Hedging verhagelt Ryanair das Jahresergebnis
Hedging verhagelt Ryanair das Jahresergebnis
hip London – Der Gewinn des Lufthansa-Rivalen Ryanair hat im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr das obere Ende der angestrebten Spanne erreicht – allerdings nur vor Sonderposten. Wie Europas größte Fluggesellschaft mitteilte, verhagelte ihr eine Belastung von 407 Mill. Euro durch “ineffiziente Absicherungsgeschäfte” das Ergebnis. Unter dem Strich schrumpelte der Überschuss auf 649 (i.V. 885) Mrd. Euro zusammen. Kein Einzelfall: Bei der British-Airways-Mutter IAG hatte “Over-Hedging” das Ergebnis des Auftaktquartals mit 1,3 Mrd. Euro belastet (vgl. BZ vom 8. Mai). Vor Sonderposten wuchs der Gewinn zweistellig auf 1,0 (i.V. 0,9) Mrd. Euro.Das Management nannte für das laufende Jahr kein Gewinnziel. Die Zahl der beförderten Passagiere werde unter 80 Millionen liegen. Vor der Coronavirus-Pandemie hatte das Management einen Zielwert von 154 Millionen ausgegeben. Für das laufende Quartal rechnet CEO Michael O’Leary mit einem Verlust von mehr als 200 Mill. Euro. Für gewöhnlich wird der Großteil des Jahresgewinns im Sommerhalbjahr erwirtschaftet. Der Liberum-Luftfahrtexperte Gerald Khoo hält es deshalb für möglich, dass das Unternehmen im laufenden Jahr einen Verlust einfliegen wird. Ryanair will 3 000 Stellen streichen. Das entspricht 15 % der Belegschaft. “Nicht durchsetzbar”Die von EU-Regierungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie verhängten Ausgangs- und Reisebeschränkungen sorgten dafür, dass der Großteil der Ryanair-Flotte ab Mitte März am Boden bleiben musste. Das kostete den irischen Billigflieger nach eigener Rechnung fünf Millionen Passagiere und schmälerte den Gewinn um 40 Mill. Euro. O’Leary nutzte die Bekanntgabe der Geschäftszahlen, um gegen die Staatshilfen für Rivalen wie Lufthansa und Air France-KLM zu wettern. Die von der britischen Regierung erwogene 14-tägige Quarantäne für Reisende aus dem Ausland nannte er “idiotisch und nicht durchsetzbar”. Dafür gebe es in Großbritannien nicht genug Polizei. Ryanair hatte vergangene Woche angekündigt, ab dem 1. Juli den Flugbetrieb wieder aufzunehmen, sollten die Luftverkehrsbeschränkungen innerhalb der EU aufgehoben und wirkungsvolle Schutzmaßnahmen an den Flughäfen ergriffen werden. Die britische Innenministerin Priti Patel will binnen drei Tagen ihre Pläne zum Umgang mit Reisenden an der Grenze vorstellen.Ganz ohne staatliche Unterstützung geht es aber auch bei Ryanair nicht. Die Fluggesellschaft zapfte die von Schatzamt und Bank of England eingerichtete Covid Corporate Financing Facility an und sicherte sich so 600 Mill. Pfund. Zuvor hatten sich bereits Easyjet und IAG auf diese Weise zusätzliche Mittel verschafft. Nun verfügt Ryanair über 4,1 Mrd. Euro Cash und 330 nicht beliehene Maschinen vom Typ B737. Der wöchentliche “Cash Burn” sei von 200 Mill. Euro im März auf etwas mehr als 60 Mill. Euro im Mai zurückgegangen. – Wertberichtigt Seite 6