Grünes Licht für Hochtief aus Brüssel

Bieterkampf um Spaniens Autobahnbetreiber Abertis strebt dem Finale entgegen - Italienische Atlantia will nachlegen

Grünes Licht für Hochtief aus Brüssel

Bald sind die letzten Hürden aus dem Weg geräumt. Dann fällt der Startschuss für den Bieterkampf um Spaniens Autobahnen. Es dürfte mit einem Kaufpreis von absehbar rund 20 Mrd. Euro der größte Deal in Europa im Jahr 2018 werden.cru Düsseldorf – Der milliardenschwere Bieterwettkampf um Spaniens Autobahnbetreiber Abertis strebt dem Finale entgegen. Hochtief hat am Dienstag grünes Licht von der EU-Kommission für die im Oktober 2017 vorgelegte Offerte über 17 Mrd. Euro erhalten. Damit stehen die Chancen gut, dass am kommenden Donnerstag (15. Februar) auch die Börsenaufsicht CNMV in Madrid das Übernahmeangebot des deutschen Baukonzerns mit der spanischen Mutter ACS freigibt.Schon bald danach dürfte der bisher von Spaniens Regierung behinderte italienische Bieterkonkurrent und Mautstraßenbetreiber Atlantia nachziehen und seine Offerte von bisher 16 Mrd. auf dann rund 20 Mrd. Euro erhöhen, wie aus Finanzkreisen verlautet. Atlantia hat eine Aktionärsversammlung für den 21. Februar – zeitgleich zu Hochtiefs Bilanzvorlage – einberufen, bei der Änderungen des Angebots beschlossen werden. Der italienische Konzern, hinter dem die Modedynastie Benetton steht, arbeitet bereits an einer aufgestockten Offerte, bei der die Anleger auch keine Aktien mehr als Bezahlung akzeptieren müssten. Mehr Geld, weniger AktienBisher hatten beide Bieter ihre Angebote zu jeweils 80 % in Bargeld aus Krediten sowie zu 20 % aus eigenen Aktien finanzieren wollen. Doch die Attraktivität der Aktien von Atlantia wie auch der Aktien von Hochtief hat in letzter Zeit abgenommen, weil die Kurse sanken. Hochtief hatte den Festpreis für neue Aktien des Konzerns, die im Rahmen einer Kapitalerhöhung um 39 % geschaffen werden und als Übernahmewährung dienen sollen, auf 146,42 Euro festgelegt. Aktuell steht der Hochtief-Kurs jedoch nur bei 135 Euro.Erhält Hochtief am 15. Februar grünes Licht von der Börsenaufsicht in Madrid, wäre der weitere Weg des Bietergefechts mit Beginn der Annahmefrist am Freitag (16. Februar) vorgezeichnet. Nach Ablauf der Frist von 30 Werktagen würde jeder der beiden Bieter am 22. März einen verschlossenen Umschlag mit einem voraussichtlich abermals erhöhten Gebot bei der CNMV einreichen, der am 23. März von der Behörde geöffnet würde. Am 30. März hätte dann der zuerst als Kaufinteressent aufgetretene Bieter – dies ist Atlantia, die ihr Gebot schon im Mai 2017 lanciert hatte – die Chance auf eine letztmalige Erhöhung der Offerte.Mit einem Volumen – ohne Schulden – von absehbar mehr als 20 Mrd. Euro handelt es sich bei dem Deal um die voraussichtlich größte in Europa angekündigte Übernahme des Jahres 2018 und zugleich potenziell um die zweitgrößte deutsche Auslandsübernahme aller Zeiten nach Bayer/Monsanto. Hochtief wird dabei von J.P. Morgan beraten. Käme Atlantia zum Zuge, entstünde aus der Fusion mit Abertis der weltweit größte Mautstraßenbetreiber. In Madrid ein PolitikumDie Übernahme von Abertis ist ein Politikum in Spanien. Es geht um die Frage, aus welchem Land heraus der spanische Mautstraßenbetreiber kontrolliert wird. Hinter Hochtief steht der spanische Baukonzern ACS, der mit 72 % die Mehrheit an den Deutschen hält und dessen Vorstandschef Florentino Perez zugleich Präsident des Fußballclubs Real Madrid und bestens in Spaniens Politik verdrahtet ist. Als entscheidend für den Ausgang des Bieterkampfs gilt neben der Haltung der Regierung auch die Entscheidung der Bankenstiftung Criteria Caixa, die außer einem Anteil von 22,3 % an Abertis noch zahlreiche weitere Industriebeteiligungen in Spanien hält.Von der Regierung in Madrid muss noch grünes Licht für beide Bieter gegeben werden, weil Abertis auch der Kommunikationssatellitenbetreiber Hispasat gehört, der als strategisch bedeutend für das Land angesehen wird. Beide Bieter planen einen Verkauf von Hispasat, voraussichtlich an den Stromnetzbetreiber Red Eléctrica. Während Atlantia die Börsennotierung von Abertis in Madrid nach einer Übernahme bestehen lassen will, würde Hochtief den Autobahnbetreiber nach der Fusion voraussichtlich von der Börse nehmen, aber das neu entstehende Unternehmen sowohl in Frankfurt als auch an der Börse in Madrid listen.