Infineon kassiert Prognose

Deutschlands größter Chipkonzern befürchtet Umsatz- und Ergebnisrückgang

Infineon kassiert Prognose

sck München – Infineon hat die Jahresprognose kassiert und vor einem möglichen Umsatz- und Gewinnrückgang im laufenden Berichtsturnus 2019/20 (30. September) gewarnt. Deutschlands größter Halbleitersteller begründete seinen Schritt mit den Belastungen infolge der Coronakrise. “Die Pandemie, die sich derzeit weltweit immer weiter verschärft, verursacht massive Verwerfungen bei globalen Lieferketten, Endmärkten und der Konjunkturentwicklung insgesamt”, teilte der Dax-Konzern aus Neubiberg bei München ad hoc mit.Die sich ausbreitende Seuche schränke die “Vorhersagbarkeit stark ein”. Die Konzernführung wagte es daher nicht, einen neuen konkreten Ausblick abzugeben. “Da aber derzeit nicht absehbar ist, wie lange und wie stark sich die Pandemie wirtschaftlich auswirken wird, sind auch die spezifischen Folgen für Umsatz und Ergebnis für das Geschäftsjahr 2020 nicht verlässlich abzuschätzen oder genauer zu quantifizieren”, so Infineon. Leerstandskosten steigenNach einem Rekordjahr 2018/19 peilte Infineon ursprünglich einen Umsatzzuwachs von rund 5 % an. Für die zweite Hälfte der laufenden Berichtsperiode, also von April an, stellte Vorstandschef Reinhard Ploss bislang eine deutliche Erholung in Aussicht (vgl. BZ vom 13.11.2019). Die weltweite Chipindustrie befand sich bereits vor Ausbruch des Coronavirus im Dezember in China in einer Abschwungphase. Anfang Februar zur Vorlage der Quartalszahlen bekräftigte Ploss noch seine Prognose (vgl. BZ vom 6. Februar).Infineon teilte am Donnerstag mit, dass die Pandemie zu einem “spürbaren Umsatzrückgang” führen könne. Das werde auch die Profitabilität von Infineon belasten. Der Vorstand begründete Letzteres damit, dass die Leerstandskosten “im Vergleich zu den bisherigen Annahmen höher liegen” würden. Aufgrund unterausgelasteter Produktionskapazitäten infolge des Abschwungs verbuchte Infineon bereits in den zurückliegenden beiden Dreimonatsabschnitten hohe Zusatzkosten. Zur Bilanzvorlage im Oktober führte Finanzvorstand Sven Schneider aus, dass sich die Leerstandskosten im laufenden Geschäftsjahr auf 400 Mill. Euro erhöhen dürften nach 300 Mill. Euro im zurückliegenden Berichtsturnus. Dieser negative Effekt drückt seinen Worten zufolge die operative Umsatzrendite 2018/19 um 3 Prozentpunkte. Aktie dreht ins MinusDie Anleger reagierten auf die Umsatz- und Gewinnwarnung von Infineon vergrätzt, obwohl der Pessimismus angesichts der deutlich verschlechterten Lage zu erwarten war. Die Infineon-Aktie drehte nach der Ad-hoc-Meldung ins Minus und büßte in einem volatilen Markt zeitweise 4,7 % an Wert ein. Im weiteren Tagesverlauf baute der Titel mit Eröffnung der Börse in New York die Kursverluste wieder ab und beendete den Xetra-Handel bei 14,37 Euro (+ 2,7 %). Das Papier setzte seine Erholung nach dem Kurssturz fort.Infineon kündigte an, die Sparanstrengungen fortzusetzen. Schritte zur Sicherung der Profitabilität und des Cash-flow hätten Priorität. Der Vorstand machte aber keine konkreten Angaben über die geplanten Gegenmaßnahmen. Aufgrund des Branchenabschwungs drehte der Konzern bereits im Herbst an der Kostenschraube.