Fiat steht Klage der USA ins Haus
Fiat steht Klage der USA ins Haus
Die Vorwürfe der US-Umweltbehörde gegen Fiat Chrysler, wie zuvor schon Volkswagen Abgaswerte manipuliert zu haben, könnten jetzt doch vor Gericht landen. Die Europäische Kommission geht in der gleichen Sache gegen die Regierung in Rom vor.sp/tkb New York/Mailand – Die Auseinandersetzung über die Vorwürfe gegen den italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler Automobiles (FCA), ähnlich VW Software zur Manipulation von Schadstoffemissionen einzusetzen, spitzt sich auf beiden Seiten des Atlantiks zu. Die US-Regierung, die seit Monaten mit dem Konzern über einen Vergleich verhandelt, bereitet mittlerweile eine Klage gegen FCA vor, berichten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Insider. Die Europäische Kommission hat die Vorbereitungen für ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien dagegen schon beendet und das Verfahren am Mittwoch auf den Weg gebracht. Die Wettbewerbshüter in Brüssel werfen der Regierung in Rom vor, den Einsatz unerlaubter Abschalteinrichtungen in Abgasreinigungssystemen bestimmter FCA-Dieselmodelle nicht ausreichend kontrolliert oder gleich untersagt zu haben.Die Aktie von FCA rutschte in Mailand zeitweise um mehr als 7 % ab. Die in New York gehandelten Aktien rutschten im frühen Handel um knapp 4 % ab, nachdem US-Medien bereits am Mittwochabend berichtet hatten, dass FCA eine Klage der US-Regierung ins Haus stehe. Das Justizministerium plane ein Zivilverfahren, sollte keine Einigung erzielt werden, berichtete Reuters mit Verweis auf informierte Personen. Softwarezweck unbekanntDie US-Umweltbehörde EPA hat Fiat Chrysler im Januar vorgeworfen, in Dieselfahrzeugen illegal eine Software zur Manipulation von Schadstoffemissionen eingesetzt zu haben. Das Management um CEO Sergio Marchionne räumt zwar ein, dass die eingesetzte Software den Behörden nicht angemessen zur Kenntnis gebracht wurde, bestreitet aber die Manipulationsvorwürfe. Bisher konnte Fiat aber offenbar nicht überzeugend darstellen, welchen anderen Zweck die Software erfüllt hat. Auslöser für die Ermittlungen gegen den Konzern war der Abgasskandal beim deutschen Konkurrenten Volkswagen, der 2015 den Einsatz von Manipulationssoftware in Dieselfahrzeugen einräumte, was auch Untersuchungen bei anderen Herstellern nach sich zog. Während ein milliardenschwerer Vergleich von Volkswagen mit der US-Regierung gerade von einem US-Bundesgericht bestätigt wurde und die Wolfsburger langsam darangehen können, auch den Imageschaden in dem Markt zu reparieren, könnte die Auseinandersetzung von FCA mit der US-Justiz eskalieren, gelingt dem Konzern keine Einigung mit der Umweltbehörde EPA.Ein Bundesrichter in Kalifornien hat für den 24. Mai eine Anhörung angesetzt, nachdem von Autobesitzern eine Reihe von Klagen gegen Fiat Chrysler eingereicht wurde. Das Justizministerium könnte nach Einschätzung von Insidern bis dahin ebenfalls vor Gericht ziehen, sollte eine Einigung in den nächsten Tagen ausbleiben. Das Unternehmen erklärte, dass ein Rechtsstreit kontraproduktiv für die laufenden Gespräche mit der EPA und dem California Air Resources Board wäre. Fiat Chrysler werde sich im Falle einer Klage der US-Regierung vor Gericht vor allem gegen die Manipulationsvorwürfe entschlossen zur Wehr setzen, heißt es in einer Mitteilung. Rom hat zwei Monate ZeitAuch in Europa haben die Behörden den Konzern ins Visier genommen. Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission gehen in dem Fall nun gegen Italien vor. Ihrer Ansicht nach hat das Land gegen EU-Recht verstoßen, indem es die Abschalteinrichtungen in der Abgasreinigung bestimmter Fiat-Modelle zuließ. Der Manipulationsverdacht war bereits im vergangenen Herbst aufgekommen, doch FCA hat die Anschuldigungen möglicher Abgasmanipulationen damals kurzerhand zurückgewiesen. Rom hat nun zwei Monate Zeit, um Einspruch zu erheben. Sollte dieser nicht den Anforderungen Brüssels gerecht werden, drohen Geldstrafen. Rom hatte Brüssel bereits zu Jahresende wissen lassen, keine illegale Software bei den FCA-Modellen festgestellt zu haben.—– Kommentar Seite 1