GFT emanzipiert sich von ihren Großkunden

Umsatz soll 2020 trotz Corona-Auswirkungen stärker zulegen als 2019 - Konzernchefin erwägt Zukäufe

GFT emanzipiert sich von ihren Großkunden

scd Frankfurt – Der IT-Dienstleister GFT Technologies hat die Abhängigkeit von den beiden Großkunden Barclays und Deutsche Bank im vergangenen Jahr weiter reduziert. Der Umsatzanteil der beiden wichtigsten Kunden sackte von 40 % auf 28 % ab. Das Unternehmen hatte einen Rückgang unter 30 % erwartet. Weil der sonstige Umsatz um 24 % und damit um 4 Prozentpunkte mehr als prognostiziert anzog, erlöste das Unternehmen mit insgesamt 429 Mill. Euro knapp 4 % mehr. In Aussicht gestellt hatte GFT ein Plus von 2 % auf 420 Mill. Euro. Für den laufenden Turnus stellt das Softwareunternehmen ein Umsatzplus von 6 % auf 455 Mill. Euro in Aussicht. “In den Ausblick haben wir moderate Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie eingepreist. Es wäre auch verantwortungslos, das Thema noch immer auszublenden”, sagte die GFT-Vorstandsvorsitzende Marika Lulay im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. In Italien arbeiten derzeit 400 Mitarbeiter von zu Hause aus, ein Büro wurde geschlossen. Auch in Singapur und Hongkong hat GFT Büros, deren Arbeit beeinträchtigt ist.Unabhängig davon soll der Anteil der Top-2-Kunden 2020 noch einmal um 10 Prozentpunkte auf 18 % absinken. Aus Sicht der Vorstandsvorsitzenden wird der Einfluss der Erlösentwicklung mit den größten Kunden für den Konzern damit künftig nur noch unmaßgeblich sein. Bedeutend für die Entwicklung von GFT bleibt derweil der Bankensektor. “Wir haben 2019 noch rund 80 % unseres Umsatzes mit Bankenkunden erwirtschaftet, gut 11 % mit Versicherern und knapp 9 % mit der Industrie. Mittelfristig schwebt uns eine Aufteilung mit 60 %, 20 % und 20 % vor”, erklärt Lulay. Schon in diesem Jahr rechnet sie damit, dass das Geschäft mit Versicherungen, das 2017 noch für lediglich 3 % stand, auf 15 % zulegen dürfte. Eine Beschleunigung der Branchendiversifizierung kann aus Sicht von Lulay wie in der Vergangenheit auch über Zukäufe erfolgen. “Wir schauen uns immer nach potenziellen Übernahmekandidaten um. Es gibt sicher eine Menge kleinerer oder mittelgroßer Firmen, die in einer Krisensituation eher dazu tendieren, einen Verkauf zu erwägen.” Angesichts des starken Cash-flow und der soliden Finanzlage sei GFT stets bereit, Chancen zu ergreifen. Auch ohne eventuelle Zukäufe erwartet das Softwareunternehmen eine Erlössteigerung von über 22 % – ohne die Top-2-Kunden.