Innogy bettelt um Vertrauen der Investoren

Nach Abgang des Vorstandschefs bekräftigt Konzern Finanzziele und tritt auf die Kostenbremse - "Keine Kapitalerhöhung nötig"

Innogy bettelt um Vertrauen der Investoren

Innogy arbeitet daran, die Kosten im Zaum zu halten. Der Energiekonzern muss nach der Gewinnwarnung und dem Abgang des Vorstandschefs um das Vertrauen der Investoren werben.cru Düsseldorf – Innogy versucht die Zweifel an der Verlässlichkeit des Konzerns auszuräumen, die sich nach dem vorzeitigen Abgang des Vorstandschefs Peter Terium bei Investoren verstärkt haben. Das Unternehmen bekräftigte, es werde auf die Kostenbremse treten und am Ziel eines Verschuldungsfaktors festhalten, der dem Vierfachen des bereinigten Ergebnisses von Zinsen, Steuern und Abschreibungen entspreche, – ebenso wie an der Ausschüttungsquote von 70 % bis 80 % des bereinigten Nettoergebnisses. Eine Kapitalerhöhung werde es nicht geben.Offenbar waren an den Finanzzielen Zweifel aufgekommen, nachdem der Aufsichtsrat im Dezember – nach einer Gewinnwarnung für 2017 und einem trüben Ausblick auf 2018 – überraschend Vorstandschef Terium mit sofortiger Wirkung vor die Tür gesetzt hatte. Mit der Begründung, dieser habe die notwendige Kostendisziplin vermissen lassen.Der Kurs der im MDax notierten Innogy-Aktie reagierte zwar nur mit einem Minus von zeitweise 0,5 % auf 32,50 Euro. Der Börsenwert des Stromverteilnetzbetreibers, der noch zu 77 % dem Mutterkonzern RWE gehört, hat sich aber seit der Erstnotiz im Oktober 2016 zum Ausgabepreis von 36 Euro um rund 10 % auf 18 Mrd. Euro verringert. “Stabile Dividende””Wir sind uns der Bedeutung voll bewusst, die der Kapitalmarkt einer stabilen und attraktiven Dividende sowie einer angemessenen Verschuldung beimisst”, sagte Finanzchef Bernhard Günther. Im Dezember hatte Innogy wegen andauernder Probleme auf dem britischen Markt ihre Gewinnprognose für 2017 gekappt und damit die Aktienkurse von Innogy sowie der Konzernmutter RWE auf Talfahrt geschickt. Eine Woche später räumte Vorstandschef Terium – der bis Ende 2016 auch RWE-Chef war – seinen Stuhl. Derzeit führt Personalchef Uwe Tigges das Unternehmen kommissarisch.Mitten in der Führungskrise muss Innogy nun verstärkt um Vertrauen werben: Die freiwilligen Ausgaben würden über alle Segmente hinweg auf den Prüfstand gestellt. Geprüft würden weitere Kostensenkungen. Details werde das Unternehmen bei der Vorlage der Bilanz am 12. März vorstellen. Der Schwerpunkt der Investitionen von 2018 bis 2020, die der ehemalige Konzernchef Terium 2018 kräftig um 25 % auf 3 Mrd. Euro hochfahren wollte, liege weiter in den Kerngeschäften Ökostrom, Netze und Vertrieb. Terium hatte erkleckliche Summen für Elektromobilität und Digitalisierung ausgeben wollen. Es gebe keine Notwendigkeit von Eigenkapitalmaßnahmen, hieß es beschwichtigend. Auch solle es bei der bisherigen Ausschüttungsquote von 70 bis 80 % bleiben. Für 2016 hatte Innogy 888 Mill. Euro ausgeschüttet, davon gingen rund 660 Mill. Euro an RWE.Eine gute Kommunikation hat Innogy nun bitter nötig: Noch im September 2017 hatte der Aufsichtsrat die damals neue Strategie von Terium trotz der damit verbundenen hohen Ausgaben zustimmend zur Kenntnis genommen. Noch im November wurde bei der Neunmonatsbilanz und beim Investorentag der Ausblick für 2017 bestätigt. Dann kamen im Dezember die beiden Paukenschläge: Erst musste Konzernchef Terium die Prognose für 2017 anpassen und einen trüben Ausblick für 2018 geben. Dann setzte ihn der Aufsichtsrat plötzlich mit der Begründung mangelnder Kostendisziplin vor die Tür, ohne einen dauerhaften Nachfolger präsentieren zu können. Verflechtung mit RWEDie Verflechtung zwischen Innogy und RWE ist trotz der nach außen zur Schau getragenen Distanz und des Konkurrenzausschlussvertrags zwischen den beiden Unternehmen noch immer eng: Der bisherige Innogy-Aufsichtsratschef Werner Brandt, der noch immer Aufsichtsratschef des Innogy-Mutterkonzerns RWE ist, wurde gerade – wie schon im Dezember bekannt gegeben – zu Jahresbeginn 2018 vom ehemaligen Eon-Finanzchef Erhard Schipporeit abgelöst, der ebenfalls im Aufsichtsrat des Mutterkonzerns RWE sitzt und als sparsam und konservativ in Geldangelegenheiten gilt.—– Wertberichtigt Seite 6