Eon geht wieder in die Offensive
Eon geht wieder in die Offensive
Durch die Atomsteuer-Rückzahlung kommt Eon mit dem Schuldenabbau so schnell voran, dass der Konzern in die Offensive gehen kann. Anfang 2018 will Vorstandschef Johannes Teyssen eine neue Investitions- und Wachstumsstrategie vorstellen.cru Düsseldorf – Der zunächst teure Freikauf von der Verantwortung für die Atommülllagerung wird Eon in den kommenden Jahren kräftig entlasten und setzt Mittel für Investitionen frei. “Unser Vorsteuergewinn fällt dadurch um jährlich 400 Mill. bis 500 Mill. Euro höher aus”, erklärte Vorstandschef Johannes Teyssen in einer Telefonkonferenz am Mittwoch zur Halbjahresbilanz. Entlastend wirke unter anderem die teilweise wegfallende Aufzinsung der Kernenergierückstellungen. Allerdings musste Eon im Gegenzug zur Jahresmitte rund 10 Mrd. Euro an Rückstellungen und Risikoprämie an die öffentlich-rechtliche Stiftung überweisen, die ab jetzt die Atommüll-Endlagerung verantwortet.”Wir haften also jetzt insbesondere nicht mehr für die ungewissen Kosten der künftigen Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Abfälle. Das ist vor allem für unsere Investoren trotz der damit verbundenen einmaligen und sehr hohen Belastung eine gute Nachricht, weil unser Unternehmen nun von diesen Ewigkeitslasten und von den politischen Risiken befreit ist”, sagte Teyssen.Im zweiten Quartal profitierte Eon zudem von der Rückzahlung der Kernbrennstoffsteuer in Höhe von rund 3 Mrd. Euro. Der Konzern will dank der gestärkten Bilanz den Aktionären nun mehr Dividende zahlen, indem die Ausschüttungsquote ab 2018 von bisher 50 bis 60 % auf 65 % erhöht wird. Für 2016 hatte Eon 45 % vom bereinigten Konzernüberschuss ausgeschüttet und zahlt für dieses Jahr 30 Cent je Aktie. “Alle Optionen” für UniperZusätzlich helfen dem Konzern die Ergebnisbeiträge aus der Beteiligung an der abgespaltenen Kraftwerkssparte Uniper, an der Eon seit dem Börsengang im September 2016 noch mit 47 % beteiligt ist. Das Aktienpaket soll zwar so bald wie möglich verkauft werden – aus steuerlichen Gründen aber nicht vor Anfang 2018. Ob dann ein strategischer Investor – wie etwa der finnische Staatskonzern Fortum, über dessen Interesse spekuliert wird, – oder ein Verkauf in Paketen bevorzugt wird, hält sich Teyssen offen. “Wir prüfen alle Optionen.”Die Jahresprognose wurde bestätigt. Somit rechnet Eon für 2017 mit einem bereinigten operativen Konzerngewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Bereich von 2,8 Mrd. bis 3,1 Mrd. Euro und einem bereinigten Konzernüberschuss von 1,2 Mrd. bis 1,45 Mrd. Euro.Im ersten Halbjahr ging der bereinigte operative Gewinn (Ebit) um 12 % auf 1,8 Mrd. Euro zurück. Hauptsächlich dank der Rückzahlung der Brennelementesteuer verdiente Eon unter dem Strich 3,8 Mrd. Euro. Inklusive Zinsen 3,3 Mrd. Euro erhält der Konzern vom Fiskus zurück, nachdem das Bundesverfassungsgericht Anfang Juni entschieden hatte, dass die von 2011 bis 2016 kassierte Steuer unvereinbar mit dem Grundgesetz und das entsprechende Gesetz nichtig ist. Das bereinigte Nettoergebnis kletterte dank eines besseren Zinsergebnisses um 46 % auf 881 Mill. Euro.Ziel des Konzerns war es, die Bilanz nach den Auswirkungen vor allem des Spin-offs von Uniper – der mit Milliardenabschreibungen verbunden war – und der Kernenergielösung wieder zu stärken. “Durch die Erstattung der Kernbrennstoffsteuer haben wir bei der Erreichung dieses Ziels deutlich schneller als geplant erhebliche Fortschritte gemacht”, sagte Teyssen. Die Verschuldung habe Eon bereits zur Halbzeit von 26,3 Mrd. Euro zum Ende 2016 auf 21,5 Mrd. Euro und damit um 18 % gesenkt. Der Entschuldungsplan werde konsequent weiter umgesetzt. Sobald dieser erfolgreich abgearbeitet sei, werde Eon das Entschuldungsziel übererfüllen.Nächste Schritte zur Entschuldung sind die Übertragung der Beteiligung an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream im Wert von 1 Mrd. Euro an den Pensionsfonds sowie der Verkauf des Uniper-Anteils im Wert von 3 Mrd. Euro. Eine Hybridanleihe, die Eon im ersten Quartal – nach der Kapitalerhöhung, die 1,35 Mrd. Euro einbrachte, – noch als Maßnahme zur Entschuldung avisiert hatte, ist laut Finanzchef Marc Spieker nicht mehr erforderlich. Ab 2018 Wachstum angesagt”Zugleich werden wir die Möglichkeit haben, in Wachstum zu investieren”, kündigte Teyssen an. Den Investoren werde wie üblich zur Vorlage der Bilanz 2017 eine Wachstums- und Investitionsstrategie vorgestellt. Als Stichworte nannte Teyssen die Digitalisierung im Kerngeschäft mit den Stromverteilnetzen sowie den Bau von Windparks.Der Kurs der Eon-Aktie reagierte mit einem Minus von zeitweise 2,2 %. Allerdings hatte sich der Börsenwert des Konzerns zuvor auch seit November 2016 um zwei Drittel auf 19 Mrd. Euro erhöht.