BMW LEGT BILANZ VOR

Europäische Werke schließen für einen Monat

Autokonzern richtet Dauer der Produktionspause an der erwarteten Nachfrageentwicklung aus

Europäische Werke schließen für einen Monat

scd Frankfurt – BMW hat als letzter der drei großen deutschen Autobauer eine Fertigungsunterbrechung aufgrund der Coronakrise angekündigt. “Ab heute fahren wir unsere europäischen Automobilwerke und das Werk in Rosslyn in Südafrika herunter”, sagte BMW-Chef Oliver Zipse. Während Volkswagen und Daimler von zunächst zwei Wochen sprachen, legt sich der Münchener Autobauer bereits auf wohl vier Wochen fest – auch aufgrund des erwarteten Nachfrageeinbruchs. “Bei uns folgt die Produktion der prognostizierten Absatzentwicklung”, betonte Zipse, der die Fertigung an den genannten Standorten voraussichtlich bis zum 19. April pausieren lassen will. Mit Europa und Südafrika legt der Dax-Konzern temporär mehr als die Hälfte seiner Produktion auf Eis (siehe Grafik). US-Produktion läuft nochIm größten Einzelwerk von BMW in Spartanburg (USA) läuft die Produktion derzeit zwar noch. Da BMW aber flexibel auf die Nachfrageentwicklung reagieren will, könnten auch im größten Einzelwerk des Premiumautobauers bald die Bänder stillstehen. Für eine Aussage, wie es in den Vereinigten Staaten weitergehe, sei es noch zu früh, sagte Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic.Die großen drei US-Autobauer Ford, General Motors und Fiat Chrysler haben sich derweil bereits gestern mit der Gewerkschaft UAW auf einen temporären Produktionsstopp in den Werken in den USA, in Kanada und Mexiko zunächst bis zum 30. März verständigt. Die Sicherheit der Mitarbeiter gehe vor, betonte GM-Chefin Mary Barra am Mittwoch in Detroit. Fords Nordamerika-Chef Kumar Galhotra sprach von “beispiellosen Zeiten”. China normalisiert sichIn China produziert BMW derweil seit Mitte Februar wieder, wobei sich die im vergangenen Monat eingebrochene Nachfrage im Gesamtmarkt erst langsam wieder erholt. “Zurzeit sind 95 % unserer Händler wieder aktiv und offen”, erklärte Vertriebschef Pieter Nota. Für eine Prognose für das Gesamtjahr sei es aber noch zu früh.In Mexiko kommt ein geplanter Umbau gelegen, der eine Unterbrechung der Fertigung ohnehin nötig machte. Je nach Nachfrage soll die Produktion laut Nedeljkovic dann wieder hochgefahren werden. Derzeit geht BMW aufgrund der Erfahrung aus China von einer nicht allzu verzögerten Normalisierung der Nachfrage auch in Europa aus.Die Angst vor einer Unterbrechung der Lieferketten hat BMW derweil offenbar nicht zu der Schließung der Werke veranlasst. Laut Einkaufschef Andreas Wendt ist bis dato “keine einzige Lieferkette abgerissen”. Allerdings fahren nach den Werksschließungen der meisten BMW-Wettbewerber mittlerweile auch zahlreiche Zulieferer ihre Fertigung in Europa herunter, so dass auch hier sicher demnächst eine Unterbrechung gedroht hätte. Mit dem Blick nach vorne sei BMW im Einkauf aber bereit, bei Zulieferern, die in finanzielle Probleme geraten sind, “gegebenenfalls auch in einem gewissen Maße zu unterstützen”.Einen Stellenabbau plant BMW weiterhin nicht. Die Zahl der Mitarbeiter werde stabil gehalten, sagte Zipse. In Deutschland beschäftigt der Autobauer rund 90 000, weltweit 134 000 Mitarbeiter. Betriebsratschef Manfred Schoch betonte, dass die Gesundheit der Mitarbeiter geschützt werden und ihre Arbeitsplätze sowie Einkommen abgesichert werden müssten. Ein BMW-Tarifmitarbeiter bekomme auch bei Kurzarbeit mindestens 93 % seines Nettolohns.Mit Kurzarbeit, flexiblen Arbeitszeitkonten und Homeoffice werde BMW die Belegschaft sicher durch die Krise steuern. Finanzchef Nicolas Peter betonte, dies sei auch im Nachgang der Finanzkrise vor gut zehn Jahren ohne staatliche Hilfen gelungen. “Es gibt eine Zeit während Corona, und es wird auch eine Zeit nach Corona geben”, sagte Zipse.