"Ich habe keinen Plan B"
"Ich habe keinen Plan B"
Der US-Chemiekonzern Huntsman hat seine Pigmente-Sparte Venator an die Börse gebracht und schrubbt vor dem geplanten Zusammenschluss mit Clariant 1,2 Mrd. Dollar Schulden von der Bilanz. “Das ist ein großer Schritt mit Blick auf den Merger”, sagt Peter Huntsman im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.sp New York – Der US-Spezialchemiekonzern Huntsman hat sein Geschäft mit Pigmenten und Additiven an die Börse gebracht und sieht nach dem IPO der Tochter Venator den Weg frei für den im Mai verkündeten Zusammenschluss mit der Schweizer Clariant. “Das ist ein großer Schritt mit Blick auf den Merger”, sagt CEO Peter Huntsman im Gespräch mit der Börsen-Zeitung und legte sich trotz Widerstand von Aktivisten auf einen erfolgreichen Abschluss der Fusion fest.”Ich habe keinen Plan B, sondern eine bindende Vereinbarung für einen Merger zwischen zwei großartigen Unternehmen”, erklärt der 54-Jährige, angesprochen auf die Kritik von White Tale, einer Interessengemeinschaft von Clariant-Aktionären. Der Erlös des IPO in Höhe von 450 Mill. Dollar geht an Huntsman, während die in die Eigenständigkeit entlassene Tochter Schulden in Höhe von 725 Mill. Dollar mitnimmt und die Bilanz von Huntsman insgesamt um rund 1,2 Mrd. Dollar entlastet. “Davon werden nach dem Zusammenschluss auch die Aktionäre von Clariant profitieren.”Die Aktivisten Corvex und 40 North, die sich zu White Tale zusammengeschlossen haben und an Clariant mittlerweile rund ein Zehntel der Anteile halten, sehen bei dem Baseler Konzern andere Möglichkeiten, Wert für Aktionäre zu schaffen. Das kommt Huntsman ziemlich bekannt vor. “Als wir vor vier Jahren die Akquisition von Rockwood bekannt gegeben haben, war Corvex an Huntsman beteiligt und hat sich ebenfalls gegen die Transaktion gestellt.” Er habe sich damals persönlich mit Corvex-Gründer Keith Meister getroffen, der damals wie heute erklärt habe, dass der Deal Wert vernichte, erinnert sich Huntsman. “Wir haben die Akquisition damals für rund 1 Mrd. Dollar abgeschlossen, Rockwood mit unseren kleineren Aktivitäten in diesem Segment zusammengeschlossen und dieses Geschäft gerade zu einem Unternehmenswert von knapp 3 Mrd. Dollar an die Börse gebracht”, sagt Huntsman mit Verweis auf Venator, in der die mit Rockwood übernommenen Aktivitäten enthalten sind. Für Gespräche offenFür Huntsman und Clariant gebe es noch deutlich größere Möglichkeiten, den Wert für Investoren zu steigern. Er habe kein Problem, sich persönlich mit Corvex oder 40 North zu treffen, sofern das dazu beitragen würde, sie vom Nutzen des Zusammenschlusses zu überzeugen, sagt Huntsman. Seit der Ankündigung der Fusion habe es aber keine Gespräche zwischen ihm und den Aktivisten gegeben. “Es handelt sich schließlich um Aktionäre von Clariant, und meiner Kenntnis nach ist keiner der beiden Investoren derzeit an Huntsman beteiligt.”Von Seiten der Regulierungsbehörden sei nicht mit Widerständen zu rechnen, da es zwischen Huntsman und Clariant wenig Überschneidungen und vor allem komplementäres Geschäft gibt (siehe Grafik). Auch das Committee of Foreign Investment in the United States (CFIUS), das zuletzt immer wieder zwischen Übernahmen von US-Unternehmen durch ausländische Investoren gefunkt hat, stellt nach seiner Einschätzung keine Gefahr dar. Der Zusammenschluss ist zwar als Merger of Equals annonciert, de facto übernehmen die Eigentümer von Clariant mit 52 % aber die Kontrolle.”Wir wollen nicht eine größere Huntsman oder eine größere Clariant aufbauen”, sagt der designierte CEO von HuntsmanClariant mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Clariant-Chef Hariolf Kottmann, der nach einer Fusion den Vorsitz im Verwaltungsrat der nach Schweizer Recht organisierten Firma übernehmen würde. Auch mit Clariant-CFO Patrick Jany, der diese Aufgabe nach dem Zusammenschluss behalten würde, verbinde ihn ein vertrauensvolles Verhältnis. Ein Kulturschock zwischen der in Texas beheimateten Huntsman und Clariant aus der Nähe von Basel sei nicht zu erwarten. “Ich glaube, wir beschäftigen heute ähnlich viele Mitarbeiter mit einem Schweizer Pass wie Clariant.” Clariant wiederum sei in Nordamerika etwa so stark wie Huntsman vertreten und die Unternehmenskulturen passten gut zusammen.An Venator hält Huntsman nach dem IPO noch rund 80 % der Anteile. Sie sollen nach Ende der Lock-up-Periode in sechs Monaten innerhalb von 12 bis 18 Monaten verkauft werden. Der IPO-Preis liegt bei 20 Dollar am unteren Ende der Preisspanne von 20 bis 22 Dollar. Das Eigenkapital wird zum IPO mit gut 2,1 Mrd. Dollar bewertet. Mittags in New York notierte die Aktie von Venator fast 6 % im Plus.