Elektromann
Elektromann
cru – Er hat elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeugen in Deutschland zum Durchbruch verholfen: Achim Kampker, Professor in Aachen, gründete im Jahr 2011 die Streetscooter GmbH, die 2014 von der Deutschen Post übernommen wurde. Irgendwie muss es seiner Sippe im Blut liegen: Jedenfalls ist Kampker durchaus nicht der einzige Tüftler in der Familie. Sein Vater arbeitete als Maschinenbauingenieur bei Thyssenkrupp; der eine von zwei älteren Brüdern kümmert sich um Produktionssysteme bei Daimler, der andere schraubt im Dienste der Werkstattkette Moto. Alle drei haben sie Ingenieurwissenschaften an der Universität RWTH in Aachen studiert. Dort lehrte Kampker als Professor Produktionsmanagement, ist aber inzwischen beurlaubt, um sich seinem Hauptberuf als Geschäftsführer zu widmen.Anders als seine Brüder hat Kampker kein Benzin im Blut. Umso erstaunlicher ist es, dass er im Jahr 2010 die Idee eines Professorenkollegen aufgriff und ein Unternehmen gründete, das schon bald in großem Stil Autos produzieren soll. “Entscheidend für unseren Durchbruch war die mutige Entscheidung der Deutschen Post”, sagt der 41-jährige Wissenschaftler, den man auch für einen Studenten halten könnte, steckte er nicht in einem Anzug. Kanzlerin Merkel hatte 2011 den Streetscooter-Stand auf der IAA besucht – und so wurde Post-Vorstand Jürgen Gerdes auf ihn aufmerksam.Schon 2018 soll sich der Absatz von Streetscooter durch die neue Fabrik in Düren mehr als verdoppeln auf bis zu 20 000 Fahrzeuge. Kunde ist nicht nur die Deutsche Post, die langfristig ihren gesamten Fuhrpark elektrisieren will. Auch bei Gewerbetreibenden wie Bäckereien oder Gärtnern kommt das Elektro-Zustellfahrzeug in eigens ausgearbeiteten Varianten gut an.Bei einem Stückpreis ab 32 000 Euro dürfte der Umsatz also rund 500 Mill. Euro erreichen. Konkrete Angaben werden nicht gemacht. Auch gibt es bisher keine Pläne für eine Finanzierung der Expansion über den Kapitalmarkt.”Ich habe gelernt, Geduld zu haben”, sagt Kampker. Am meisten gefreut habe ihn, wie groß der Zusammenhalt der mit 300 Beschäftigten inzwischen beachtlich großen Mannschaft noch immer sei. Für das beginnende Jahr 2018 wünscht er sich von allen Entscheidungsträgern in Deutschland “weniger Bedenken und mehr Mut zum Ausprobieren”.