John Malone sieht sich O2 UK an
John Malone sieht sich O2 UK an
hip/ths London/Madrid – John Malones Liberty Global und Telefónica haben Verhandlungen über die Fusion ihrer britischen Töchter zum größten Telekomunternehmen des Landes aufgenommen. Die hoch verschuldete spanische Telekomgesellschaft bestätigte die Gespräche am Montag, nachdem Bloomberg unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Kreise darüber berichtet hatte. Es sei allerdings nicht sicher, ob es zu einem Abschluss kommen werde.Es wäre der größte Deal in der britischen Telekombranche seit der 12,5 Mrd. Pfund schweren Übernahme des Mobilfunkers EE durch den Ex-Monopolisten BT Group vor fünf Jahren. Es wäre auch die größte Transaktion seit Beginn der Coronavirus-Pandemie. Goldman Sachs schätzt den Wert des fusionierten Unternehmens auf 24 Mrd. Pfund.Aus Sicht der Analysten der HSBC könnte ein Deal zum Katalysator für die lang erwartete Marktbereinigung werden. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern sind im Vereinigten Königreich die großen Breitband- und Mobilfunkanbieter nicht identisch. Deshalb könnte ein Zusammenschluss wie der sich nun abzeichnende weitere Konsolidierungsschritte nach sich ziehen.Telefónica ist im Vereinigten Königreich mit dem Mobilfunkbetreiber O2 vertreten, dessen Verkauf an CK Hutchison (Three) 2016 von den britischen und europäischen Wettbewerbshütern untersagt worden war und der seitdem als Börsenkandidat gehandelt wurde. Liberty Global ist mit dem Kabelnetzbetreiber Virgin Media präsent. Gemeinsam könnten sie den bisherigen Marktführer BT Group, an dem die Deutsche Telekom beteiligt ist, vom Sockel stoßen. Medienberichten zufolge geht es um ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide Seiten jeweils 50 % halten. Telefónica soll dafür angeblich eine Ausgleichszahlung in bar erhalten. Die Zusammenlegung ihres Geschäfts in den Niederlanden mit dem von Vodafone brachte Liberty Global bereits niedrigere Kosten. Der “Sunday Telegraph” bezifferte die möglichen Einsparungen auf bis zu 700 Mill. Dollar.Die Reaktion an den Märkten fiel für Telefónica geradezu euphorisch aus. Der Kurs legte am Montag um fast 3 % zu, entgegen dem Abwärtstrend der Madrider Börse. Sollten sich die Spanier mit dem Konzern von Malone einig werden, würden sie eine ihrer größten Baustellen der letzten Jahre schließen können. Nach dem verhinderten Verkauf von O2 an CK Hutchison vereitelte die Unsicherheit rund um den Brexit einen Verkauf oder Börsengang der britischen Tochter.Im November verkündete Telefónica einen Strategiewechsel und will sich seitdem ganz auf vier Kernmärkte konzentrieren: Spanien, Deutschland, Großbritannien und Brasilien. Durch einen Zusammenschluss mit Liberty Global würde die Position von O2 im Vereinigten Königreich als neuer Marktführer enorm gestärkt. Zugleich hülfe das Geld, dass Liberty für den Deal zahlen würde, beim Abbau der nach wie vor hohen Schulden. Ende 2019 betrugen die Verbindlichkeiten des Konzerns 37,7 Mrd. Euro.Vor Tagen gab es diesbezüglich schlechte Nachrichten. Der vor einem Jahr eingefädelte Verkauf der Tochter in Costa Rica ist gescheitert. Telefóncia hat angekündigt, den Vertragspartner Millicom, einen Telefonbetreiber in Lateinamerika und Afrika mit Sitz in Luxemburg, vor ein internationales Schiedsgericht zu ziehen. Die 500 Mill. Euro aus diesem Verkauf fehlen nun beim Schuldenabbau. Hinzu kommt, dass Millicom aufgrund des Streits als potenzieller Käufer für andere Aktiva der Spanier kaum noch in Frage kommen dürfte. Telefónica hat alle ihre Geschäfte in Lateinamerika – außer Brasilien, dem wichtigsten Markt der Spanier – in eine neue Gesellschaft ausgelagert und zum Verkauf freigegeben.Telefónica stellt am Donnerstag die Zahlen für das erste Quartal vor. – Wertberichtigt Seite 6