Gerresheimer hofft auf Endspurt im vierten Quartal

Management setzt auf Erholung im US-Geschäft - Italienische Bormioli Rocco zu teuer

Gerresheimer hofft auf Endspurt im vierten Quartal

ak Düsseldorf – Gerresheimer hat im zweiten Quartal den schwachen Jahresstart noch nicht ausbügeln können. Der Umsatz ging um 2 % weiter zurück, die Einbuße fiel beim Hersteller von pharmazeutischen Verpackungen damit jedoch nicht ganz so stark aus wie zu Jahresbeginn. Der scheidende Vorstandschef Uwe Röhrhoff, der zum letzten Mal die Quartalsergebnisse vorstellte und Ende August auf eigenen Wunsch geht, setzt ganz auf die kommenden Monate: “Wir gehen davon aus, dass unser Geschäft im zweiten Halbjahr und vor allem im vierten Quartal wieder deutlich anziehen wird.”Den Optimismus begründete er vor allem mit der Hoffnung auf eine Erholung des US-Geschäfts. Hier hatten große Kunden wegen der Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft von Obamacare sich mit Aufträgen zurückgehalten.Doch im Kunststoffbereich rechnet Gerresheimer laut Röhrhoff mit einem sehr starken zweiten Halbjahr, was unter anderem am Hochlaufen der stark erweiterten Produktion in Peachtree City liegt. Hier produziert der MDax-Konzern für einen Großkunden – dem Vernehmen nach ist es GlaxoSmithKline – seit neuestem Inhalatoren für den nordamerikanischen Markt. Auch im Glasgeschäft läuft es auf dem größten Pharmamarkt der Welt wieder besser. Der bisherige Auftragseingang für das zweite Halbjahr entspreche schon 80 % des erwarteten Umsatzes, betonte Röhrhoff. Anleger reagieren skeptischDie Investoren konnte er damit nicht überzeugen. Die Aktien bewegten sich am Donnerstag mit einem Minus von zeitweise über 3 % am unteren Ende des MDax.Gerresheimer war schon nach den ersten drei Monaten mit den Erwartungen an das Gesamtjahr bescheiden geworden. Der Umsatz soll nach wie vor nur marginal zulegen und mit 1,4 Mrd. Euro am unteren Ende der ursprünglichen Spanne landen. Der Vorstand rechnet weiterhin mit einem bereinigten Ebitda von etwas 320 (i.V. 308) Mill. Euro. Konkreter wurde Gerresheimer beim bereinigten Ergebnis je Aktie, das jetzt auf 4,25 Euro geschätzt wird. Die bisherige Bandbreite belief sich auf 4,20 bis 4,55 Euro.Der zum Verkauf stehende italienische Glashersteller Bormioli Rocco wird keine neue Tochter der Düsseldorfer. “Wir sind wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen aus dem Kaufprozess raus”, sagte ein Unternehmenssprecher. Gerresheimer hat im ersten Halbjahr einen außerordentlichen Berateraufwand von 600 000 Euro für das gescheiterte M&A-Vorhaben verbucht. An anderer Stelle rechnet der Vorstand in Kürze jedoch mit einer Verstärkung: Im Produktportfolio habe der Pharmazulieferer eine Lücke bei Spritzensicherheitssystemen, konkret Nadelschutz für sterile Spritzen, erläuterte Röhrhoff. Es könne auf eine Kombination aus Lizenz und Partnerschaft hinauslaufen, deutete der Gerresheimer-Chef an. Die Investitionen beliefen sich voraussichtlich auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.—– Wertberichtigt Seite 6