CORPORATE FINANCE AWARD (4): KATEGORIE DEBT

Grüner Schuldschein für saubere Luft

Filterhersteller Mann + Hummel platziert das Instrument als erster Zulieferkonzern zur Refinanzierung

Grüner Schuldschein für saubere Luft

Mit der Platzierung eines grünen Schuldscheins hat der Filtrationskonzern Mann + Hummel im vergangenen Jahr einen Meilenstein gesetzt: Erstmals refinanzierte sich ein Autozulieferer über das junge Instrument – auch weil ein Teil des Erlöses in nachhaltige Projekte außerhalb des Kerngeschäfts fließen soll. Von Isabel Gomez, StuttgartSchon 2015 hatte Mann + Hummel (M + H), auf Filter spezialisierter Zulieferkonzern in Familienbesitz, am Kapitalmarkt auf sich aufmerksam gemacht. Damals begab M+H einen Schuldschein über 1,1 Mrd. Euro, um den 1,4 Mrd. Dollar schweren Kauf des Filtrationsgeschäfts der Affinia Group zu finanzieren (vgl. BZ vom 18.8. und 24.10.2015). Die Platzierung war nicht nur der Einstand am Schuldscheinmarkt, sondern nach den Emissionen von ZF Friedrichshafen (2,2 Mrd. Euro) und BMW (1,35 Mrd. Euro) die bis dato drittgrößte Schuldscheintransaktion. Im Oktober 2017 zog M + H nach und setzte mit der Platzierung des ersten grünen Schuldscheins durch einen Zulieferkonzern ein Ausrufezeichen. Während der Markt für grüne Anleihen kräftig wächst (siehe Grafik), wurde der Markt für grüne Schuldscheine erst 2016 vom Windturbinenhersteller Nordex begründet (vgl. BZ vom 1.4.2016). Ursprünglich wollten Finanzchefin Emese Weissenbacher und Treasurer Christian Aue 250 Mill. Euro einsammeln, um die variablen Tranchen des 2015 begebenen Schuldscheins abzulösen und Spielraum für Investitionen in nachhaltige Filtrationsprojekte zu erhalten. Wegen der hohen Nachfrage – vor allem aus Asien – erhöhten der Konzern und die begleitenden Banken das Volumen auf 400 Mill. Euro. Es verteilt sich gleichmäßig auf die acht Tranchen mit Laufzeiten von sechs, sieben, acht und zehn Jahren und jeweils fester und variabler Verzinsung. Die lag Aue zufolge jeweils am unteren Ende der Vermarktungsspanne. Für die Transaktion setzte M + H auf Partner, die bereits 2015 dabei waren: BNP Paribas, ING und LBBW strukturierten und platzierten den Schuldschein, die Kanzlei Latham & Watkins beriet rechtlich.Im Oktober 2016 hatten Weissenbacher und Aue begonnen, sich nach der Affinia-Übernahme mit der künftigen Finanzierung der Konzernstrategie zu beschäftigen. Bei der Bewertung der Möglichkeiten half die Neuaufstellung des Bereichs Treasury, bei der M + H unter anderem ein internes Rating-Impact-Modell aufstellte. Es basiert auf dem Ratingmodell für Autozulieferer von Moody’s und soll dazu beitragen, die Schulden nach der Übernahme schnell abzubauen, ohne die finanzielle Unabhängigkeit zu gefährden. Ziel ist es, stets ein Investment-Grade-Rating zu halten. Veröffentlicht wird das interne Rating nicht. Im Frühjahr 2017 legte sich M + H erneut auf das Instrument Schuldschein fest. Es passe zu einem Konzern, der sich laut Aue als “Hybrid zwischen Kapitalmarkt- und Familienunternehmen” sieht.Hinzu kam, dass die Geschäftsführung Nachhaltigkeit als einen künftigen Treiber identifizierte. “Nachhaltigkeit ist eine wichtige Säule unserer Strategie. Mit der Elektromobilität steht die Autoindustrie vor einer größeren Herausforderung”, sagte Weissenbacher der Börsen-Zeitung dazu (vgl. BZ vom 12.12.2017). Darüber hinaus will der Konzern vermehrt andere Branchen beliefern: Bis 2030 soll ein Drittel des Konzernumsatzes von rund 3,5 Mrd. Euro außerhalb der Autoindustrie – etwa mit Gebäude- und Wasserfiltration – erlöst werden. Derzeit sind es 15 %. Entsprechend wurde Mitte 2017 die grüne Komponente in die Finanzierungsüberlegungen einbezogen.Damit begann für sein Team die Arbeit an einem Rahmenwerk, das Investoren von der Platzierung überzeugen sollte. Dazu gehörte die Zertifizierung durch eine unabhängige Ratingagentur, da es für grüne Instrumente noch keine festen Standards gibt. Im Fall von M + H bestätigte die Agentur Sustainalytics, dass das Vorhaben den Green Bond Principles der International Capital Markets Association (ICMA) entspricht. Neben Aue beschäftigten sich vier Mitarbeiter mit der Ausarbeitung – eine Person mehr als bei bisherigen Transaktionen, was dem zusätzlichen Aufwand durch die grüne Komponente geschuldet war. Hinzu kamen rund 20 involvierte Mitarbeiter aus den Bereichen Forschung, Liegenschaftsmanagement und Vertrieb.Um möglichst effizient zu sein, arbeiteten M + H, die Banken und Sustainalytics parallel und in Abstimmung an der Umsetzung: Nach knapp drei Monaten war das Rahmenwerk fertig und geprüft. Bei der folgenden Investorenansprache fokussierten sich die Beteiligten auf Asien – physische Konferenzen fanden nur in Taipeh und Hongkong statt, um deutsche Investoren wurde telefonisch geworben.Die beteiligte LBBW geht davon aus, dass der Markt für grüne Schuldscheine, der Schätzungen zufolge rund einem Zehntel des Marktes für grüne Bonds entspricht, im Zuge strengerer EU-Richtlinien zur Erreichung der Umwelt- und Klimaziele an Fahrt gewinnt. Zumindest dann, wenn größere Fonds ähnlich darauf anspringen, wie es bei grünen Bonds der Fall ist, und sich durch den Nachhaltigkeitsaspekt der Anlage der finanzielle Mehraufwand für den Emittenten in besseren Konditionen niederschlägt. Bei grünen Bonds beobachten Banken dies schon. Für M + H war die Transaktion den größeren Aufwand in jedem Fall wert. So lange der zusätzliche Aufwand nicht zu groß sei, sagt Aue, würde er das Instrument jederzeit wieder wählen.—-Bisher erschienen:Daimler startet den digitalen Angriff (17. 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