Jetzt geht's los, jetzt geht's los . . .
Jetzt geht's los, jetzt geht's los . . .
Von Martin Dunzendorfer, FrankfurtDie Mitteilung an sich ist weitaus weniger spektakulär als das, was Analysten und Investoren hineininterpretierten. Nestlé, der weltgrößte Lebensmittelkonzern, hat sein US-Süßwarengeschäft ins Schaufenster gestellt. Zu einem angemessenen Preis sind die Schweizer bereit, Marken wie Butterfinger und Crunch abzugeben. Im Unternehmensjargon klingt das unverbindlicher: “Nestlé wird strategische Optionen für ihr Süßwarengeschäft in den Vereinigten Staaten prüfen, einschließlich einer möglichen Veräußerung.” Immerhin: Dass ein Verkauf explizit erwähnt wird, heißt nichts anderes, als dass der Ausstieg das Primärziel ist.Am Aktienmarkt, der lediglich gut behauptet tendierte, legte die Nestlé-Aktie in der Spitze um 3 % zu. Dabei geht es formal nur um knapp 830 Mill. Euro Umsatz, die zur Disposition stehen. Das sind gerade einmal 3,4 % der US-Erlöse von Nestlé und 1 % des Konzernumsatzes. Doch der Knackpunkt ist, dass viele Unternehmenskenner die absehbare Trennung vom US-Süßwarengeschäft als Startschuss für den forcierten Wandel von Nestlé zum Gesundheits- und Lifestyle-Konzern sehen. Mit dem Amtsantritt von CEO Mark Schneider zu Jahresanfang verbindet sich die Erwartung, dass der ehemalige Fresenius-Chef noch stärker als seine Vorgänger aufs Gaspedal drückt und dabei auch vor Tabuzonen nicht zurückschreckt. Nun hat Schneider den ersten großen Pflock eingeschlagen, und man kann sich leicht vorstellen, wie in den Köpfen vieler Anleger der Fußballschlachtruf “Jetzt geht’s los, jetzt geht’s los” herumspukt. Dabei ist es genau genommen bereits 1997 losgegangen. Damals hatte der neue CEO Peter Brabeck-Letmathe den Wandel zum führenden Konzern für Nutrition, Health und Wellness in Gang gesetzt. Sein Nachfolger Paul Bulcke setzte die Strategie fort, doch manchen ging der Umbau nicht schnell und kompromisslos genug voran. Zudem waren Verwaltungsrat und Investoren unzufrieden, dass Nestlé ein strategisches Ziel zuletzt vier Jahre in Folge nicht erreichte: ein organisches Wachstum von 5 bis 6 %. Diese mit der Zeit immer ambitionierter gewordene Vorgabe hat Schneider bereits bei der Bilanzvorlage im Februar auf elegante Art gekappt.Gegen die Markterwartung, dass Schneider in nächster Zeit noch andere Assets zum Verkauf stellt, die wenig Wachstum versprechen und aufgrund starken Wettbewerbs relativ niedrige Margen abwerfen, spricht allerdings, dass Nestlé klarstellt, man werde das Süßwarengeschäft weltweit ausbauen.—– Berichte Seiten 7 und 14 ——–Nestlé, der weltgrößte Lebensmittelkonzern, stellt sein US-Süßwarengeschäft zum Verkauf.——-