Medizintechnik

Fresenius weckt Hoffnungen

Der Gesundheitskonzern Fresenius und die Dialysetochter FMC haben die Jahresprognose zum zweiten Mal in kurzer Zeit revidiert, die neue Führungsspitze verspricht aber, die Probleme zügig angehen zu wollen

Fresenius weckt Hoffnungen

swa Frankfurt

 Zuerst eine Gewinnwarnung, dann das Versprechen auf rasche Besserung: Der neue Fresenius-Chef Michael Sen kündigt an, den Konzern zur Ertragssteigerung neu ausrichten zu wollen. Es gehe ihm darum, Fresenius zu neuer Stärke zu verhelfen und Wert für die Aktionäre zu schaffen. „Wir haben begonnen, alle Geschäftsaktivitäten auf den Prüfstand zu stellen und schauen uns dabei das gesamte Portfolio an. Der Schwerpunkt liegt auf Rentabilität. Dies wird nicht von heute auf morgen umsetzbar sein, aber wir werden schneller und entschlossener vorgehen als zuvor. Davon werden alle unsere Stakeholder profitieren“, erklärt Sen, der seit 1. Oktober am Steuer ist.

Sen kündigt ein „sehr entschlossenes und zügiges“ Vorgehen an. Der Gesundheitskonzern lege dabei den Fokus auf Maßnahmen, die in den eigenen Händen liegen. Die Produktivität müsse steigen und das Unternehmen rigider in der Kostenoptimierung werden. Zentrales Element sei die konsequente Orientierung innerhalb des Konzerns auf Rentabilität. Die Verzinsung des eingesetzten Kapitals sei der entscheidende Hebel – und werde sich auch in der Vorstandsvergütung niederschlagen.

Fresenius werde das gesamte Portfolio dahingehend analysieren, welche Chancen und Herausforderungen in den jeweiligen Märkten gegeben seien. Dabei werde der Vorstand jeden Geschäftszweig unter die Lupe nehmen. Das Unternehmen werde keine vorschnellen Entscheidungen treffen, sondern mit Umsicht zunächst eine Strategie entwickeln und im Anschluss die Prioritäten setzen, nicht umgekehrt. Auf die Tube drücken will Sen aber in der kontinuierlichen operativen Verbesserung, das laufe parallel zur Strategieentwicklung.

Vor allem wegen Problemen im nordamerikanischen Dialysegeschäft der Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care (FMC) hatten beide Konzerne am Sonntagabend ihre Gewinnprognosen für das laufende Jahr gesenkt. Schon Ende Juli hatten FMC und Fresenius ihre Vorhersage für 2022 korrigiert, Fresenius kassierte damals auch die Mittelfristziele. Wenig später wurde der langjährige Vorstandschef Stephan Sturm abgesetzt und Sen zum 1. Oktober an die Spitze berufen. Bei FMC fand zur gleichen Zeit ein CEO-Wechsel statt. Der langjährige Konzernchef Rice Powell wechselte in den Ruhestand, für ihn ging Carla Kriwet ans Ruder. Die Top-Managerin war zuvor Vorsitzende der Geschäftsführung der BSH Hausgeräte, während Sen schon seit April 2021 als CEO der auf Infusionstherapien fokussierten Tochtergesellschaft Kabi im Fresenius-Konzern arbeitet. Er hatte zuvor Karriere im Siemens-Konzern und bei Eon gemacht.

In der neuen Vorhersage stellt FMC nun einen Gewinnrückgang um bis zu 25 % in Aussicht. Dabei soll der Umsatz in niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen – diese Prognose wird bestätigt. Dem Dialysekonzern machen ein Mangel an Pflegekräften in den USA sowie steigende Löhne und Materialkosten zu schaffen. Die neue FMC-Chefin Kriwet kündigt „tiefgreifende Maßnahmen“ an, um die operative Geschäftsentwicklung zu verbessern.

Aktien im Plus

Die Konzernmutter Fresenius rechnet nun mit einem Gewinnrückgang um die 10%. Neben den Problemen bei FMC seien auch alle anderen Unternehmensbereiche von einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld geprägt. Der Konzern verweist auf gestiegene Unsicherheiten, Inflationseffekte, steigende Energiekosten und Störungen in den Lieferketten.

An der Börse waren offensichtlich noch stärkere Prognosekorrekturen erwartet worden. Die Titel von Fresenius und FMC standen vergangenen Freitag erheblich unter Druck. Am Montag führten sie nach der vorzeitigen Bekanntgabe der Zahlen jedoch die Gewinnerliste im Dax an. Die FMC-Aktien legten um 6,6% auf 27,98 Euro zu, die Fresenius-Papiere kletterten um 5,1% auf 23,30 Euro. Beide Aktien haben seit ihren Höchstständen in den Jahren 2017 und 2018 jeweils rund 70% an Wert verloren.

Kommentar Seite 2

Fresenius
Konzernzahlen nach IFRS
9 Monate  
in Mill. Euro20222021
Umsatz3019727554
 FMC1440112972
  Kabi58145370
  Helios86858009
  Vamed16471549
Ebit26343035
  FMC13221423
  Kabi844874
  Helios831788
  Vamed2935
Konzernergebnis11171319
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