Investor verkauft Edelstahl mit glänzendem Gewinn

Lindsay Goldberg veräußert die ehemals zu Thyssen gehörende VDM Metals für 600 Mill. Euro an Aperam

Investor verkauft Edelstahl mit glänzendem Gewinn

wb Frankfurt – Die Beteiligungsgesellschaft Lindsay Goldberg mit dem ehemaligen Thyssen-Vorstandschef Dieter Vogel als Deutschland-Geschäftsführer macht mit der bis 2015 zu Thyssenkrupp zählenden VDM einen guten Schnitt. Das Edelstahlunternehmen geht mit einer Bewertung von 596 Mill. Euro inklusive Schulden an die Luxemburger Aperam. Den Eigenkapitalwert von VDM beziffert die von HSBC beratene Aperam auf 438 Mill. Euro.Da Lindsay Goldberg, die hierzulande als Lindsay Goldberg Vogel tätig ist, zwischenzeitlich eine “Rekapitalisierung” mit Dividendenausschüttung vorgenommen hat, dürfte sich der Eigenkapitaleinsatz des Finanzinvestors in der überschaubaren Haltezeit verdreifacht haben. Der Finanzinvestor, der schon beim VDM-Erwerb keine Angaben zur Bewertung gemacht hatte, kommentiert die Frage zur jetzigen Rendite auf Anfrage nicht.VDM Metals mit Hauptsitz in Werdohl beschäftigt weltweit 2 000 Leute und setzt über 1 Mrd. Euro um. Sie gilt als führende Anbieterin von Nickellegierungen, Titan und Zirkonium zur Anwendung in hochkorrosiven Umgebungen von der Luftfahrt über Chemie, Öl und Gas, Energieerzeugung sowie Autobau bis hin zu Elektronik und Elektrotechnik.Aperam war schon beim VDM-Verkauf durch Thyssenkrupp 2015 interessiert. Das Unternehmen ist einer der weltgrößten Produzenten von rostfreiem Stahl und Elektroblech und wurde 2011 vom Stahlkoloss und Thyssenkrupp-Rivalen ArcelorMittal abgespalten. Die Familie Mittal ist mit gut 40 % größter Anteilseigner in Luxemburg. Titanproduktion geschlossenLindsay Goldberg schloss 2016 die Titanproduktion in Essen, ließ VDM investieren und profitierte vor allem von der anziehenden Stahlkonjunktur. Die Beteiligungsgesellschaft hatte nach eigenen Angaben gegen Ende vorigen Jahres Angebote mehrerer Seiten für VDM erhalten und setzte dann mit Morgan Stanley einen Prozess auf. In der Aktion sollen auch Chinesen aktiv gewesen sein, doch war offenbar die Transaktionssicherheit bei diesen Bietern unklar.Der Essener Dax-Konzern war 2015 zwar Schulden losgeworden, musste aber eine Buchwertberichtigung von 100 Mill. Euro vornehmen. Der positive Effekt in den Nettofinanzschulden und Pensionsverpflichtungen belief sich damals auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Thyssenkrupp wollte zudem den Anteil der volatilen Werkstoffgeschäfte reduzieren. ThyssenKrupp hatte VDM wie auch die verlustreiche italienische Edelstahltochter Acciai Speciali Terni (AST) ursprünglich an den finnischen Outokumpu-Konzern verkauft. Nachdem die Nordeuropäer in Schwierigkeiten geraten waren, musste der größte deutsche Stahlkonzern die AST und den Spezialanbieter VDM zurücknehmen, stellte aber beide wieder ins Schaufenster. AST gehört bis heute zu dem Essener Konzern; Aperam, die schon einige kleinere Anbieter aufgekauft hat, soll in der Vergangenheit eine Offerte für die Italiener abgegeben haben – mit negativem Kaufpreis. VDM Metals wird von Aperam mit deren Sparte Alloys & Specialties kombiniert, und es entstehe ein führender Anbieter von Speziallegierungen. Kombiniert gehe es um einen Pro-forma-Produktionsumsatz von 1,15 Mrd. Euro mit operativem Ergebnis (Ebitda) von 122 Mill. Euro, für das rund 3 000 Beschäftigte in 20 Ländern sorgen. Aperam finanziert nach eigenen Angaben mit einem Mix aus verfügbarer Liquidität und Schulden. Die Akquisition soll bis 2020 Synergien von 20 Mill. Euro einspielen, die Kostenwettbewerbsfähigkeit erhöhen und eine Plattform bilden, um neue Produkte und Anwendungen für Legierungen und Spezialwerkstoffe zu entwickeln. Der Erwerb werde den Arbeitnehmervertretern beider Seiten vorgelegt und unterliegt noch der Fusionskontrolle, teilt der Käufer weiter mit. 5 Mrd. Dollar UmsatzAperam setzte 2017 rund 5,1 Mrd. Dollar um und verdiente operativ (Ebitda) 619 Mill. Dollar, von denen als Nettogewinn 361 Mill. Dollar hängenblieben. Der Cash-flow betrug 440 Mill. Dollar, und die Nettofinanzposition wurde mit 75 Mill. Dollar ins Positive gedreht. Wettbewerber sind Acerinox in Spanien, Outokumpu sowie Terni. Bei Speziallegierungen sind es neben VDM drei US-Anbieter sowie Nippon Yakin und Deutsche Nickel.Die ursprüngliche Vereinigte Deutsche Metallwerke AG (VDM) entstand 1930 unter dem Dach der Frankfurter Metallgesellschaft, die seit 1893 Hauptaktionärin der Heddernheimer Kupferwerke war. 1989 übernahm Krupp Stahl die VDM Nickel-Technologie. Später wurde VDM Teil der Sparte Edelstahl von Thyssenkrupp. Die Refinanzierung von VDM im Herbst 2017 umfasste 180 Mill. Euro plus Factoringprogramm über 100 Mill. Euro mit der Postbank. Lindsay Goldberg Vogel hat nach dem Verkauf nur mehr den 2016 für 270 Mill. Euro erworbenen Verpackungshersteller Schur Flexibles im Portfolio.