Facebook-Datenskandal weitet sich aus

87 Millionen Betroffene - EU-Verbraucherkommissarin fordert Konsequenzen

Facebook-Datenskandal weitet sich aus

ahe Brüssel – Der US-Internetkonzern Facebook hat eingeräumt, dass wohl weit mehr Menschen von dem jüngsten Datenskandal bei dem Unternehmen betroffen sind als bisher bekannt. Nach Angaben des weltgrößten sozialen Netzwerks könnten Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern auf unrechtmäßige Weise an die britische Analysefirma Cambridge Analytica weitergereicht worden sein. Bislang war lediglich von 50 Millionen Nutzern die Rede gewesen. In Deutschland könnten den Facebook-Informationen zufolge bis zu 310 000 Menschen betroffen sein. EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova sieht die neuen Facebook-Angaben als sehr bedenklich an. Der Konzern müsse in seiner Reaktion “einen Zahn zulegen und europäische Daten schützen”, forderte sie auf Twitter. Jourova hatte schon letzte Woche von Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg Aufklärung gefordert. Ein EU-Sprecher sagte gestern, derzeit werde Kontakt auf höchster Ebene vorbereitet. Die große Mehrheit der Geschädigten kommt aus den USA – die Politik in Berlin und Brüssel reagiert dennoch verärgert auf die neuen Zahlen. “Facebook ist ein Netzwerk der Intransparenz”, kritisierte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD). “Ethische Überzeugungen fallen kommerziellen Interessen zum Opfer.” Es müsse geklärt werden, ob weitere App-Betreiber in großem Umfang Nutzer- und Kontaktdaten missbraucht hätten, und es sei an der Zeit für eine deutliche Reaktion der EU-Staaten. “Für soziale Netzwerke braucht es klare Regeln. Wir werden überprüfen, ob die Möglichkeiten der neuen europäischen Datenschutzverordnung ausreichen.” Die neue Verordnung, die auch Social-Media-Konzernen neue Grenzen bei der Datenweitergabe setzt, tritt erst im Mai in Kraft. Im Gegensatz zu anderen Technologiekonzernen wie Apple will Facebook die EU-Vorgaben nicht weltweit anwenden.Trotz des steigenden politischen Drucks legte die Facebook-Aktie gestern deutlich zu. Gründer und Konzernchef Mark Zuckerberg gestand erneut Fehler ein, sieht sich aber weiter als richtigen Mann an der Konzernspitze und beobachtet nach eigenen Angaben auch keine negativen Auswirkungen auf das Geschäft.—– Leitartikel Seite 8- Bericht Seite 10