GE rechnet mit deutlich negativem Cash-flow
GE rechnet mit deutlich negativem Cash-flow
scd Frankfurt – Siemens-Konkurrent General Electric plant offenbar nicht, es dem Münchener Industriekonzern nachzumachen und wichtige Industriesparten abzuspalten. In einer Bernstein-Strategiekonferenz erklärte CEO Larry Culp, die verschiedenen Geschäfte profitierten heute davon, Talente und Technologien zu teilen. Er sei zwar überzeugt, dass alle Industriesparten auch für sich funktionieren müssten. Eine Aufspaltung stehe aber nicht auf der Agenda.Aktuell liege der kurzfristige Fokus ohnehin ganz klar darauf, “für die Sicherheit unseres Teams zu sorgen und zugleich die Stärke unseres Unternehmens zu bewahren”. Die Stärkung der Liquiditätsposition habe in den vergangenen Monaten den wesentlichen Fokuspunkt gebildet. “Wir waren froh, den Biopharma-Verkauf im ersten Quartal abzuschließen.” Der Zufluss von rund 20 Mrd. Dollar habe es GE ermöglicht, mit einem Liquiditätspolster von 47 Mrd. Dollar ins zweite Quartal zu starten. Neue RealitätDas verschaffe dem Unternehmen Luft, löse aber nicht die anstehenden Probleme. “Wir wissen lange, dass wir Herausforderungen in der Luftfahrt haben. In der Medizintechnik haben wir viel Druck im ersten Quartal gespürt. In unserem Erneuerbare-Energien-Geschäft waren wir auch betroffen. Wir wünschten natürlich, dass es anders wäre, aber wir müssen unsere neue Realität annehmen”, sagte Culp. GE müsse anerkennen, dass kurzfristig nur wenig profitable Umsätze erwirtschaftet werden. “Speziell in der Luftfahrt stehen wir vor einer mehrjährige Herausforderung.” Die US-Industrieikone hat in der Aviation-Sparte jeden vierten Mitarbeiter vor die Tür gesetzt und zudem das Working Capital reduziert, um insgesamt 3 Mrd. Dollar im Jahr an Liquidität zu heben.Dieser Fokus auf die Stärkung der Liquiditätspolster helfe dem Unternehmen zwar, werde aber nicht annähernd ausreichen. “Soweit wir das heute voraussehen können, wird unser freier Cash-flow im zweiten Quartal zwischen 3,5 Mrd. und 4,5 Mrd. Dollar negativ ausfallen”, prognostizierte Culp. “Wir erwarten zwar eine Besserung im zweiten Halbjahr. Dennoch dürfte 2020 ein negatives Cash-flow-Jahr für GE werden.”In der Medizintechnik habe es ab März einen deutlichen Absturz gegeben, allerdings mache eine deutliche Belebung der Nachfrage im Mai Mut, dass es vielleicht früher als erwartet zu einer Normalisierung kommen könnte, sagte Culp. Er erwartet diese aber noch nicht im zweiten Quartal.Im Bereich erneuerbare Energien ist derweil nicht die Auftragslage von der Krise betroffen, sondern die Zuliefererkette, die teils mit deutlich reduzierter Kapazität arbeite. Die Nachfrage vor allem im Offshore-Windpark-Geschäft bleibe stark. Die GE-Aktie verlor am Donnerstag 3 %.