EU schickt Bayer in vertiefte Prüfung

Monsanto-Übernahme steht vor größeren Hürden - Kommission kann sich bis 8. Januar Zeit nehmen

EU schickt Bayer in vertiefte Prüfung

Für Bayer und Monsanto wird es schwieriger als gedacht, den Segen der EU-Wettbewerbshüter für ihre Fusion zum weltgrößten Agrochemiekonzern zu erhalten. Die Brüsseler Behörde leitete gestern die vertiefte Prüfung ein.ab/fed Düsseldorf/Frankfurt – Die EU-Kommission will den geplanten Zusammenschluss von Bayer mit Monsanto einer intensiven Prüfung unterziehen. Nach Ablauf der Frist der Phase I, die bereits um zwei Wochen verlängert worden war, schickten die EU-Wettbewerbshüter das Fusionsvorhaben gestern in die vertiefte Prüfung. Nun hat die Behörde bis 8. Januar Zeit, über das Vorhaben zu entscheiden. Dessen ungeachtet “sieht Bayer einer Fortsetzung der konstruktiven Zusammenarbeit mit der EU-Kommission entgegen mit dem Ziel, die Genehmigung für die Transaktion bis Ende 2017 zu erhalten”, teilten die Leverkusener mit.Dass die EU den Fall nicht einfach durchwinkt, war angesichts der schieren Größe – Bayer und Monsanto mauserten sich zum mit Abstand größten Agrochemiekonzern der Welt – erwartet worden. Gleichwohl bedeutet dies, dass die EU-Beamten ernsthafte wettbewerbsrechtliche Vorbehalte haben, die nun sorgfältig geprüft werden.Bemerkenswert ist dabei auch, dass Brüssel die bislang angebotenen Zugeständnisse der beiden Unternehmen bei weitem nicht ausreichen, “um die ernsthaften Zweifel an der Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit der EU-Fusionskontrollverordnung zu zerstreuen”.Fast schon als Affront ist in diesem Kontext zu werten, dass die EU-Kommission es nicht einmal für nötig erachtete, die bisherigen Zugeständnisse einem Markttest zu unterziehen. Vielmehr macht die EU-Behörde unmissverständlich deutlich, dass sie selbst das Entgegenkommen von Bayer und Monsanto bislang für ungenügend hält – und dazu nicht einmal die sonst übliche Begutachtung durch Konkurrenten und andere Marktteilnehmer einholen muss. Nur noch vier AnbieterProblematisch ist für Bayer nicht nur, dass mit dem Zusammenschluss der mit Abstand größte Agrochemiekonzern entstünde, sondern auch, dass es sich um die dritte Fusion in der Agroindustrie binnen Jahresfrist handelt. Denn die Kommission hatte zuletzt die Fusionen zwischen Dow und DuPont sowie zwischen Syngenta und Chemchina auf dem Tisch. Beide Transaktionen wurden unter Auflagen genehmigt.In der EU werden die Fusionsvorhaben strikt nach Anmeldedatum abgearbeitet und auf das dann vorhandene Wettbewerbsumfeld abgestellt. In dem konkreten Fall heißt das, dass sich das Wettbewerbsumfeld schon von sechs auf vier Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut eingeengt hat (siehe Grafik). Zusammen bringen es die vier Branchengrößen auf einen Marktanteil von drei Vierteln.Die Übernahme wird erwartungsgemäß zum Marathon. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass der Weg steiniger wird als von Bayer erwartet. Wollten die Leverkusener das Fusionsvorhaben ursprünglich im ersten Quartal in Brüssel anmelden, musste Baumann im Februar einräumen, dass sich die Anmeldung um wenige Wochen verzögere. Letztlich wurde der Antrag erst am 30. Juni, dem letztmöglichen Tag im zweiten Quartal, gestellt. Auch die anschließende Verlängerung der ersten Phase ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen, schon gar nicht vor dem Hintergrund, dass es nun doch in die vertiefte Prüfung geht. Widerstand auch in USAZwar gilt die Zustimmung der EU als eine der größten Herausforderungen für die Fusion, doch die Genehmigung in den USA dürfte nicht minder schwierig werden. Dort kommt erschwerend hinzu, dass der neue Leiter der Wettbewerbsaufsicht im US-Justizministerium noch immer auf seine Bestätigung durch den US-Senat wartet. Die Wahl von Makan Delrahim, der schon im April nominiert wurde – soll sich nach Informationen von Bloomberg bis in den September hinein ziehen.Auch jenseits des Atlantiks formiert sich Widerstand: Ende August reichten das American Antitrust Institute (AAI), die Food & Water Watch (FWW) und die National Farmers Union (NFU) eine Analyse zu den negativen Auswirkungen der Fusion auf den Wettbewerb, die Bauern und die Konsumenten in den USA ein. Insgesamt braucht Bayer die Freigabe aus etwa 30 Jurisdiktionen, hat die Zustimmung jedoch erst von zehn Ländern erhalten. Darunter aus Südafrika, wo sich Bayer im Gegenzug für die Freigabe zum weltweiten Verkauf der Liberty-Link-Technologie samt dem dazugehörigen Breitbandherbizid Liberty verpflichtet hat. Das Liberty-Link-Geschäft steht geschätzt für einen Umsatz von 1,4 Mrd. Euro und gilt als Alternative zur Monsanto-Linie “Roundup Ready” mit dem insbesondere in der EU umstrittenen Giftstoff Glyphosat. Überlappungen zwischen den beiden Portfolios gibt es darüber hinaus bei Baumwoll- und Rapssaatgut in Nordamerika. Insgesamt soll Bayer Pakete mit einem Volumen von bis zu 3 Mrd. Euro zum Verkauf stellen.Mit einem Volumen von 66 Mrd. Dollar handelt es sich um die größte Firmenübernahme, die ein deutsches Unternehmen je tätigte. Ein Drittel des Kaufpreises will Bayer dabei mit Eigenkapital stemmen. Neben der emittierten Pflichtwandelanleihe (4 Mrd. Euro) und dem Verkauf von Covestro-Aktien will sich Bayer dabei vor allem über eine Bezugsrechteemission bedienen. Wie aus einer Unternehmenspräsentation hervorgeht, ist der Zeitpunkt hierfür vom Fortschritt der wettbewerbsbehördlichen Prozesse abhängig.