Großmütter an Bord
Großmütter an Bord
Von Lisa Schmelzer, FrankfurtAusgerechnet in den USA findet derzeit ein Kampf für die Rechte der Frauen statt. Ort des Geschehens ist Dallas in Texas, wo das Management von American Airlines dem Chef des Wettbewerbers Qatar Airways vorwirft, American-Stewardessen wegen ihres Geschlechts, aber auch wegen ihres Alters zu diskriminieren. Anlass der Verbalattacke sind Aussagen des Qatar-CEO Akbar Al Baker, bei seinen Besatzungen liege das Durchschnittsalter bei 26 Jahren, bei den US-Airlines werde man dagegen immer von Großmüttern bedient.Die Begebenheit ist nun aber kein Anzeichen dafür, dass der Feminismus in den USA – oder Texas – Donald Trump zum Trotz eine neue Blüte erlebt. Vielmehr zeigt sich, dass die Auseinandersetzung zwischen American Airlines und Qatar Airways an Schärfe gewinnt. Die Fluglinie aus dem Emirat Katar hatte kürzlich mitgeteilt, sich mit rund 10 % an dem amerikanischen Wettbewerber, der nach Passagierzahlen weltweit größten Fluglinie, beteiligen zu wollen. Das war bei American auf wenig Gegenliebe gestoßen, zumal sich der amerikanische Carrier seit Jahren über den unfairen Wettbewerb mit den Konkurrenten aus den Golfstaaten beklagt. Al Baker hatte alle Bedenken gegenüber dem Investment vom Tisch gewischt und seinem American-Counterpart Doug Parker Schreckhaftigkeit vorgeworfen. Sowieso, das wurde in diesen Tagen auch publik, seien die US-Airlines “Mist”, so Al Baker.In seiner Empörung über die rüden Umgangsformen der Katarer erhält das American-Management ungewohnte Unterstützung von den Gewerkschaften. “Es wird Zeit, dass auch unsere Regierung sich gegen solche diskriminierenden Aktionen zur Wehr setzt und sich für die US-Luftfahrtindustrie starkmacht”, heißt es in einem der Statements. Die Abwehr des Einstiegs von Qatar scheint denn auch das eigentliche Motiv für den Kampf um die Frauenrechte. Es ist auch der verzweifelte Versuch, doch noch die Politik für den bevorstehenden Deal zu interessieren. Von politischer Seite war bisher wenig zu hören, obwohl die US-Regierung ausländischen Investments sehr kritisch gegenübersteht. Zumal aus Katar, das bei US-Präsident Trump ebenso wie bei seinen arabischen Nachbarn in Ungnade gefallen ist. Schmuckstück StewardessNoch ein Wort zu Großmüttern an Bord: Al Baker tritt in der Tat bei öffentlichen Terminen gerne in Begleitung junger Qatar-Stewardessen auf, beispielsweise bei der Präsentation des neuen A350-Fliegers in Frankfurt. Das ist aber keineswegs sein Alleinstellungsmerkmal, denn auch die Chefs von anderen Fluggesellschaften – etwa der Lufthansa – schmücken sich bei ihren Pressekonferenzen und anderen Gelegenheiten gerne mit ihren Crew-Mitgliedern. Auf Damen im Großmutteralter greift man dann eher nicht zurück. Insofern ist Diskriminierung, falls man sie denn ausmachen will, weit verbreitet. ——–Die Auseinandersetzung zwischen American Airlines und Qatar Airways gewinnt an Schärfe.——-