Evotec baut Wirkstoffforschung aus
Evotec baut Wirkstoffforschung aus
Das Biotechunternehmen Evotec baut mit einer Übernahme seine Kapazitäten in der Auftragsforschung und -entwicklung aus. Das Hamburger Unternehmen zahlt 300 Mill. Dollar für die US-Firma Aptuit, die an drei Standorten in Europa tätig ist. Investoren zollen den Plänen Beifall.wb Frankfurt – Das Hamburger Biotechnologieunternehmen Evotec legt sich für 300 Mill. Dollar Aptuit aus den USA zu. Diese Übernahme soll die Position des TecDax-Emittenten “als global führendes Unternehmen im Bereich der externen Innovation” stärken. Aptuit, die ihren Sitz in Greenwich (Connecticut) hat, aber in Europa forscht und produziert, gehört bisher zum Portfolio des US-Finanzinvestors Welsh, Carson, Anderson & Stowe. Diese hatte die als GPD 2004 gegründete Firma von Beginn an finanziert. Aptuit steht für Aptitude (Fähigkeit) und Intuition. Auch präklinische StudienNach Ankündigung der Übernahme legte der Evotec-Kurs am Montag bis Xetra-Schluss um 4,7 % zu. Die Börsenkapitalisierung liegt damit bei 1,8 Mrd. Euro. Seit Februar ist die dänische Pharmaholding Novo, zu der auch der Pharmakonzern Novo Nordisk gehört, im Rahmen einer Kapitalerhöhung zu 10,1 % an Evotec beteiligt. Die Aktie stieg seit diesem Einstieg um mehr als 75 %. Weitere Pakete liegen bei Roland Oetker (9,2 %) sowie Allianz Global Investors mit 5,0 %. Auf Deutsche Asset Management, Norges Bank und BVF Partners entfallen jeweils unter 3 %.Als Partnerunternehmen für Outsourcing in der Wirkstoffforschung und -entwicklung biete Aptuit Expertise auch in präklinischen Studien und der Herstellung von Arzneimittelwirkstoffen und -produkten, heißt es. Aptuit erweitere die Angebotspalette und ist auch bei Atemwegserkrankungen unterwegs, wo Evotec bislang nicht präsent sei.Aptuit sei für exzellente Wissenschaft, hocheffiziente Lösungen und hohe Geschwindigkeit, Wirkstoffe in klinische Studien zu überführen, bekannt. Das Unternehmen hat etwa 750 Beschäftigte, hauptsächlich Wissenschaftler, an den Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstandorten Verona, Basel und Oxford. Mit rund 1 000 Projekten im vorigen Jahr für über 400 Kunden verfüge Aptuit über ein Kundennetzwerk von kleinen, mittleren und großen Biopharmaunternehmen. Wiederholungsgeschäft habe einen hohen Anteil.Derzeit bestehe die “Value Proposition” von Evotec vor allem darin, integrierte Wirkstoffforschungsleistungen bis zur Bereitstellung des präklinischen Entwicklungskandidaten anzubieten. Die Akquisition vergrößere das Angebot und erweitere die Wertschöpfungskette bis zur Einreichung neuer klinischer Kandidaten. Des Weiteren kann nun durch Aptuit die integrierte kommerzielle Herstellung von Arzneimittelwirkstoffen und -produkten angeboten werden.Evotecs Geschäftsmodell basiert zunehmend auf dem Fortschritt von präklinischen Kandidaten in klinischen Studien und darüber hinaus. Der Kundenstamm sei komplementär. Aptuit setzte den Angaben zufolge 2016 rund 88 Mill. Euro um und erwartet dieses Jahr 100 Mill. bis 110 Mil. Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) soll bei einem Dollarkurs von 1,17 Euro 11 Mill. Euro ausmachen. 2017 werden 20 Mill. bis 22 Mill. Euro Ergebnis erwartet.Evotec zahle, so Analysten der DZ Bank, 2,9-mal Umsatz beziehungsweise das 23,3-Fache des Ebitda. Die Marge liege mit 12,5 % unter der von Evotec (20 %). Finanziert wird laut Evotec mit einem Mix aus Liquiditätsreserven und einem zusätzlichen erstrangigen Kredit über 140 Mill. Euro. Die Transaktion soll im dritten Quartal abgeschlossen werden. Eine Prognoseaktualisierung soll bei Abschluss des Deals veröffentlicht werden. Vor zehn Jahren war Evotec bereits mit Aptuit im Geschäft: Damals verkauften die Hamburger Teile ihres Servicegeschäfts, um den Wandel zum Medikamentenentwickler zu beschleunigen. Es ging um 26,8 Mill. Euro Umsatz, die Aptuit für 46,4 Mill. Euro kaufte. EinkaufstourDie 1993 gegründete, 1999 an die Börse gegangene Evotec hatte sich 2000 mit Oxford Asymmetry zusammengeschlossen – die größten Übernahme der bisherigen Firmengeschichte. Unter anderem wurde 2008 Renovis akquiriert, 2011 kam Kinaxo dazu und 2014 das Antiinfektiva-Unternehmen Euprotec; 2015 wurde eine strategische Allianz mit Sanofi vereinbart, in deren Rahmen der Forschungssstandort in Toulouse integriert wurde. Und 2016 wurde Cyprotex, ein britisches Auftragsforschungsunternehmen, geschluckt. Evotec unterhält Forschungsallianzen etwa mit Bayer, Boehringer Ingelheim, CHDI, Genentech, Janssen Pharma, Medimmune/AstraZeneca oder Ono Pharma sowie mit der Harvard University.Evotec rechnet für 2017 mit einem Umsatzwachstum von 15 % auf die 2016 erreichten 164,5 Mill. Euro. Zudem werden Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen von 20 Mill. Euro erwartet. Das bereinigte Ebitda soll die 36,2 Mill. Euro des Vorjahres signifikant übertreffen.