Fresenius steht zur Pharmastrategie

CEO Sturm: Keine Anhaltspunkte für Abschwächung im US-Generikageschäft - Prognose bekräftigt

Fresenius steht zur Pharmastrategie

swa Frankfurt – Der Gesundheitskonzern Fresenius verteidigt seine Strategie im Geschäft mit flüssigen Generika. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine zukünftige Eintrübung durch exzessiven Wettbewerb und Preisdruck in den USA, unterstreicht CEO Stephan Sturm im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Der Manager stemmt sich gegen Schlussfolgerungen in einer Analystenstudie der UBS, wonach Fresenius im Geschäft mit injizierbaren Nachahmermedikamenten in den USA angesichts wachsender Verhandlungsmacht auf der Einkäuferseite und zunehmendem Konkurrenzdruck ein Margenverfall droht. Die Studie hatte die Fresenius-Aktie auf Talfahrt geschickt. Die Titel stehen seit geraumer Zeit unter Druck, was auch der Dollar-Schwäche geschuldet ist sowie dem Ertragsverfall beim US-Pharmakonzern Akorn, den Fresenius gerade für 4,75 Mrd. Dollar übernimmt. Mit Akorn ergänzt Fresenius ihr Sortiment an flüssigen Generika. Die Transaktion soll Ende des Jahres abgeschlossen sein.Sturm hält es für “gefährlich”, die Situation bei patentfreien Tabletten im US-Markt auf flüssige Nachahmerarznei zu übertragen. Die Herstellung von injizierbaren Produkten erfordere mehr Wissen, mehr Kapital und laufe angesichts des überwiegenden Einsatzes in Kliniken über andere Vertriebskanäle. Die UBS-Studie bezeichnet er als “Ausreißer”. “Wir haben genau eine Verkaufsempfehlung”, sagt Sturm. Die Studie sei in “aufgeheiztem Umfeld auf fruchtbaren Boden gefallen”. Er könne jedoch im Geschäft nichts erkennen, was in diese Richtung gehe.Sturm erinnerte daran, dass der Konzern in dem Generika-Segment eine ausgesprochen hohe Profitabilität erreiche mit einer Ebit-Marge von rund 40 %. Dieses Ertragsniveau sei von Knappheiten geprägt, ausgelöst durch Lieferengpässe bei Wettbewerbern. Davon profitiert Fresenius. “Wir sagen seit fünf Jahren, dass dies keine dauerhafte Situation ist”, erklärt Sturm. Bislang sei aber nichts passiert. Die Marge dürfte in Richtung 35 % gehen, doch man glaube nicht an ein “abruptes starkes Abschmelzen der Margen”. “Die großen Anbieter werden ein gutes Auskommen haben, weil sie dauerhaft Qualität liefern.”Sturm bestätigte die für den Konzern gesteckten Ziele für 2017, womit Fresenius erneut ein Rekordjahr ansteuert. In Aussicht gestellt wird, den Gewinn währungsbereinigt um 19 bis 21 % auszubauen. Die Dividende dürfte dann ebenfalls um ein Fünftel zulegen – es wäre die 26. Erhöhung in Folge.Sturm unterstreicht, dass für alle Unternehmensbereiche weitere Akquisitionen denkbar sind. Der Firmenlenker sieht eine Korrelation zwischen Größe und Produkt-/Servicequalität. Große Produktionseinheiten seien die Voraussetzung für die kostengünstige Herstellung von Gesundheitsprodukten. Nur so könne man Qualitätsmedizin bezahlbar zur Verfügung stellen. Neue KonzepteFresenius stellt sich darauf ein, dass die Kostenträger im Gesundheitswesen Risiken zunehmend demjenigen übertragen, der die Behandlung übernimmt. So hätten öffentliche und private Krankenversicherer in den USA die Verantwortung für eine große Zahl an Dialysepatienten mit Festlegung einer Kostenpauschale an private Dienstleister übertragen. Dem Konzern komme das entgegen, weil er Größenvorteile nutzen könne. Ein ähnliches Modell gebe es bei der spanischen Kliniktochter Quirónsalud, die für 450 000 Einwohner eines Bezirks von Madrid für eine festgelegte Pauschale zuständig ist. “Das ist das Modell der Zukunft”, meint Sturm.