HNA Group stellt Assets ins Schaufenster

Gategroup prüft Börsenrückkehr - Akquisitionselan des hoch verschuldeten chinesischen Konglomerats sinkt

HNA Group stellt Assets ins Schaufenster

dz/nh Zürich/Schanghai – Der lange für seinen Akquisitionshunger berüchtigte chinesische Mischkonzern HNA Group sieht sich im Zuge erhöhter Liquiditätsprobleme gezwungen, deutlich kürzerzutreten. Auf einer Veranstaltung in Peking erklärte HNA-Chef Adam Tan am Dienstag, die Gruppe ziehe zur Kräftigung ihrer bilanziellen Situation nun auch Assetverkäufe in Erwägung. Für die Tochter Gategroup sei etwa eine Rückkehr an die Schweizer Börse möglich. Tan betonte zudem, dass HNA im Einklang mit Vorgaben der chinesischen Regierung nun ein moderates Tempo bei ausländischen Akquisitionen vorlegen werde.Die Schweizer Airline-Catering-Firma Gategroup bestätigte derweil die Aussagen Tans über eine mögliche Rückkehr an die Schweizer Börse. Gategroup und HNA Aviation Air Catering mit Sitz in Hongkong zögen einen öffentlichen Verkauf von Anteilen mit anschließender Notierung an der Schweizer Börse in Betracht, wurde am späten Dienstagabend mitgeteilt.Gategroup war erst 2016 für 1,5 Mrd. Dollar von HNA übernommen worden. Im Lauf von nur zwei Jahren hatten die Chinesen alle drei Servicegesellschaften der einstigen Swissair (Swissport, SR Technics, Gategroup) für insgesamt rund 6 Mrd. Dollar geschluckt. Doch nun scheint die drückende Schuldenlast HNA bereits wieder zum Verkauf verschiedener Beteiligungen zu zwingen. Nach Zukäufen in der Höhe von 40 Mrd. Dollar muss die Gesellschaft bis im Sommer des nächsten Jahres Schulden von rund 28 Mrd. Dollar zurückzahlen. Auf dem internationalen Kapitalmarkt muss HNA für die Aufnahme von neuen Schulden Zinsen zahlen, wie sie nur einem Hochrisikoschuldner abverlangt werden. Eben erst hat die schweizerische Übernahmekommission HNA bezichtigt, im Angebotsprospekt an die Gategroup-Aktionäre im Mai 2016 falsche Angaben gemacht zu haben.Dem HNA-Chef zufolge könnten insbesondere Immobilienaktiva sowie Engagements in denjenigen Sektoren zur Disposition stehen, für die Peking im Sommer Restriktionen verhängt hatte. So sollen chinesische Adressen bis auf weiteres keine Auslandskäufe in Bereiche wie Immobilien, Hotels, Film und Unterhaltung sowie Sportwesen tätigen. Analysten gehen davon aus, dass vor allem börsennotierte und damit besonders liquide Aktiva zur Disposition gestellt werden. Dabei wird auch auf eine milliardenschwere Beteiligung an der Hotelkette Hilton Worldwide Holdings verwiesen.Die HNA Group hatte seit Anfang 2016 eine beispiellose Serie von Unternehmensübernahmen und Beteiligungen im Wert von über 40 Mrd. Dollar losgetreten. Dabei ist die Gruppe auch in Deutschland in den Fokus geraten, nachdem sie im Frühjahr mit einer Beteiligung von knapp 10 % zum größten Einzelaktionär der Deutschen Bank avancierte.In den Vereinigten Staaten und europäischen Ländern ist die HNA vor allem mit undurchsichtigen Eigentümerstrukturen angeeckt. In China steht HNA mit einer Reihe anderer akquisitionsfreudiger Adressen mit Blick auf die Solidität ihrer Finanzierungsstrukturen und Verschuldungsgefahren unter besonderer Beobachtung.