Kampf um Abertis belastet Hochtief

Investoren fürchten Gegenofferte für Spaniens Autobahnbetreiber durch Hochtief-Mutter ACS

Kampf um Abertis belastet Hochtief

cru Düsseldorf – Die sich abzeichnende Übernahmeschlacht um den spanischen Autobahnbetreiber Abertis verunsichert die Hochtief-Aktionäre. Nachdem die italienische Atlantia-Gruppe, hinter der die Benetton-Familie steht, im Mai 16 Mrd. Euro für Abertis geboten hatte, erwägt nun der spanische Hochtief-Mutterkonzern ACS eine höhere Gegenofferte. Vorgelegt und finanziert werden könnte diese Offerte von Hochtief. Erwünscht wäre das Gebot von der spanischen Regierung, die Atlantia als unerwünscht ansieht.Am Mittwoch wurde der Aufsichtsrat von Hochtief über die Option informiert, ohne dass es eine öffentliche Stellungnahme des Konzerns dazu gab. Um das Gebot zu finanzieren, müsste Hochtief laut spanischen Medienberichten rund 10 Mrd. Euro Schulden aufnehmen und es wäre eine Kapitalerhöhung notwendig, durch die der Anteil von ACS an Hochtief von 72 % auf ein Drittel fallen könnte. Beraten wird ACS von den Investmentbanken J.P. Morgan und Lazard. Abertis hat dem Vernehmen nach die Deutsche Bank als Berater engagiert. Furcht vor KapitalerhöhungDie schwelende Furcht vor einer Kapitalerhöhung hat den Abwärtstrend der Hochtief-Aktien am Mittwoch beschleunigt. Die Hochtief-Papiere rutschten aus dem Bereich zwischen 145 und 150 Euro, in dem sie sich zuletzt stabilisiert hatten, und brachen um zeitweise 7,6 % auf 135,90 Euro ein. Damit hat sich der Börsenwert des Konzerns seit dem Aufkommen der ersten Gerüchte im Mai um rund 20 % auf 8,7 Mrd. Euro verringert. Am frühen Nachmittag waren die Anteilsscheine von Hochtief mit einem Minus 8,8 % auf 134 Euro abgeschlagenes Schlusslicht im MDax. Damit weicht die lange gehegte Spekulation auf ein Abfindungsangebot für die Hochtief-Minderheitsaktionäre durch ACS endgültig der Furcht vor einer Verwässerung ihrer Anteile.Der nächste Schritt in dem Übernahmepoker erfolgt Ende September. Bis dahin müsste die spanische Börsenaufsicht die Milliardenofferte von Atlantia zu Ende geprüft haben und grünes Licht dafür geben, dass sie den Abertis-Aktionären übermittelt wird. Größter MautstraßeneignerBei einer erfolgreichen Übernahme von Abertis durch Atlantia entstünde der größte Autobahnbetreiber der Welt mit einem Wert von 36 Mrd. Euro. Die beiden Unternehmen würden zusammen über 14 000 Kilometer Mautstraßen sowie die Flughäfen Rom und Nizza verfügen und laut Atlantia Gewinne (Ebitda) in Höhe von 6,6 Mrd. Euro erwirtschaften. Die Übernahme soll im vierten Quartal 2017 abgeschlossen sein.