EnBW sagt sichere Versorgung zu

"Keine wesentlichen Auswirkungen" durch Pandemie - Überschuss 2019 mehr als verdoppelt - Fokus auf Erneuerbare trägt Früchte

EnBW sagt sichere Versorgung zu

EnBW, einer der vier großen Energieversorger in Deutschland, hat den Überschuss 2019 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Die Folgen der Covid-19-Pandemie werden auf das operative Ergebnis 2020 nach Ansicht des Vorstands “keine wesentlichen Auswirkungen” haben. Freude bereitet vor allem das Segment erneuerbare Energien.md Frankfurt – EnBW verspricht in der Coronakrise eine stabile Energieversorgung. Es seien umfangreiche Krisenpläne und -vorbereitungen getroffen worden, um die Arbeitsfähigkeit und Stabilität der kritischen Prozesse und Aufgaben sicherzustellen, sagte Vorstandschef Frank Mastiaux bei der Vorstellung der Geschäftszahlen.Die Folgen der Pandemie werden nach Angaben von Finanzvorstand Thomas Kusterer voraussichtlich keine wesentlichen Auswirkungen auf das operative Ergebnis im laufenden Jahr haben. Es bestehe aber ein begrenztes Risiko. “Wir beobachten die Situation sehr genau.” “Finesse” im Corona-PaketDer Energieversorger hat jedoch Änderungen an den im Zuge des Corona-Pakets verabschiedeten Regeln für Stromkunden und Gläubiger angemahnt. Der Grundgedanke, wonach in Not geratene Haushalte und Gewerbetreibende ihre Strom-, Gas- und Wärmerechnung aussetzen könnten, sei “absolut zu begrüßen”, betonte EnBW-Chef Mastiaux laut Agenturmeldungen in einer Telefonkonferenz anlässlich der Vorstellung der Jahresbilanz.Allerdings sei im Gesetzespaket eine “Finesse” enthalten, die alle Versorger betreffe und überarbeitet werden müsse. Der Strompreis bestehe zu 75 % aus übergeordneten Steuern und Abgaben, darunter die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) oder Netzentgelten. Diese Preisbestandteile hätten “erstmal nichts mit dem Innenverhältnis zwischen uns als Energieunternehmen und dem Kunden zu tun”, so Mastiaux. Gleichwohl müsse der Konzern diese weiter an Netzbetreiber oder den Bund entrichten.Dies werde dann vom Cash-flow her “relevant, wenn die Zahl der Leute, die in diese Situation geraten, sehr groß wird”, sagte Mastiaux. Bei der Umsetzung des Gesetzes müssten daher Maßnahmen getroffen werden, um die Steuerabgaben und EEG-Umlage etwa durch den Wirtschaftsstabilisierungsfonds abzudecken.Der Bundestag hatte dem mit rund 600 Mrd. Euro ausgestatteten Fonds am Mittwoch zugestimmt, heute soll der Bundesrat sein Votum abgeben. Die Zustimmung gilt als sicher.Unabhängig davon hatte der Versorger bereits angekündigt, säumigen Kunden den Strom angesichts der Coronakrise nicht abzustellen. An der vom 1. April an gültigen Strompreiserhöhung um 8,3 % hält EnBW aber fest. Ziel ein Jahr früher erreicht Mit dem Geschäftsverlauf 2019 ist der Vorstand mehr als zufrieden. “Wir haben bereits ein Jahr früher das ambitionierte Ergebnisziel von 2,4 Mrd. Euro erreicht, das wir uns 2013 für das Jahr 2020 gesetzt haben”, betonte EnBW-Chef Mastiaux. Das Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe steigerte die Ergebnisse im Vergleich zu 2018 bei sinkendem Umsatz deutlich. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte den Angaben zufolge um 12,7 % auf 2,43 Mrd. Euro zu. Trotz der Coronakrise rechnet CFO Thomas Kusterer auch im laufenden Jahr mit einem zweistelligen Ergebniswachstum zwischen 13 % und 19 %. Bis 2025 soll das Ebitda auf 3,2 Mrd. Euro wachsen. Der Jahresüberschuss nach Anteilen sprang um 120 % auf 734 Mill. Euro. Der Umsatz ging hauptsächlich wegen eines geringeren Handelsvolumens und niedrigerer Gaspreise um ein Zehntel auf 18,77 Mrd. Euro zurück. Prognosen erfüllt “Es ist uns gelungen, in allen Geschäftssegmenten ein operatives Ergebnis innerhalb der prognostizierten Bandbreite zu erzielen”, sagte Kusterer. Besonders gut habe sich der Bereich erneuerbare Energien entwickelt(siehe Grafik). Ein Grund für das starke Wachstum waren Zukäufe in Schweden und Frankreich. Seit dem vierten Quartal trage auch der Offshore-Windpark Hohe See positiv zum Segmentergebnis bei. Geschwächelt habe dagegen das Segment Erzeugung und Handel.EnBW baut das Unternehmen seit Jahren um – von der Stromerzeugung aus Kohle und Kernkraft hin zu erneuerbaren Energien. Seit 2012 sei die installierte Leistung der Windkraft von 218 auf fast 1 660 Megawatt erhöht worden. Die Fotovoltaik liefere bis zu 109 Megawatt. Das bereinigte Ebitda des Segments habe von 0,2 Mrd. (2012) auf nun 0,48 Mrd. Euro zugelegt.EnBW will die Dividende um 5 Cent je Aktie auf 70 Cent erhöhen. Allerdings muss die ursprünglich für den 12. Mai vorgesehene Hauptversammlung wegen der Pandemie verschoben werden. Das Unternehmen befindet sich zu rund 97,5 % im Besitz der öffentlichen Hand. Der Börsenwert liegt bei 12 Mrd. Euro.