SIEMENS BRINGT MEDIZINTECHNIK AN DIE BÖRSE

Equity Story setzt auf verlässliches Umsatzplus

Siemens-Medizintechnik liefert hohe Profitabilität bei geringer Abhängigkeit von Konjunkturzyklen

Equity Story setzt auf verlässliches Umsatzplus

mic München – Siemens Healthineers wirbt mit einer facettenreichen Equity Story um die Gunst der Investoren. Ein Kernelement ist verlässliches Wachstum. “Wir operieren in einem fundamental attraktiven Markt mit hohen Wachstumschancen”, strich Chef Bernd Montag schon im vergangenen Mai heraus. Er rechnete Siemens einen adressierbaren Kernmarkt von 46 Mrd. Euro zu (siehe Grafik) – mittlerweile hat der Konzern auf 50 Mrd. Euro aufgerundet.Damit adressiert das Unternehmen einen Bruchteil des Weltgesundheitswesens, für das Schätzungen zufolge jährlich 7 Bill. Euro ausgegeben werden. Die Hälfte dieses Betrags sind Siemens zufolge Personalkosten. Mit dem eigenen Portfolio agiere man dagegen dort, wo Produktivität gehoben werde, lautet die IPO-Story. Damit sieht sich Siemens als Teil der Lösung der Probleme im Gesundheitswesen, statt vom weltweiten Sparkurs getroffen zu sein. Siemens erlöst rund 14 Mrd. Euro.Die Story wirbt zudem mit Wachstumsraten in den vier Teilsegmenten, die relativ hoch sind für etablierte Märkte. Die Labordiagnostik (26 Mrd. Euro Marktvolumen) soll 2016 bis 2021 mit 4 % bis 5 % pro Jahr am stärksten zulegen. Bildgebende Systeme (12 Mrd. Euro), Ultraschall (5 Mrd. Euro) und neuartige Therapiemethoden (3 Mrd. Euro) werden demnach um 3 % wachsen. Wiederkehrende ErlöseAls Treiber hat Siemens drei Faktoren identifiziert: Alternde Bevölkerung, wachsender Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen in Schwellenländern und die Zunahme chronischer Krankheiten. Wichtig aus Sicht der IPO-Story zudem: Die Dynamik soll in nur geringem Maß von Zyklen abhängig sein. Siemens beziffert die wiederkehrenden Erlöse im eigenen Portfolio auf 55 % des Gesamtumsatzes. Dieser Anteil speist sich beispielsweise aus dem Service oder dem Verkauf von Reagenzien.Tatsächlich ist die Dynamik seit 2012 stabil, der Siemens-Umsatz legte zwischen 2,0 % und 4,8 % zu (ohne Portfolio- und Wechselkurseffekte). Die Finanzkrise als letzten Konjunktureinbruch durchlief die Medizintechnik mit respektablen Wachstumsraten zwischen 1,4 % bis 1,7 %.Die IPO-Story fußt auf zwei weiteren Elementen. Erstens diagnostiziert Siemens, dass sich Gesundheitsanbieter wie beispielsweise Krankenhäuser konsolidieren. Dies wird als Konkurrenzvorteil gesehen, weil die neuen Einheiten einen Partner mit einem starken Portfolio bräuchten. Zweitens stellt Siemens die hohen Marktanteile in allen Weltregionen ins Schaufenster. Konkurrenten dagegen hätten Vorzugsmärkte.Für Fantasie sorgen soll einerseits das denkbare Vordringen in neue Geschäftsfelder durch Akquisitionen. Andererseits will der Konzern durch die Nutzung der digitalen Daten aus den bildgebenden Systemen beispielsweise für Operationen seine Wertschöpfungskette verlängern.IPO-Kern aber ist die hohe Profitabilität. Für das vergangene Geschäftsjahr wurde eine Ebitda-Marge von 20,7 % und eine Ebit-Marge von 18,1 % ausgewiesen. Die erstmalige Anwendung von IFRS 15 für den Turnus 2016/2017 senkt die Ebit-Marge pro forma auf 17,7 %.