Großmärkten von Metro Cash & Carry sowie drei Real-Standorten in den sogenannten Start-up-Regalen finden lassen. Mit dem Regal bietet der Düsseldorfer Handelskonzern jungen Firmen drei Monate lang die Möglichkeit, neue Lebensmittelkreationen einem Realitäts-Check zu unterziehen. “Die Resonanz ist super: Die Start-up-Regale kommen bei Kunden und Mitarbeitern sehr gut an”, freut sich Thomas Storck, CEO von Cash + Carry (C+C) Deutschland. Einige Produkte haben bereits den Sprung ins Ausland geschafft.In der zweiten Runde kann Metro zugleich mit einer für den deutschen Markt echten Neuheit aufwarten: Lebensmittel mit Insektenproteinen. Möglich macht das die Novel-Food-Verordnung der EU, die zum 1. Januar in Kraft getreten ist und den Umgang mit neuen Lebensmitteln und neuartigen Lebensmittelzutaten regelt. Seither dürfen Insekten auch hierzulande als Nahrungsmittel vermarktet werden. Daniel Mohr, Gründer und Chef der Plumento Foods GmbH, hat diesen Tag herbeigesehnt, kann er seine auf Insektenproteinen basierenden Produkte doch endlich in den Handel bringen. Anderthalb Jahre hat Plumento an der Entwicklung der nachhaltigen Alternativen zu Proteinen aus Schlachttierhaltung gearbeitet. Herausgekommen sind Pasta, Müsli, Kekse und Croutons, die allesamt einen 10-prozentigen Insektenpulveranteil enthalten. “Wir haben den Ekelfaktor komplett rausgenommen”, sagt Mohr, der um die Berührungsängste der Europäer mit Insekten als Nahrungsmittel weiß.In Asien, wo Mohr 14 Jahre lang lebte, ist der Verzehr der sechsbeinigen Proteinlieferanten dagegen eine Selbstverständlichkeit. Gepaart mit einer guten Portion Sendungsbewusstsein – Insekten benötigen viel weniger Futter und Platz zur Produktion der gleichen Menge an Proteinen wie Schweine oder Rinder, zudem erzeugen sie nur einen Bruchteil der schädlichen Treibhausgase – machte sich Mohr daran, auf Insekten basierende Lebensmittel der Allgemeinheit sprichwörtlich schmackhaft zu machen. Die von Plumento verwendeten Mehlwürmer sind derzeit noch der Engpass in der Produktion, gibt es bislang doch lediglich in den Niederlanden Insektenfarmen. Zu den drei in Europa als “verkehrsfähig” geltenden Insektenarten gehören neben dem Mehlwurm im Larvenstadium die Grille und die europäische Wanderheuschrecke. Das Start-up Wisefood hat mit dem essbaren Strohhalm dagegen ein für Restaurants und Hotels konzipiertes nachhaltiges Produkt am Start, das entsprechend in drei C+C-Märkten angeboten wird. Der Trinkhalm besteht aus Apfelresten, die bei der Saftherstellung als Abfall übrig bleiben, und wurde gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik entwickelt. Ziel ist es, einen Beitrag zur Reduzierung von Plastikmüll zu leisten. Denn selbst wenn der Strohhalm nicht gegessen wird, ist er zumindest kompostierbar. Mit den innovativen Lebensmitteln gibt sich Metro nicht nur einen grünen Anstrich, sondern verfolgt zugleich das Ziel, stärker als Innovationstreiber wahrgenommen zu werden und das eigene Sortiment aufzuwerten.