Gegenwind für Gerresheimer
Gegenwind für Gerresheimer
ak Düsseldorf – Der schwache Dollar hat zum Jahresauftakt Spuren im Zahlenwerk von Gerresheimer hinterlassen. Der Pharmaverpackungshersteller startete mit Einbußen in den neuen Turnus (30.11.). Während der Umsatzrückgang mit 4 % noch einigermaßen moderat ausfiel und komplett auf die negativen Währungseffekte zurückzuführen war, sanken das bereinigte Ebitda mit 12 % und das Ebit mit sogar 39 % deutlich stärker. Die Trennung vom nur fünf Monate amtierenden Konzernchef Christian Fischer kommt Gerresheimer teuer zu stehen. Die Zahlung an den früheren BASF-Manager, der Anfang Februar überraschend gehen musste, beläuft sich nach Angaben von Interimschef und Finanzvorstand Rainer Beaujean auf 4,1 Mill. Euro. Darin enthalten sei die Ausbezahlung seines ursprünglich vier Jahre laufenden Vertrags als auch eine Abfindung. Auf die hätten sich Aufsichtsrat und Anwalt des Managers geeinigt, um die notwendige Unterschrift unter dem Jahresabschluss nicht weiter zu verzögern. Beaujean betonte erneut, der Abgang von Fischer habe nichts mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens zu tun gehabt. Die Suche nach einem neuen Vorstandschef laufe mit Hochdruck.Doch auch operative Einflüsse drückten den Gewinn in den Monaten Dezember bis Februar: Im Kunststoffgeschäft sah sich Gerresheimer mit höheren Kosten für Plastikgranulate konfrontiert, die das Unternehmen zwar vertragsgemäß an seine Kunden weitergeben kann, aber nur mit einer Verzögerung von drei Monaten. Eine geringere Nachfrage von Pharmakunden, bei denen Gerresheimer Alleinlieferant ist, führte außerdem zu einer geringeren Auslastung einiger Werke. Das konnte das neue Inhalatorenwerk in Peachtree City in den USA noch nicht ausgleichen, da in der Anlaufphase die Margen noch nicht optimal seien, schreibt der Vorstand im Zwischenbericht.Bei den Glasverpackungen kämpft Gerresheimer schon seit einem Jahr mit der “relativ hohen Zurückhaltung” der Pharma-Großkunden in Nordamerika. Das sei vor allem der Unsicherheit in Bezug auf Obamacare geschuldet, kommentierte Beaujean. Auch eine Ofenreparatur kostete Gewinn und Marge. Gerresheimer rechnet allerdings mit einem Anstieg der Nachfrage und hat vorproduziert. Die Vorräte stiegen und damit auch das Net Working Capital, das um 21 % auf 224 Mill. Euro im Dreimonatsvergleich anzog. Konservative PrognoseDie Investoren reagierten enttäuscht auf die Zahlen von Gerresheimer. Da half auch der nahezu vervierfachte Nettogewinn nichts, der von einem 41 Mill. Euro schweren Ertrag aus der US-Steuerreform profitierte. Die Aktie gehörte mit einem Minus von 3,5 % zu den schwächsten Werten im MDax, obwohl Beaujean eine bessere Entwicklung des Geschäfts im zweiten Halbjahr prognostizierte und die bisherigen Einschätzungen als vorsichtig charakterisierte. “Wir sind sicher ein bisschen konservativer als einige unserer Kunden und Wettbewerber.”Gerresheimer bestätigte den Ausblick auf das Gesamtjahr und rechnet mit einem währungsbereinigten Umsatz von bis zu 1,4 Mrd. Euro, wenigstens aber einer Stagnation im Jahresvergleich. Das währungsneutrale, bereinigte Ebitda soll bei 305 bis 315 Mill. Euro landen nach 307 Mill. Euro im Vorjahr.Grundsätzlich basieren die Erwartungen des Vorstands auf einem Kurs von 1,12 Dollar je Euro. Eine Schwächung des Dollar im Verhältnis zum Euro von einem Cent hat bei Gerresheimer einen negativen Umsatzeffekt von 4 Mill. Euro und eine negative Ebitda-Wirkung von 1 Mill. Euro.