Kapazitätsengpässe belasten PWO
Kapazitätsengpässe belasten PWO
Von Isabel Gomez, StuttgartDer metallverarbeitende Zulieferkonzern Progress-Werk Oberkirch (PWO) sieht sich nach dem ersten Halbjahr auf einem guten Weg, seine Jahresziele trotz anhaltender Kapazitätsengpässe zu erreichen. “Die Abrufzahlen sind nach wie vor auf einem hohen Niveau, entsprechend hat sich die Umsatzentwicklung gut fortgesetzt. Im Ergebnis werden wir aufgrund der hohen Kapazitätsauslastung wie bereits im ersten Quartal geringe Belastungen berichten”, sagte Finanzvorstand Bernd Bartmann der Börsen-Zeitung. Die Zahlen für das zweite Quartal sollen am 3. August vorgelegt werden.In China arbeite PWO die Kapazitätsprobleme derzeit gut ab, die Prognose sei nicht in Gefahr, so Bartmann. Der Umsatz soll 2017 um 20 Mill. auf 430 Mill. Euro ohne Materialpreiserhöhungen klettern. Das operative Ergebnis (Ebit) vor Währungseffekten soll von 21,6 Mill. auf 23 bis 24 Mill. Euro steigen.Mittelfristig sollen die Ergebnisbeiträge der Werke in China und Mexiko deutlich zulegen. Das Werk in Mexiko schreibe zwar nachhaltig schwarze Zahlen, PWO will die Profitabilität aber noch steigern. In China legte PWO 2016 ebenfalls ein positives Ebit vor, im ersten Quartal allerdings führten die Kapazitätsengpässe zu einem operativen Verlust von 839 Mill. Euro. “Sobald die Kapazitätsprobleme in diesem Jahr gelöst sind”, soll das Ebit wieder drehen.Bis 2020 erwartet PWO eine Umsatzsteigerung auf mehr als 500 Mill. Euro ohne Materialpreiserhöhungen. Das Ergebnis soll bis dahin im Schnitt um 12 % pro Jahr wachsen. Dazu wird auch ein steuerlicher Effekt in Mexiko und China beitragen: “In beiden Ländern führen die Verlustvorträge aus der Vergangenheit dazu, dass beide Gesellschaften in den nächsten Jahren steuerfrei gestellt sind”, so Bartmann.Vom Wandel hin zu Elektromobilität sieht sich der Konzern, der zu 46,6 % der Beteiligungsfirma Consult Invest des früheren Böblinger Kommunalpolitikers Klaus-Georg Hengstberger gehört, nur wenig betroffen. “Wenn in einem Fahrzeug nur der Antrieb durch einen Elektro- oder Hybridmotor ersetzt wird, ändert sich für uns nichts”, so Bartmann. Derzeit entfielen nur 7 % des Konzernumsatzes auf Verbrenner-Technologie, etwa durch Wärmeabschirmungen. “Zudem wird es nicht auf einen Schlag nur noch Elektrofahrzeuge geben. Zu gegebener Zeit wird es dann etwa keine Aufträge für Getriebeteile mehr geben”, so Bartmann. PWO liefere darüber hinaus bereits Gehäuse für Elektromotoren für den Antrieb.Änderungen bei der Fahrzeugarchitektur dürfte es jedoch spätestens mit den nächsten Stufen des autonomen Fahrens geben. Wenn Fahrer sich vom Lenkrad abwenden dürfen, wird sich das etwa auf Sitzstrukturen auswirken. Komponenten für Airbags, Sitz und Lenkung, die PWO an Tier-1-Zulieferer verkauft, stehen für 34 % der Konzernumsätze. Auch der Produktbereich Karosserie- und Fahrwerkkomponenten, wie Instrumententafelträger, der Autohersteller direkt beliefert und für 46 % der Erlöse steht, dürfte betroffen sein. Noch macht sich Bartmann diesbezüglich keine Sorgen. Es sei “reine Spekulation”, ob, wann und in welcher Form der Durchbruch des autonomen Fahrens komme. “Wir beobachten die Entwicklung und sind davon überzeugt, dass wir genügend Zeit für eventuelle Anpassungen haben”, so der Finanzchef.Nachdem sich PWO vor rund einem Jahr ihren ersten Konsortialkredit gesichert hat, der mittlerweile um 10 Mill. auf 110 Mill. Euro aufgestockt wurde, sieht Bartmann aktuell keinen weiteren Finanzierungsbedarf. PWO hatte 2014 ein Schuldscheindarlehen über 60 Mill. Euro begeben, zudem bestehen bilaterale Kreditlinien. Nach Zukäufen halte er derzeit nicht aktiv Ausschau, wenngleich “viele Angebote vor allem aus Frankreich und den USA” eingingen. Diesen Unternehmen fehle jedoch meist das erforderliche Know-how, etwa in der Metallumformung.