NOTIERT IN MAILAND

Goldene Zeiten in der Luxusbranche

Luxus steht zur Jahreswende bei Italiens Verbrauchern hoch im Kurs. Neu ist aber, dass dieser Luxus von einem Hauch an Nachhaltigkeit flankiert wird. So werden mit Nobelweinen, etwa dem Amarone aus dem Valpolicella, aber auch mit dem neuen Rosé die...

Goldene Zeiten in der Luxusbranche

Luxus steht zur Jahreswende bei Italiens Verbrauchern hoch im Kurs. Neu ist aber, dass dieser Luxus von einem Hauch an Nachhaltigkeit flankiert wird. So werden mit Nobelweinen, etwa dem Amarone aus dem Valpolicella, aber auch mit dem neuen Rosé die stärksten Zuwachsraten erzielt, wie Riccardo Pasqua, CEO des stark expandierenden und qualitätsbewussten Familienweinunternehmens Pasqua aus Verona, berichtet. Neuerdings baut Pasqua auch Bioweine an, um die Nachfrage nach nachhaltig produzierten Produkten zu befriedigen. Einen künftigen Börsengang des Unternehmens, das 2017 einen Umsatz von 50 Mill. Euro erwartet, schließt Pasqua nicht aus.Ein klarer Trend zum Gastronomie-Luxus herrscht auch im norditalienischen Städtchen Alba, der “Trüffelstadt”. Der Kilopreis für Weiße Trüffel erzielte diesen Herbst einen Rekord von bis zu 7 000 Euro pro Kilogramm – mehr als das Doppelte des Vorjahres. Grund für die Höchstpreise ist die lange Trockenheit und die dadurch verursachte karge Ernte. Das Geschäft rund um den Weißen Trüffel wird hier auf 1 Mrd. Euro geschätzt. Liliana Allena, Präsidentin der Trüffelmesse, die am 26. November in Alba zu Ende gegangen ist, schätzt, dass die Hälfte davon mit dem Verkauf von Trüffel und den entsprechenden Spezialitäten erzielt wird, die andere Hälfte mit dem florierenden Trüffeltourismus. Um die kulinarische Tradition aufrechtzuerhalten und das Aussterben der Trüffelsucher zu verhindern, hat nun die im vergangenen Jahr gegründete Organisation “Den Trüffel atmen” (Breathe the Truffle) mehrere Initiativen ergriffen, um die Branche zu unterstützen. Crowdfunding, internationale Trüffelversteigerungen und Trüffel-Kaviar-Champagner-Dinners werden von Luxusgastronomieunternehmen gesponsert und bringen zigtausend Euro in die Kasse der Trüffelfreunde. *Der weltweiten Luxusindustrie stehen goldene Zeiten bevor. Zu diesem Schluss sind die Mode- und Finanzexperten gekommen, die sich in Mailand beim jährlich stattfindenden “Luxusgipfel” getroffen haben. Die Zukunft ist allerdings nur dann golden, wenn die Branchenunternehmen dem neuen Verbrauchertrend, der Innovation im Vertrieb, der sich ständig ändernden Kommunikation und neuen Finanzierungsformen Rechnung tragen. Unter diesen Voraussetzungen erwartet Carlo Capasa, Präsident der Mailänder Modekammer, nach der Stagnation im Jahr 2016, einem leichten Aufschwung im laufenden Jahr nun ein zweistelliges Wachstum im Jahr 2018. An der Mailänder Börse haben etwa die börsennotierten Mode- und Luxusfirmen im laufenden Jahr bisher mit 40 % doppelt so kräftig wie der allgemeine FTSE-Index zugelegt.”Luxus ist nicht haben, sondern sein”, skizzierte der Erfolgshersteller von superedler Kaschmirbekleidung, Brunello Cucinelli, den neuen Trend. Und Luxusschuhhersteller Diego Della Valle bestätigte, dass nicht mehr das Produkt selbst, sondern der Lebensstil den eigentlichen Luxus ausmache. Nachhaltigkeit hat im neuen Verbrauchertrend einen großen Stellenwert. Inzwischen verzeichnet die auf Nachhaltigkeit konzentrierte Luxusbranche bereits 300 Mrd. Euro Umsatz. 21 der internationalen Luxusgruppen präsentieren eine Nachhaltigkeitsbilanz.Bei Gucci entfallen bereits 32 % des Verkaufs auf unter Dreißigjährige. Insofern steht auch in der Kommunikation, im Vertrieb ein Wandel bevor. Derzeit entfallen erst 10 % des weltweiten Luxuskonsums auf den Online-Handel, bis 2020 soll es doppelt so viel sein. Dies gehe laut Antonino Mattarella von der Investmentbank Merrill Lynch auf Kosten der Einkaufszentren und Outlets. Der Wandel im Vertrieb führe dazu, dass die Kollektionen nicht mehr zweimal jährlich, sondern alle zwei Monate präsentiert werden. Soziale Netzwerke seien zwar ein wichtiges Marketing- und Kommunikationsinstrument. Doch Brunello Cucinelli riet zur Vorsicht: “Das Internet darf nicht den Intellekt ersetzen.” Die eigentliche Herausforderung bestehe darin, das Netz zu humanisieren. Neue Initiativen gibt es auch bei der Finanzierung. Im Private-Equity-Sektor steht etwa die Gründung eines Superfonds für Kleinunternehmen der Luxusbranche zur Diskussion.