Infineon darf Cypress schlucken

Peking gibt Übernahme zum Preis von 9 Mrd. Euro als letzte behördliche Instanz frei

Infineon darf Cypress schlucken

sck München – Zehn Monate nach ihrer Ankündigung ist die Übernahme des US-Chipspezialisten Cypress durch Infineon endgültig in trockenen Tüchern. Deutschlands größter Halbleiterhersteller teilte mit, alle für den Erwerb “erforderlichen behördlichen Genehmigungen erhalten” zu haben. Infineon plant den Abschluss der Transaktion bis spätestens Mittwoch kommender Woche.Anfang Juni vergangenen Jahres gab der Dax-Konzern bekannt, Cypress für insgesamt 9 Mrd. Euro kaufen zu wollen. Es ist die größte Übernahme in der Geschichte des früheren Siemens-Ablegers.Im Herbst vergangenen Jahres erteilte die EU-Kommission ihre Freigabe. Nach einigen Verzögerungen folgte Anfang März das Washingtoner Regierungskomitee für ausländische Direktinvestitionen in den USA (vgl. BZ vom 11. März). Seinerzeit fehlte nur noch das Plazet der chinesischen Aufsichtsbehörden. Peking stimmte der Übernahme nun ebenfalls zu – allerdings unter Auflagen wie zuvor die zuständige US-Behörde. Auf Nachfrage der Börsen-Zeitung wollte ein Unternehmenssprecher von Infineon dazu keine Details nennen. Aktie setzt Erholung fortDerweil setzte die Infineon-Aktie ihren Erholungskurs fort nach den Panikreaktionen an den Aktienmärkten wegen der sich ausbreitenden Corona-Pandemie. Am Dienstag sprang das Papier in der Spitze um 9,3 % und beendete den Xetra-Handel bei 14,88 Euro (+ 5,2 %). Mitte März stürzte der Titel zeitweise auf bis zu 10,68 Euro ab.Im Februar notierte die Aktie noch bei 22,86 Euro. Nach der Freigabe durch Peking bekräftigte die UBS ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 22 Euro. Die Schweizer Großbank gehört vermutlich zu dem insgesamt 20 Kreditinstitute zählenden Konsortium, mit dessen Darlehen Infineon den teuren Zukauf zum überwiegenden Teil finanziert.Mit Blick auf die Coronakrise versuchte der Vorstand des Unternehmens, die Anleger hinsichtlich der vorhandenen Liquidität und der Finanzierbarkeit der Transaktion zu beruhigen. Über eine Kapitalerhöhung und die Emission einer Hybridanleihe brachte Infineon Eigenkapital von 2,7 Mrd. Euro ein. Hinzu kommen Barmittel von rund 0,5 Mrd. Euro. Der Löwenanteil von 5,8 Mrd. Euro Fremdkapital stammt aus einer Kreditfazilität der Banken, die diese Infineon nach Unternehmensangaben ” für Akquisitionszwecke” bereitstellten. Finanzmittel ausreichend”Mit Fälligkeiten, die je nach Tranche zwischen März 2022 und Juni 2024 liegen, bietet die Akquisitionsfinanzierung für langfristige Refinanzierungsmaßnahmen hinreichend Zeit und Flexibilität”, erklärte der Konzern. Das Kreditvolumen der Banken decke die Finanzierung der Übernahme, ergänzte der Unternehmenssprecher. “Das Unternehmen wird liquide Mittel entsprechend seinem Zielwert von 1 Mrd. Euro zuzüglich mindestens 10 % vom Umsatz zurückbehalten”, so Infineon.Zum Abschluss des Berichtsturnus 2018/19 verfügte Infineon Ende September vergangenen Jahres laut Geschäftsbericht über 8,4 Mrd. Euro Kreditlinien, von denen bis dahin 204 Mill. Euro gezogen wurden. Die Bruttobarmittel betrugen 3,8 (2,5) Mrd. Euro.Nach Abzug der im Februar gezahlten Dividendensumme an die Aktionäre von 338 (i.V. 307) Mill. Euro und unter Berücksichtigung der Leerstandskosten in der Fertigung verfügt Infineon noch über ausreichend finanzielle Mittel, um den vorübergehenden Stillstand in der Fertigung aufgrund der Coronakrise zu überwinden.