Hellofresh deckt Tisch für Börsengang

Trotz Fehlstart von Blue Apron - Aktien nur aus Kapitalerhöhung - Rocket Internet verzichtet auf IPO-Erlös

Hellofresh deckt Tisch für Börsengang

Der Kochboxlieferant Hellofresh will bis Mitte November an die Börse gehen. Damit der zweite IPO-Anlauf auch klappt, kommt die Tochter der Start-up-Schmiede Rocket Internet Investoren beim Preis entgegen.ge Berlin – Trotz des Fehlstarts des Wettbewerbers Blue Apron in den USA nimmt der Kochboxlieferant Hellofresh einen neuen Anlauf an die Börse. Anders als vor rund zwei Jahren beim ersten IPO-Versuch, als der Mehrheitsaktionär Rocket Internet noch eine Marktkapitalisierung von deutlich über 3 Mrd. Euro durchsetzen wollte, peilt das vor sechs Jahren gegründete Start-up heute nur noch eine Bewertung von 1,5 bis 2,0 Mrd. Euro an, heißt es bei Insidern. Auf dieser Basis entspräche der rein aus einer Kapitalerhöhung resultierende Emissionserlös von 250 bis 300 Mill. Euro einem maximalen Free Float von 20 %. Bei der letzten Finanzierungsrunde Ende vergangenen Jahres war die in Berlin ansässige Hellofresh noch mit 2 Mrd. Euro bewertet worden.Um den Börsengang geschmeidiger über die Bühne zu bringen, versprach Mitgründer und CEO Dominik Richter zudem, innerhalb der nächsten 15 Monate operativ die Gewinnschwelle zu erreichen. Strategisches Ziel sei, bis Ende nächsten Jahres zumindest beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) den Break-even zeigen zu können und mittelfristig eine operative Marge von 12 bis 15 % zu erreichen.Mit der Präsenz in zehn Ländern grenzt sich Hellofresh von ihrem US-Konkurrenten Blue Apron ab. Diesem war das IPO im Sommer nur nach kräftigen Preiszugeständnissen gelungen. Inzwischen hat die Aktie fast die Hälfte ihres Werts verloren. Belastend war für die Amerikaner, dass fast zur gleichen Zeit Amazon für 14 Mrd. Dollar die Bio-Supermarktkette Whole Foods übernommen hatte, womit die Befürchtung wuchs, dass hier ein mächtiger Konkurrent entstehen könnte. Steigern in USA MarktanteilAnders als Blue Apron gewinne “sein” Unternehmen in den USA – dem bei weitem wichtigsten Markt für Hellofresh – “massiv Marktanteile”, beteuert Richter. Auch wenn die Berliner in den USA fast die Hälfte aller Umsätze erzielen, sei die Basis doch wesentlich breiter als bei der nur in den Vereinigten Staaten tätigen Blue Apron, fügt der CEO an. Daneben ist Hellofresh auch in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Australien, Österreich, der Schweiz und Kanada präsent. Insgesamt habe das Start-up inzwischen knapp 1,3 Millionen aktive Kunden, die im zweiten Quartal fast 34 Millionen Mahlzeiten in einer Box zum Selberkochen zugesandt bekamen. Im Frühjahrsquartal lag der Umsatz mit 230 Mill. Euro um gut die Hälfte höher als im gleichen Vorjahreszeitraum mit 150 Mill. Euro. Zugleich fiel ein bereinigter Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 16,9 Mill. an, was einer operativen Marge von – 7,4 % entsprach, nach – 12,3 % vor Jahresfrist. Erstnotiz Mitte NovemberFür Richter ist der Börsengang “der nächste logische Schritt, um unser Geschäft weiter auszubauen, unsere Position als führender globaler Anbieter zu sichern und unsere langfristige Wachstumsstrategie mit Nachdruck fortzusetzen”. Ziel sei, nicht nur global führend zu sein, sondern auch in jedem einzelnen Markt die Nummer 1 zu werden. “Mittelfristig haben wir vor, in neue Länder zu expandieren.” Zudem überlegt das Management schon seit längerem, nicht nur Lebensmittel in den Kochboxen zu verschicken, sondern – wie in den USA – auch Weine und Küchenutensilien.Nach der gestern bekannt gemachten Intention to Float dürften wie üblich etwa drei Wochen vergehen, bis der Prospekt vorgelegt wird – in dem zumindest vorläufige Zahlen für das dritte Quartal enthalten sein dürften. Nach weiteren zwei Wochen Zeichnungsfrist könnte die Erstnotiz im Prime Standard der Frankfurter Börse Mitte November stattfinden. Anders als zumeist üblich stammt auch die Mehrzuteilungsoption aus der Kapitalerhöhung – die Altaktionäre machen also (noch) nicht Kasse. Berenberg, BNP Paribas, Deutsche Bank, J.P. Morgan und Morgan Stanley agieren als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners. Rabobank ist Co-Lead Manager.