Haniel stellt sich auf Einbußen ein
Haniel stellt sich auf Einbußen ein
Der Haniel-Konzern stellt sich darauf ein, dass 2020 alle sechs Geschäftsbereiche von der Coronakrise negativ betroffen sein werden, jedoch in unterschiedlichem Maße. Aktuell ließen sich die Wirkungen aber nicht schätzen. Der 2019 in Gang gesetzte Portfolioumbau soll vorangetrieben werden.md Frankfurt – Der Familienkonzern Haniel geht von erheblichen negativen Auswirkungen der Coronakrise auf die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr aus. Wie das Traditionsunternehmen, das seinen Sitz seit der Gründung 1756 in Duisburg hat, in einer Mitteilung prognostiziert, “werden alle Geschäftsbereiche negativ betroffen sein, jedoch in unterschiedlichem Maße”. Aktuell ließen sich die Wirkungen der Krise nicht belastbar abschätzen. “Gut gerüstet”Haniel sieht sich aufgrund der soliden Bilanz- und Finanzstruktur für die anstehenden Herausforderungen aber gut gerüstet. In dieser Phase sei es besonders wichtig, den Umbau des Portfolios voranzutreiben. “Wir wollen Haniel wieder auf Wachstumskurs bringen und nachhaltig für die Zukunft ausrichten”, sagte Haniel-Vorstandsvorsitzender Thomas Schmidt, der zum 1. Juli vorigen Jahres auf Stephan Gemkow folgte. “Im vergangenen Jahr haben wir deshalb in unsere Transformation investiert und einen nachhaltigen Investmentansatz entwickelt”, fügte Schmidt hinzu. Das Unternehmen werde nur in Geschäftsmodelle investieren, die gemäß der Mitteilung “einen positiven Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft leisten”.Der Investitionsansatz decke den gesamten Geschäftslebenszyklus ab. Neben der Übernahme von Unternehmen in reiferen Phasen wird Haniel den Angaben zufolge im Wesentlichen über Fonds rund 500 Mill. Euro in Unternehmen investieren, die sich in einer früheren Entwicklungsphase befinden. So steige die Gesellschaft mit 30 Mill. Euro in den niederländischen Fonds Gilde Healthcare V ein, der sich auf Medizintechnik, digitale Gesundheit und Therapeutika konzentriert (vgl. BZ vom 2. April).Für Aufsehen sorgte im vergangenen November der Verkauf von weiteren 12,5 % am Handelsriesen Metro an EP Global Commerce (EPGC). Haniel beendete damit sein über 50-jähriges Metro-Engagement. Ein weiterer wichtiger Baustein im Umbau war im Juli 2019 der Erwerb von 17,8 % der Anteile an CWS von Rentokil Initial; Haniel ist nun wieder alleiniger Eigentümer. CWS vermietet und verkauft Waschraumhygienelösungen und Berufskleidung. Insgesamt hat Haniel 2019 unter Einbezug des CWS-Anteilskaufs durch Akquisitionen rund 550 Mill. Euro in den Portfolioumbau investiert.Zum Portfolio der Holding Franz Haniel & Cie., die sich zu 100 % in Familienbesitz befindet, gehören derzeit sechs Bereiche, die das operative Geschäft eigenständig verantworten: Neben den drei Umsatzschwergewichten ELG, ein Unternehmen für Handel, Aufbereitung und Recycling von Rohstoffen für die Edelstahlindustrie, Takkt, eine Holding für B2B-Spezialversandhändler für Geschäftsausstattung, und CWS gehören dazu Bekaert Deslee, ein Hersteller von gewebten und gestrickten Stoffen für Matratzenbezüge, Optimar, ein Spezialist für automatisierte Fischverarbeitungssysteme, und Rovema, ein Produzent von Verpackungsmaschinen und -anlagen.Außerdem hält Haniel die Finanzbeteiligung von 22,7 % an Ceconomy, einem Händler für Unterhaltungselektronik, dem die Ketten Media Markt und Saturn gehören.Nach dem Verkauf der Metro-Anteile verfügte Haniel zum 31. Dezember 2019 über finanzielle Mittel von 1,7 Mrd. Euro “für den Erwerb weiterer Geschäftsbereiche”, wie es heißt. Umsatz und Ergebnis sinkenDer Haniel-Konzern setzte 2019 4,53 Mrd. Euro um; im Jahresvergleich ist das ein Minus von 3 %. Um 15 % sank das operative Ergebnis auf 255 Mill. Euro. Gründe seien besonders die deutlich schwächere operative Entwicklung der Geschäftsbereiche ELG (von 32 auf 7 Mill. Euro) und Takkt (von 133 auf 118 Mill. Euro) sowie höhere Einmalaufwendungen für Programme zur Kostensenkung gewesen. Ergebniszuwächse erwirtschafteten CWS (von 140 auf 155 Mill. Euro) und Bekaert Deslee (von 21 auf 27 Mill. Euro).Das Vorsteuerergebnis hatten 2018 die hohen Wertberichtigungen auf die Finanzbeteiligung an Ceconomy belastet. Die Firma war im Juli 2017 aus der Aufspaltung der Metro hervorgegangen. In der Berichtszeit verbesserte sich das Ergebnis vor Steuern daher von – 475 Mill. auf 175 Mill. Euro, wobei Ceconomy mit 41 (- 707) Mill. Euro wieder positiv zum Beteiligungsergebnis beitrug. Das Nettoergebnis drehte von – 848 Mill. auf 130 Mill. Euro ins Plus.