VOLKSWAGEN IM UMBRUCH

Im Personal- und Spartenkarussell

Diess erhält mehr Macht - Blume steigt auf - Stadler bleibt - Sanz geht

Im Personal- und Spartenkarussell

scd Frankfurt – Der im Eiltempo geplante Börsengang der Trucksparte ist im groß angelegten Umbau von Volkswagen nur ein wichtiger Mosaikstein. In der Sitzung des Konzernaufsichtsrats am späten Donnerstagabend wurden umfangreiche personelle und strukturelle Veränderungen beschlossen. Dass VW-Markenchef Herbert Diess den nach dem Dieselskandal inthronisierten Konzernchef Matthias Müller ablösen würde, pfiffen zwar seit Tagen nicht nur die Spatzen von den Dächern. Doch auch sonst werden zahlreiche Steine aus dem Konzerngebilde gelöst und neu eingesetzt. So soll der spanische Beschaffungsvorstand Francisco Garcia Sanz nach fast 17 Jahren im Konzernvorstand – zunächst kommissarisch – durch Ralf Brandstätter ersetzt werden. Brandstätter ist seit zweieinhalb Jahren Beschaffungsvorstand der Marke Volkswagen Pkw und damit in der Position, die auch der 60-jährige Spanier vor der Berufung in den Konzernvorstand für fünf Jahre innehatte. Sanz sei vom Stil des Führungswechsels entsetzt gewesen, hatte die “Automobilwoche” zuvor berichtet. Offenbar hatte Diess kurz nach der internen Bekanntgabe des Chefwechsels detaillierte Pläne zum Umbau des Volkswagen-Konzerns im Beisein Müllers auf den Tisch gelegt. Das spricht dafür, dass der Putsch an der Spitze unter Mitwirken von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch lange vorbereitet war.Abgelöst werden soll auch Personalchef Karlheinz Blessing, für den der 43-jährige Gunnar Kilian in den Vorstand aufrücken soll (vgl. BZ vom 12. April). Der gelernte Journalist gilt als Vertrauter von Betriebsratschef Bernd Osterloh, der selbst einmal als Personalchef im Gespräch war. Mit Kilian dürfte die Zustimmung der Belegschaftsvertreter gesichert worden sein. Zudem soll Porsche-Chef Oliver Blume vom Gaststatus zum ordentlichen Konzernvorstand aufrücken. Er wird nicht nur die Markengruppe “Super Premium” leiten, zu der neben Porsche auch die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini zählen werden, sondern er wird auch Leiter der Konzernproduktion. Die Fäden der Macht hält in der neuen Struktur eindeutig Herbert Diess in der Hand. Neben der Konzernleitung übernimmt er – wie zuvor Martin Winterkorn – die Leitung der umsatzstärksten Markengruppe. Im Segment Volumen werden dem Vernehmen nach unter Diess` Führung die Marken VW, Skoda und Seat gebündelt. Zudem leitet er den Bereich Fahrzeug-IT. Müller räumt Posten sofortDamit hätte der neue Chef, der vor knapp drei Jahren vom Münchener Wettbewerber BMW nach Wolfsburg gewechselt war, weitaus mehr Macht als Müller, der als Konzernchef keine Marke mehr führen durfte. Müller, dem Pötsch für seine “herausragende” Leistung dankte, werde den Vorstandsvorsitz mit sofortiger Wirkung aufgeben, teilte VW am Donnerstagabend mit. Zuvor hatten Insider berichtet, Müller könne im Konzern verbleiben. Da alle wesentlichen Vorstandsressorts besetzt seien, hätte für den einstigen Porsche-Chef wohl eine neue Funktion geschaffen werden müssen. Dass vieles schon vor der Aufsichtsratssitzung durchdringen konnte, lag offenbar daran, dass die wesentlichen Vertreter im sechsköpfigen Präsidium – die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen als Vertreter der Eignerseite mit den obersten Arbeitnehmervertretern – aufgrund der Größe des Projekts bereits alles vorab besprochen hatten. Offiziell hatte VW bis zu Beginn der Aufsichtsratssitzung nur einen bevorstehenden Führungsumbau bestätigt, ohne Details dazu zu nennen. Auf der Agenda des Aufsichtsrats stand auch der geplante Börsengang der Nutzfahrzeugsparte, die wohl Anfang des kommenden Jahres nach einem Umzug von Braunschweig nach München auf eigenen Füßen stehen soll (siehe Bericht auf dieser Seite).Während Personal- und Beschaffungsvorstand ausgetauscht werden, bleibt ein mehrfach auf der Abschussliste gewähnter Vorstand vom Umbau unberührt. Audi-Chef Rupert Stadler sitzt weiter “fest im Sattel” und erhält neben der Leitung der Markengruppe “Premium” mit dem Posten des Vertriebsvorstands eine weitere Funktion. Er sei nicht einmal thematisiert worden, sagten Insider. Premium wird zu Beginn wohl nur aus Audi bestehen. Von der Neuaufstellung mit drei Markengruppen erhofft sich VW eine stärker subsidiäre Führung des Konzerns.